Weltmeisterin bleibt Chemnitzern treu

Bahnsprinterin Pauline Grabosch fährt bis Ende 2020 weiterhin für das Erdgasteam. Mit dem Rückenwind des verlängerten Vertrages will sie nun beim Weltcup in Berlin neu durchstarten.

Chemnitz.

Am Ende war die Unterschrift mehr oder weniger Formsache, stand ein Wechsel nicht wirklich zur Debatte: "Ich fühle mich im Team sehr wohl. Und ich denke, ich kann mich hier weiter sportlich gut entwickeln", sagt Pauline Grabosch. Was lag da näher, als den auslaufenden Vertrag beim Chemnitzer Erdgasteam um zwei Jahre zu verlängern? Zumal auch der Sportliche Leiter Michael Hübner in den höchsten Tönen von ihr schwärmt: ",Paula' war und ist ein Glücksfall für uns. Deshalb wollen wir den erfolgreich eingeschlagenen Weg mit ihr unbedingt fortsetzen, sehen unsere Partnerschaft langfristig."

Seit 2017 fährt die gebürtige Magdeburgerin im Trikot mit dem Drachen. Die viermalige Juniorenweltmeisterin erfüllte bislang die hohen Erwartungen komplett: 2017 U-23-Europameisterin im Sprint, dazu zwei Medaillen bei der Elite-Heim-EM in Berlin, 2018 erster Einzelweltcupsieg im Sprint, Weltmeisterin im Teamsprint (mit Kristina Vogel und Miriam Welte), dazu überraschend WM-Bronze im Sprint - das Talent ist bei den Frauen mehr als angekommen. Zuletzt musste sich das Team etwas in Geduld üben - brachte diese aber gern auf. Die 20-Jährige war am 26. Juni hautnah dabei, als Gefährtin Kristina Vogel auf der Radrennbahn in Cottbus so folgenschwer stürzte. Die Erfurterin sitzt seitdem querschnittsgelähmt im Rollstuhl. Pauline Grabosch hatte immer wieder die Bilder vom Unfall im Kopf, fühlte sich danach lange Zeit gehemmt. "Körper und Geist haben nicht mehr mitgespielt. Ich konnte meine Leistung nicht abrufen, musste Abstand gewinnen", erinnert sie sich. Die EM im August sagte sie kurzerhand ab, reiste stattdessen auf die Kanaren, um eine Auszeit zu nehmen.

Der Unfall ist der tragische Höhepunkt eines überaus turbulenten Jahres 2018. Sportlich lief am Jahresanfang beim Weltcup in Minsk und der WM in Apeldoorn alles nahezu perfekt. Nebenbei baute die Sprinterin an der Sportschule Erfurt ihr Abitur - trotz über 250 Fehltagen in der Oberstufe mit der Note 1,1 (mit Nachteilsausgleich). Auch privat durchlebte sie im Frühjahr mit einer Trennung eine schmerzliche Zeit. Und dann kam dieser verflixte 26. Juni. "Der Unfall hat mich aus der Bahn geworfen. Danach musste ich mich Stück für Stück wieder neu sortieren", sagt Pauline Grabosch mit fünf Monaten Abstand.

Geholfen hat ihr in dieser schweren Zeit auch der Zusammenhalt im Team. Die ersten Nächte nach dem Unfall verbrachte sie im Haus von Teamkollege Maximilian Levy bei Cottbus. "Wir haben unser Motto ,la familia' gelebt. Auch unsere Spendenaktion hat mir bei der Verarbeitung geholfen", erklärt sie. Mitte August ist sie ins Training zurückgekehrt, musste mit Heimcoach Anner Miedema erst ihren weiteren Weg finden. "Es gibt keinen Schalter, den man einfach umlegt. Aber ich habe gelernt, mit der Situation umzugehen", meint Pauline Grabosch, die seit dem 1. Oktober der Sportfördergruppe der Bundeswehr angehört.

Nach einem verhaltenen Saisonauftakt will sie beim Heimweltcup nächstes Wochenende in Berlin wieder einen Schritt näher an die Weltspitze rücken. Sie ist erneut für Teamsprint und Sprint vorgesehen.

Bewertung des Artikels: Noch keine Bewertungen abgegeben
0Kommentare
Um zu kommentieren, müssen Sie angemeldet und Inhaber eines Abonnements sein.



    Bitte schalten Sie ihren AdBlocker aus. An alle Adblocker

    Bitte schalten Sie ihren AdBlocker aus.
    Mehr erfahren Sie hier...