Verschnaufen vor K.o.-Duellen: DVV-Frauen «am Limit»

Die EM-Vorrunde der deutschen Volleyballerinnen verlief ausgezeichnet. Nach fünf Siegen in fünf Spielen wächst der Glaube an etwas ganz Großes. Vor der K.o.-Runde ist aber noch niemand in Partylaune.

Bratislava (dpa) - Bundestrainer Felix Koslowski verordnete den deutschen Volleyballerinnen um Star-Diagonalangreiferin Louisa Lippmann nach fünf Siegen in sechs Tagen erstmal Erholung.

Denn der bravouröse Sturm ins EM-Achtelfinale als ungeschlagener Gruppensieger inklusive des Sensationserfolges gegen Rekordchampion Russland kostete viel Kraft. «Wir waren jetzt am Limit», beschrieb Koslowski die erschöpfende Grenzerfahrung. Mit Blick auf die erste K.o.-Runde am Sonntag gelte es dann ab Freitag im Kraftraum wieder «Spannung aufzubauen» für die hohen Ziele.

Koslowski kann mit seinem Team hochzufrieden sein. Als Ziel für die Vorrundengruppe D in Bratislava hatte sich der EM-Fünfte von 2017 mindestens Platz zwei hinter Russland gesetzt, um im Achtelfinale auf einen nominell einfacheren Gegner zu treffen. Mit Rang eins verblüfften die Deutschen. «Wir haben jetzt eine sehr gute Ausgangslage», sagte der 35-jährige Koslowski.

Der junge Mann, der in Personalunion noch Pokalsieger SSC Palmberg Schwerin trainiert, hat eine Mannschaft mit großem Leistungsvermögen geformt. Seit seiner Amtsübernahme im November 2015 - damals noch im Jobsharing mit Andreas Vollmer - hat Koslowski auf Verjüngung gesetzt. Und könnte mit seinem Team schon bei dieser erstmals in vier Ländern ausgetragenen Europameisterschaft Edelmetall angreifen.

«Die Mannschaft hat ein Riesenpotenzial», sagte er in einer Telefonkonferenz über seinen im Schnitt nicht mal 24 Jahre alten Kader. «Diese Mannschaft hat eine sehr große Zukunft.» Das Team um Ausnahmespielerin Lippmann könne in Zukunft Medaillen gewinnen. «Ob schon in diesem Jahr, werden wir sehen», meinte Koslowski.

«Der Wunsch und Traum ist immer da, aber dafür müssen wir erst einmal unsere Hausaufgaben zu Beginn machen und das absolute Top-Level abrufen», hatte Lippmann zum Medaillenpotenzial ihrer Mannschaft gesagt, die nur zu gerne erstmals seit Silber bei der Heim-EM 2013 Edelmetall nach Hause bringen würde.

Mit den bisherigen Auftritten habe sich seine Mannschaft Respekt bei den Rivalinnen erarbeitet, meinte Koslowski. Damit könnte sie vielleicht auch ihr großes Defizit wettmachen. «Uns fehlt es an Erfahrung. Es wird spannend sein, wie wir das kompensieren können», sagte Koslowski, der bei der Nationalmannschaft als Assistent des früheren Bundestrainers Giovanni Guidetti viel lernen konnte.

Seine Spielerinnen haben Koslowski bislang beeindruckt. Aufschlag und Annahme funktionieren. «Wir haben unser Angriffsspiel verbessert. Wir spielen viel aggressiver und schneller durch die Mitte», erläuterte er. Mit der neu gewonnenen Konstanz soll dann auch die K.o.-Runde bestritten werden. Denn nur wegen der starken Vorrunde ist noch niemand bei den Deutschen in Partylaune. «Wir werden nach dem letzten Spiel feiern», kündigte Koslowski schon mal an. «Das dauert aber hoffentlich noch.»

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