Unikum des Skisports gestorben

Für Rolf Mädler waren Schanzen und Loipen wie ein zweites Zuhause. Vor allem in Zschorlau hat der langjährige Übungsleiter Spuren hinterlassen.

Aue.

Es war der 27. Dezember des Vorjahres. Rolf Mädler saß beim Frühstück daheim in Zschorlau, als ihn ein paar langjährige Begleiter von der schreibenden Zunft und sein ehemaliger Schützling Tilo Schmidt besuchten. Das Hören fiel ihm bereits schwer, aber der spitzbübische Schelm in ihm funktionierte immer noch gut: "Die alten Seilschaften", stellte der Mädler-Rolf den noch anwesenden Freunden und Verwandten seine Gäste vor.

Rolf Mädler, ein Unikum des sächsischen Skisports, ist am Karfreitag im Alter von 75 Jahren in Aue verstorben. Wer regelmäßig an den Schanzen und Loipen insbesondere in Sachsen zu Besuch war, musste den langjährigen Trainer der Nordischen Kombination kennen. Einige seiner Schützlinge haben es später zu Erfolgen gebracht. Zum Beispiel Olympiastarter Sven Leonhardt aus Zschorlau oder zuletzt Terence Weber aus Geyer, beide WM-Teilnehmer in der Kombination, gingen durch seine alte Schule.Diese war geprägt von Wortwitz und individueller Betreuung. Begonnen hatte Mädler als Übungsleiter 1969 bei der BSG Aufbau Stützengrün. Ab 1973 arbeitete er im Trainingszentrum Zschorlau, das er als hauptamtlicher Trainer zu einem Talentequell für Skisportler, die mit 13 Jahren an die Sportschule nach Oberwiesenthal delegiert wurden, aufbaute. Bei seinem Praktikum Mitte der 70er-Jahre am Fichtelberg beobachtete Mädler, wie Weltklasse-Kombinierer, beispielsweise Ulrich Wehling oder Konrad Winkler, ausgebildet wurden.

Nach Abschluss des Trainerstudiums 1978 an der DHfK in Leipzig wirkte Mädler bis 1990 in Zschorlau, bis er im Juni des Jahres mit der Auflösung der DDR-Sportstrukturen vom damaligen DTSB die Kündigung erhielt. Der ausgebildete Coach pendelte fortan zwischen dem Erzgebirge und Regensburg, wo er als Zeitarbeiter seine Brötchen verdiente. 2002 kehrte er in den Skisport zurück, kümmerte sich bis 2007 um den Nachwuchs beim SSV Geyer.

Rolf Mädler war einer, der wie alle Menschen Stärken, aber auch Schwächen in sich trug. Schmidt erinnert sich an seine Kindertage als Kombinierer: "Für mich war er mehr als nur Trainer, nämlich Vater- und Mutterersatz, Freund und Motivator. Von den acht Wochen Ferien damals habe ich sechs mit Rolf und den Kameraden im Trainingslager verbracht. Wir waren in Berlin beim TSC oder in Bad Elster. Rolf hatte überall seine Beziehungen und kannte jemanden, der geholfen hat, wenn irgendwas gebraucht wurde." So erschienen die Zschorlauer oft sehr gut ausgerüstet zu den sächsischen Wettbewerben des Skinachwuchses.

Fast legendär sind Rolf Mädlers Sprüche, die heutzutage vielleicht nicht alle den Erziehungs-Tüv bestehen würden. Einprägsam waren sie für die Sportler allemal. "Lange Haare, kurzer Verstand", hörten die Jungs schon mal, wenn sie den Friseurtermin verpasst hatten. Tilo Schmidt: "Ich habe ihm immer gesagt, dass er sein Wissen in einem Buch weitergeben soll. Das wäre ein Schatz für die Nachwelt gewesen." Dazu ist es nicht mehr gekommen.

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