Wie ein System bunter Blasen das Weltcup-Gewimmel lenkt

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Beim Doppel-Weltcup im Skisport in Klingenthal wird die größte Herausforderung das Entzerren der beiden Disziplinen.

Klingenthal.

Es dürfte ein buntes Gewimmel werden, beim doppelten Ski-Weltcup, der am Wochenende im vogtländischen Klingenthal stattfindet. Und das selbst, wenn die angesetzten Wettkämpfe in der Nordischen Kombination und im Skispringen coronabedingt vor leeren Zuschauerrängen stattfinden. Auch das restliche Treiben - es werden allein 450 Sportler und Offizielle erwartet - soll entwirrt und in separierte Bahnen gelenkt werden. Genau dazu wird es bunt - durch die Farbvielfalt des Sicherheitskonzeptes. Das "Bubble System" (das "System der Blasen" - Anm. d. Red.), hat der Internationale Skiverband (FIS), kurz für Fédération Internationale de Ski, ersonnen. Mit ihm will man sonst als Massenereignisse stattfindende Wettkämpfe zumindest publikumslos durchführen können, ohne dass der Schutz vorm SARS-CoV-2-Virus vernachlässigt wird.

"Alle Wege und Aufenthaltsbereiche sind farbig markiert je nach der Blase, zu der man gehört", berichtet Konstanze Schneider, die für den Vogtländischen Skiclub Klingenthal als ausrichtender Verein die Öffentlichkeitsarbeit organisiert. "Die Leute vom Organisationsteam sind in der blauen Blase. Die Presse bekommt gelb, das Fernsehen grau", sagt Konstanze Schneider. Für die Sportler gibt es die Farbcodes rot und grün, rot für die Skispringer, grün für die Nordische Kombination. Mit der farblichen Markierung, die schon an der Kleidung erkennbar sein soll, will man Personenströme voneinander trennen.

Eine Akkreditierung bekommt ohnehin nur, wer einen negativen PCR-Test nachweisen kann, der nicht älter ist als 72 Stunden. "Darüber hinaus wird per Fragebogen kontrolliert", berichtet Schneider. Per QR-Code lässt sich der Katalog der Fragen aufrufen, der über Erkältungssymptome oder Kontakt zu positiv getesteten Personen während der letzten Tage Auskunft verlangt. "Wenn man alle Fragen mit Nein beantworten kann, ist es okay", sagt Schneider.

Auf dem Veranstaltungsgelände bestehe grundsätzlich Maskenpflicht, von der selbst Sportler nur unmittelbar während ihres Wettkampfs ausgenommen sind. Den Lift der Schanze dürfen jeweils nur zwei statt der sonst vier Personen zeitgleich nutzen. Für weitere Infektionstestungen gibt es an der Vogtland-Arena ein weiteres Testzentrum. Das vom Veranstalter erstellte Hygienekonzept sei "zwingende" Voraussetzung für die Organisation solch sportlicher Großereignisse, teilt Sachsens Gesundheitsministerium auf Anfrage der "Freien Presse" mit. Seitens der Staatsregierung würden mit der Sächsischen Corona-Schutz-Verordnung sowie der Allgemeinverfügung Hygiene nur "Rahmenbedingungen" vorgegeben. Übers Einhalten sämtlicher Auflagen wachten die örtlichen Gesundheitsbehörden.

In die Entscheidung, den zunächst im japanischen Sapporo geplanten Skisprung-Weltcup ins Vogtland zu verlegen, seien sächsische Behörden nicht eingebunden gewesen, führt das Ministerium aus. Im Sinne der "Autonomie des Sports" würden Entscheidungen darüber, wo Großsportveranstaltungen stattfinden, von den internationalen und nationalen Sportfachverbänden in Abstimmung mit potenziellen Ausrichtern getroffen.

Der Japanische Skiverband hatte es in der zweiten Novemberwoche bedauert, das Skispringen absagen zu müssen: "Es war keine einfache Entscheidung für uns, aber wegen der steigenden Zahlen an Covid-19-Fällen auf Hokkaido, besonders in Sapporo, hatten wir keine andere Chance. Wir hätten die 2021er Wettkämpfe gern ausgerichtet, aber unter den derzeitigen Umständen können wir die Gesundheit der Athleten nicht garantieren", verlautbarte der japanische Verband. Was konkret Deutschland, noch konkreter, was Klingenthal prädestinierte, einzuspringen - die Antwort auf diese Anfrage der "Freien Presse" beim Internationalen Skiverband in der Schweiz steht derzeit noch aus.

Immerhin - auch jene die Sportler unterbringenden Hotels der Region zeigten gegenüber der "Freien Presse" Zuversicht bezüglich ihrer Sicherheitskonzepte. Die Weltcup-bedingte Ausnahme vom momentanen Beherbergungsverbot war trotz des Mehraufwands willkommen. Apropos Mehraufwand: Die "größte Herausforderung" wird laut Sprecherin Konstanze Schneider das Entzerren der beiden Weltcup-Veranstaltungen. Der Schanzen-Auslauf wird ja auch als Start und Ziel der Kombilaufstrecke genutzt. "Da muss jeder Handgriff sitzen." mit tp und cbert

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