Wieder keine Medaille: Fecht-Verband blickt auf Olympia 2020

Wie im vergangenen Jahr geht die Fecht-WM ohne deutsche Medaille zu Ende. Der Deutsche Fechter-Bund legt den Fokus auf die Olympischen Spiele 2020, die zur Nagelprobe für den Verband werden dürften.

Budapest (dpa) - Ein kurzes Händeschütteln, ein Kopfnicken - der Kampf um die letzte Medaillen-Chance bei der Fecht-WM in Budapest ging für das deutsche Team emotionslos zu Ende.

Auf der grünen Nebenbahn vor vielleicht 300 Zuschauern in der spärlich gefüllten Wettkampfhalle schieden auch die Florettherren im Viertelfinale aus. Wie schon im vergangenen Jahr in Wuxi/China tritt der Deutsche Fechter-Bund die Heimreise ohne Edelmetall an.

Die Vize-Europameister Peter Joppich, Benjamin Kleibrink, Luis Klein und André Sanita unterlagen in der Neuauflage des Düsseldorfer EM-Finals vor gut vier Wochen Frankreich deutlich mit 24:45. Peking-Olympiasieger Kleibrink blieb als letztem Fechter auf der Planche nur die faire Gratulationen an seinen Kontrahenten Erwann Le Pechoux. In der folgenden Platzierungsrunde verlor das deutsche Team auch gegen Hongkong (42:45).

Das beste deutsche Einzel-Ergebnis in der ungarischen Hauptstadt hatte Säbelspezialist Max Hartung mit Platz sechs erreicht. Das Säbel-Team um den EM-Dritten war am nächsten dran an einer Medaille, das Europameister-Quartett verlor aber das Gefecht um Platz drei gegen Italien (38:45). Vor Wuxi 2018 hatte es zuletzt 1971 eine WM ohne deutsche Medaillen gegeben.

In der Olympia-Qualifikation, für die es in Budapest etliche Punkte zu holen gab, sammelten die Säbel- und Florettherren immerhin ordentlich Zähler. Hartung und Co. ist die Teilnahme an Tokio 2020 praktisch nicht mehr zu nehmen. Kleibrink, Joppich, Sanita und Klein haben weiterhin gute Aussichten. Auch die Florettdamen liegen voll im Rennen.

Damit wären immerhin neun deutsche Fechter im kommenden Jahr dabei. Die pro Mannschaft drei Starter sind zudem automatisch für die olympischen Einzel-Wettkämpfe qualifiziert. 2016 in Rio de Janeiro hatte es nur ein deutsches Rumpfteam mit vier Fechtern zu den Spielen geschafft, Medaillen gab es erstmals seit 1980 keine. Nach zwei Weltmeisterschaften ohne nennenswerte Erfolge dürften die 2020er-Spiele deshalb zur Nagelprobe für den kriselnden DFeB werden.

«Internationale Erfolge sind extrem wichtig für die Förderung der Sportart», hatte Verbandspräsidentin Claudia Bokel unlängst im Interview der «Frankfurter Allgemeinen Zeitung» gesagt. «Zumindest helfen uns aktuelle Erfolge, wieder ein bisschen mehr wahrgenommen zu werden - auch von potenziellem Nachwuchs.» Die leicht gestiegenen Erwartungen nach der stimmungsvollen Heim-EM mit vier Medaillen wurden in Budapest aber nicht erfüllt.

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