Turner Kay-Uwe Temme ist zurück an alter Wirkungsstätte

Kay-Uwe Temme gehörte nach der Wende zu den ersten erfolgreichen Turnern des KTV Chemnitz. Nach über zwei Jahrzehnten ohne Geräte fand er im Verein eine neue berufliche Herausforderung.

Chemnitz.

Als Trainer feierte er bei den Deutschen Jugendmeisterschaften der Turner vor wenigen Tagen eine Premiere: Lucas Buschmann erkämpfte in der Altersklasse 15/16 Bronze am Sprung - es war für Kay-Uwe Temme die erste Medaille, die ein Schützling von ihm bei nationalen Titelkämpfen gewann. "Lucas erreichte im jüngeren Jahrgang auch das drittbeste Ergebnis im Mehrkampf. Aber da gibt es nur eine Gesamtwertung, in der er Zehnter wurde", zeigt sich der Chemnitzer mit dem Abschneiden zufrieden. Seit eineinhalb Jahren ist er am Bundesstützpunkt tätig, betreut eine hoffnungsvolle Nachwuchsgruppe des KTV.

"Es macht mir wahnsinnig viel Spaß, mit den jungen Leuten zu arbeiten. Jeden Tag gibt es neue Reize, du weißt vorher nie, was passiert. Sicher braucht man gerade in der pubertären Phase auch viel Fingerspitzengefühl. Aber als ehemaliger Aktiver kann ich mich gut in die Jungs reinversetzen, weiß, wie sie ticken", schwärmt der 47-Jährige, der einst selbst ein besonderes Kapitel in der Geschichte des Vereins und des Turnsports in der Region schrieb. 1992 war er der erste Gerätkünstler, der bei Deutschen Meisterschaften der Herren Medaillen erhielt: am Sprung Silber, am Boden Bronze. Zuvor hatte er bereits in den Nachwuchsklassen mehrfach bei DDR-Spartakiaden oder Titelkämpfen auf dem Podest gestanden, bestritt als Mitglied der Juniorenauswahl Länderkämpfe und Europacups. Mit damals 22 Lenzen besaß er große Ambitionen, träumte von Olympia. Er gehörte der Bundeswehrsportfördergruppe und dem Nationalmannschaftskader an. Letztlich schaffte er den großen Durchbruch nicht, auch weil ihn Verletzungen ausbremsten, die nationale Konkurrenz nach mehreren Einbürgerungen von Assen anderer Länder enorm wuchs.

Im Bundesligateam avancierte er indes jahrelang zu einer der wichtigsten Stützen. "Die Duelle waren immer ein Highlight. Vor allem in unserer kleinen Halle, wo die Zuschauer, manchmal bis zu 500, ganz nah dran waren", erinnert sich Kay-Uwe Temme gern. Und er ist deshalb froh, dass aktuell seine Turner in der höchsten Liga der Junioren dabei sind. "Das ist eine tolle Praxis, sie können Erfahrungen sammeln, mal neue Elemente probieren. Und wie bei uns damals auch, schweißen diese Wettkämpfe das Team zusammen", meint der Chemnitzer, der von jeher ein Faible für Mannschaftssportarten besitzt.

Als Knirps jagte er schon dem runden Leder hinterher, ehe er als Sechsjähriger mit dem Turnen begann. Nachdem er 1996 seine leistungssportliche Karriere beendet hatte, spielte er einige Jahre in Flöha auf Bezirks- und später Kreisebene Fußball - übrigens einige Zeit gemeinsam mit dem früheren Eiskunstläufer Ronny Winkler, mit dem er eng befreundet ist. Inzwischen kickt er, wenn es seine Zeit erlaubt, noch bei den Alten Herren von Ifa Chemnitz. Auf weitaus höherem Niveau indes führt der Junior die Leidenschaft des Papas weiter. Niklas Landgraf, sein Sohn aus der früheren Partnerschaft mit Manuela Landgraf (Paarlauf-Juniorenweltmeisterin mit Ingo Steuer 1984), gehört zu den Leistungsträgern des Drittligisten Hallescher FC. Er begann einst beim CFC, wechselte mit 14 Jahren zu Dynamo Dresden und 2017 in die Saalestadt. "Er hat sich echt gut entwickelt und durchgebissen", meint der Vater nicht ohne Stolz über den Verteidiger, der beim HFC einen Vertrag bis 2021 besitzt. So oft es möglich ist, versucht er dabei live im Stadion zu sein. Die Vorfreude auf die erste Heimpartie der neuen Saison nächsten Sonnabend gegen Rostock ist bereits spürbar.

Nicht geplant war hingegen die Rückkehr zum Turnen. Kay-Uwe Temme hatte eine Ausbildung zum Automobilkaufmann absolviert und arbeitete in dieser Branche, davon seit 2000 selbstständig im Kfz-Gewerbe. Im Oktober 2017 rief ihn Hans Müller, Geschäftsführer des KTV, an und fragte, ob er nach einem Weggang kurzfristig als Übungsleiter einspringen könnte. "Da ich zeitlich flexibel agierte, probierte ich es als eine Art Feuerwehrmann", erzählt der Sachse, den diese Aufgabe auf Anhieb begeisterte. Als im Sommer 2018 die Übungsgruppen neu aufgestellt wurden, nahm er das Angebot für eine Festanstellung ohne zu zögern an, besitzt inzwischen die aktuelle Trainer-C-Lizenz.

"Es war wie ein Geschenk für mich, zur richtigen Zeit. Denn als kleiner Händler wurde es immer schwieriger, sich auf dem Markt zu etablieren. Ich war schon dabei, auf etwas anderes umzuschwenken", berichtet Kay-Uwe Temme und fügt hinzu: "Ich habe eine Runde gedreht im Leben. Jetzt bin ich wieder dort, wo alles für mich angefangen hat." Veränderungen gibt es seither natürlich einige, die gravierendste erfolgt gegenwärtig mit dem Komplexumbau der Halle. Aber viel Vertrautes blieb. Zudem arbeitet sein einstiger Mannschaftsgefährte Sven Kwiatkowski inzwischen gleichfalls als Coach, ist sein früherer Trainer Henry Vogel nach wie vor tätig. "Bei Kay hat es von Anfang an gleich funktioniert. Er findet dabei auch ein gutes Maß beim Umgang mit den Athleten", lobt der 62-Jährige. Der "Neuling" wiederum ist sehr froh, dass er auf die Kompetenz der beiden bauen, sich mit ihnen austauschen kann. Man spürt, er fühlt sich sichtlich wohl in seinem Betätigungsfeld.

Und vielleicht gelingt Kay-Uwe Temme, der, wie er schmunzelnd verrät, privat von fünf Damen - seiner Lebensgefährtin Patty, deren drei Töchtern und einer Hündin - umgeben ist, in Zukunft noch das eine oder andere Novum ...

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