Ungemütliche Zeiten vor Weihnachten

Zwei Punkte aus drei Spielen sind die magere Ausbeute des FSV Zwickau in der englischen Woche. Durch einen Sonntagsschuss verliert der Fußball-Drittligist das OstDuell gegen Magdeburg.

Zwickau.

Es könnten ungemütliche Wochen werden bis Heiligabend auf der zugigen Eckersbacher Höhe, wo der FSV seine Heimspiele bestreitet. Am Samstag ging für den Fußball-Drittligisten die fünfte von sieben Partien im eigenen Wohnzimmer verloren. Mit dem 0:1 stand die bittere Wahrheit nach 94 Minuten auf der Anzeigetafel. Vermutlich mit Pfiffen wären die Spieler vom Publikum in die Kabine geschickt worden. Denn auch der bis dato auswärts noch sieglose 1. FC Magdeburg, als Tabellenvorletzter angereist, durfte in Zwickau Selbstvertrauen tanken. Zuvor war bereits Kaiserslautern, das noch ohne einen Sieg nach Zwickau gekommen war, mit einem Triumph wieder aus der GGZ-Arena abgereist.

Ronny König, das letzte Mal am 12. Oktober als Torschütze in Halle präsent, fand deutliche Worte: "Wir müssen uns alle hinterfragen. Zu viele Spieler sind derzeit einfach zu schlecht. Wir brauchen jetzt die kleinen Erfolgserlebnisse. Und selbst wenn wir mal gewinnen, ist nicht von heute auf morgen alles wieder gut", sagte der Stürmer. Aber wie die Abwärtsspirale stoppen? Zum Vergleich: In der Vorsaison, als zum Saisonende auch ohne Zuschauer gespielt werden musste, stand der FSV nach zwölf Spieltagen mit 18 Punkten auf Rang 8. Wie hauchdünn der Verein am Ende den Absturz ins Amateurlager verhinderte, ist bekannt. Aktuell rangiert Zwickau mit zwölf Zählern einen Platz vor dem ersten Abstiegsrang. Zu allem Überfluss verlor die Mannschaft den bis zu seiner Verletzung besten Akteur, Jozo Stanic. Der Abwehrmann zog sich bei einem Zweikampf eine Fleischwunde am Oberschenkel zu. Sein Einsatz morgen (19 Uhr) im Nachholespiel beim Tabellenvierten SC Verl ist fraglich.

Fraglich wie so vieles beim FSV in diesen Tagen. Die nach der Niederlagenserie praktizierte Optimierung des Defensivverhaltens geht offenbar zu sehr zu Lasten der Offensive. Gegen Magdeburg kam man zu zwei guten Torchancen in der gesamten Partie. Eine in der ersten Halbzeit nach Eckball, als FCM-Kapitän Christian Beck bei einem Nachschuss von Felix Drinkuth auf der Linie rettete. Und in der 84. Minute aus dem Spiel heraus, als König eine Flanke von Maurice Hehne ans Lattenkreuz köpfte. Dass auch kaum Torchancen des Kontrahenten zugelassen wurden, hilft am Ende des Tages nicht. Denn beim Sonntagsschuss von Andreas Müller ins Dreiangel konnte der Magdeburger ungestört aus 25 Metern abziehen. Bis auf diesen Geniestreich bot das Ost-Duell spielerisch kaum Erhellendes an einem grauen Samstag. Kein Team wollte einen folgenschweren Fehler begehen. Während FCMCoach Thomas Hoßmang von "nicht gerade einem Leckerbissen" sprach, meinte FSV-Trainer Joe Enochs: "Wir sind sehr enttäuscht. Das war zu wenig. Wenn man gewinnen will, da braucht es auch den unbändigen Willen, das Ding über die Linie zu drücken", sagte der Chefcoach. Um so bitterer, da die Magdeburger an diesem Tag durchaus schlagbar waren. Enochs: "Doch sie haben uns den Schneid abgekauft."

Das lag vor allem auch an zu vielen einfachen Ballverlusten und an einem zu unpräzisen Umschaltspiel. Insgesamt fehlt es der Offensive an Schnelligkeit. In diesem Zusammenhang war es wohl auch nicht die beste Idee, Manfred Starke nach der Auswechslung von Maximilian Wolfram zur Pause in die Sturmspitze zu stellen. Insgesamt stellt sich die Frage: Wie kann es sein, dass der Kader, wie Trainer und Sportdirektor Toni Wachsmuth betonten, mit den Neuzugängen qualitativ besser geworden ist, dass die größere Konkurrenz eine höhere Trainingsqualität mit sich bringt, sich dies aber nicht in den Ergebnissen niederschlägt? Oder: Wie können die offensiven Außenpositionen wieder besser zur Geltung kommen? Morris Schröter ist von seinem Lauf aus der Vorsaison entfernt, Felix Drinkuth blieb am Samstag ebenso blass. Könnten sie zum Beispiel bei einer Vierer-Abwehrkette in der Defensivarbeit mehr entlastet werden und so offensiv mehr Akzente setzen? Immer wieder kommt der letzte Pass oder die finale Flanke nicht an. Und weiter: Ist Wolfram ganz vorn dieser Vollstreckertyp wie Elias Huth, oder eher der Mann für die finalen Pässe dahinter?

Viele Fragen und kaum Zeit fürs Training in den englischen Wochen - vor dieser Mammutaufgabe steht nun Joe Enochs mit seinem Team bis zur eigentlich nicht vorhandenen Winterpause. Da heißt es wohl, für Schadensbegrenzung zu sorgen, den Transfermarkt beobachten und die Worte von Ronny König beherzigen: "Ich bin weit entfernt davon zu jammern. Wir müssen uns da selbst wieder rausziehen, wieder einfacher spielen. Fußball ist zu 80 Prozent Kopfsache." Zeit zum Nachdenken bleibt ohnehin kaum.

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