Unbeschreibliche Glücksgefühle: Taubitz holt Weltcup-Sieg

Julia Taubitz vom WSC Oberwiesenthal ist zur Königin des Rennrodelns avanciert. In einem dramatischen Finale sicherte sie sich in Königssee den Sieg im Gesamtweltcup.

Chemnitz/Königssee.

Am Ende machten exakt acht Punkte den Unterschied aus und vielleicht auch die besseren Nerven. Als Julia Taubitz am Sonnabend beobachtete, wie Tatjana Iwanowa, ihre härteste Konkurrentin im Kampf um den Weltcup-Gesamtsieg viele Fehler machte, wurde der Druck auf sie von Minute zu Minute größer. 27 Punkte Vorsprung hatte die Russin vor dem Rennen auf Taubitz. Wenn die Erzgebirgerin die große Kristallkugel noch holen wollte, musste sie mindestens zwei Plätze vor Iwanowa in der Ergebnisliste rangieren.

Julia Taubitz hielt dem Druck stand. Die Fahrfehler, die ihr im ersten Lauf passierten, wiederholte sie nicht noch einmal und belegte im Finale hinter Anna Berreiter aus Berchtesgaden den zweiten Platz. Damit hatte sie den Rückstand von 27 Punkten in acht Zählern Vorsprung umgemünzt. Als sie im Ziel von Bundestrainer Norbert Loch und vielen ihrer Teamkollegen in Empfang genommen wurde, kannte der Jubel keine Grenzen. "Es ist ein wunderbares Gefühl und einfach befreiend. Ich kann das alles noch nicht fassen", freute sich die 24-jährige gebürtige Annabergerin. Sie gab zu, dass sie mega aufgeregt vor dem zweiten Lauf gewesen sei. "Ich war voll auf 120 und wollte meine Chance unbedingt nutzen. Dass es am Ende noch geklappt hat, ist der Wahnsinn", fügte sie hinzu.

Damit ging am Sonnabend in Königssee eine insgesamt erfolgreiche Saison für Julia Taubitz zu Ende. Bei den Weltmeisterschaft in Sotschi hatte sie sich als Zweite nur der Russin Jekatarina Katnikowa geschlagen geben müssen. Bei den Weltcuprennen in Lake Placid, Altenberg und Sigulda stand sie jeweils ganz oben auf dem Siegerpodest. Damit füllte die Oberwiesenthalerin erfolgreich die Lücke, die sich durch das Pausieren von Natalie Geisenberger und Dajana Eitberger in dieser Saison aufgetan hatte. Eitberger brachte vergangene Woche einen kleinen Sohn zur Welt. Geisenberger erwartet im Mai ihr erstes Kind.

Den Weltcup-Gesamtsieg bei den Herren holte sich der Russe Roman Repilow, die Trophäe bei den Doppelsitzern Toni Eggert/Sascha Benecken. Beide gehörten neben Berreiter und Felix Loch zum deutschen Quartett, das die Staffel gewann.


Allein 13 Weltcup-Gesamtsieger kommen aus Oberwiesenthal 

Seit mehr als 30 Jahren spielen die Rennrodler aus Oberwiesenthal im Weltcup eine dominierende Rolle. Hier eine Übersicht über die Gesamtsieger aus dem Erzgebirge. 1984: Steffi Martin und Michael Walter. 1985: Cerstin Schmidt. 1987: Cerstin Schmidt. 1994: Gabi Kohlisch. 1995: Sylke Otto. 2000: Sylke Otto. 2003: Sylke Otto. 2004: Sylke Otto. 2008: Tatjana Hüfner. 2009: Tatjana Hüfner. 2010: Tatjana Hüfner. 2020: Julia Taubitz.

Einen guten Weltcup-Einstand feierte am Sonnabend in Königssee Jessica Degenhardt. Die Altenbergerin belegte in diesem Weltklassefeld nach zwei Läufen Rang elf. Die 17-Jährige war eine Woche zuvor in Oberhof Junioren-Weltmeisterin geworden. Bei den Olympischen Jugendspielen in St. Moritz hatte sie mit Vanessa Schneider Gold im Wettbewerb der Damen-Doppelsitzer gewonnen.

Der Zwickauer Chris Eißler, der sich vor Saisonbeginn bei einem Trainingssturz einen Mittelfußbruch zugezogen hatte, kämpft sich langsam an die Weltspitze wieder heran. Am Freitag siegte er in Königssee im Nationencup, am Sonntag holte er im Weltcuprennen Platz 15. (sg)


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