Wellbrock & Co. im Wartestand: Chancen nächstes Jahr nutzen

Für Florian Wellbrock war an diesem Wochenende eigentlich ein wichtiger Olympia-Formcheck geplant, andere Schwimmer hätten um die letzten Tokio-Tickets gekämpft. Wegen der Corona-Krise müssen sie umdisponieren. Ein Leistungsträger sagt, warum er weitermacht.

Berlin (dpa) - Wenn Florian Wellbrock sein größtes Schwimmrennen genießen will, bleibt ihm noch für längere Zeit nur der Blick ins Internet.

Statt sich an diesem Wochenende bei den deutschen Meisterschaften in Berlin einer Standortbestimmung zu unterziehen und sich anschließend in die Endphase der Olympia-Vorbereitung zu stürzen, muss sich der Doppel-Weltmeister wegen der Corona-Krise mit Training und dem Blick auf Youtube zufrieden geben. Dort schaut sich der Freistil-Experte ab und an sein Gold-Rennen über 1500 Meter bei der WM 2019 in Südkorea an - zur Erinnerung und auch zur Motivation.

Die Olympia-Verschiebung ins nächste Jahr war für Wellbrock bei allem Verständnis zunächst auch mit Enttäuschung verbunden, schließlich war er seit Monaten in bestechender Form. Mittlerweile hat sich der 22-Jährige aber darauf eingestellt und plant wie einige Teamkollegen nun den Angriff für 2021.

«Die Absage der Olympischen Spiele habe ich mittlerweile gut weggesteckt und werde meine Chancen einfach nächstes Jahr nutzen», sagte Wellbrock der Deutschen Presse-Agentur. «Ich bin zur Zeit in der glücklichen Lage, dass ich am Olympiastützpunkt mit meinen Freunden trainieren darf, natürlich unter strengen Auflagen.» Wellbrock übt wie unter anderen 1500-Meter-Vizeweltmeisterin und Olympia-Medaillenhoffnung Sarah Köhler beim deutschen Teamchef Bernd Berkhahn in Magdeburg.

Philip Heintz kann trotz Corona-Krise ebenfalls an seiner Performance arbeiten. Der Lagenspezialist ist aber auch ein Beispiel dafür, wie schwierig die von Ungewissheit geprägte aktuelle Situation für viele Sportler sein kann. Erst vor einigen Tagen teilte er mit, dass er sich für eine Karrierefortsetzung entschieden hat. «Ich schwimme wieder so gerne, wie ich es getan habe, als ich 18 oder 20 Jahre alt war», sagte der 29-Jährige zur Begründung. «Ich liebe es wirklich, wieder im Wasser zu sein.»

Heintz, Wellbrock und Köhler hatten sich bereits vor der Verschiebung für Olympia qualifiziert, zudem hatten Marco Koch, Jacob Heidtmann, Marius Kusch und Laura Riedemann die Tokio-Norm bereits erfüllt. Der Deutsche Schwimm-Verband will sich beim Deutschen Olympischen Sportbund laut DSV-Leistungssportdirektor Thomas Kurschilgen dafür einsetzen, dass die Athleten, «die sich auf Grundlage der bisherigen sportartspezifischen Nominierungskriterien bereits für die Olympischen Spiele 2020 qualifiziert hatten, dann auch in 2021 zur Nominierung vorgeschlagen werden».

Für alle anderen wäre der ursprünglich für dieses Wochenende geplante nationale Schwimm-Showdown in der Hauptstadt die letzte Chance zur Normerfüllung für Olympia in diesem Jahr gewesen. Wann und unter welchen Bedingungen nun wieder Qualifikationswettkämpfe für das verlegte Ringe-Spektakel stattfinden können, ist noch völlig unklar.

Die verschobenen Spiele und die ungewisse Saisonplanung müssen die Athleten erst einmal verarbeiten. «Bildlich gesprochen ist ein Stecker gezogen worden - und die Energie ist weg», hatte Kurschilgen nach der Olympia-Absage für 2020 gesagt. Um die Sportler mental zu unterstützen, hat der Verband eine Hotline für psychologische Betreuung eingerichtet, die laut Kurschilgen von vielen Sportlerinnen und Sportlern genutzt wird.

Von allen Beteiligten sei derzeit sehr viel «Flexibilität» und «Ausdauer» gefordert, sagt auch Teamchef Berkhahn. Der Magdeburger Schwimm-Fachmann ist jedoch zuversichtlich. «Die Motivation wird maximal groß sein, wenn die übergeordneten Verbände die Rahmenbedingungen für die neue Saison festgelegt haben und wir in die zielorientierte Trainingsarbeit einsteigen können», sagt er. Bis dahin bleiben seinem Top-Schwimmer Wellbrock nur die TV-Bilder, um in sein bisher größtes Rennen einzutauchen. Im Sommer 2021 soll dann ein noch größeres folgen.

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