Wintersport
Keiner hat mehr: "Legende" Klaebo gewinnt achtes Gold

Johannes Hoesflot Klaebo holt bei den Winterspielen in Italien im dritten Rennen sein drittes Langlauf-Gold. Wieso er als besonders akribischer Arbeiter gilt und welche Rolle sein Opa spielt.

Tesero.

Johannes Hoesflot Klaebo ballte nach einem spektakulären Langlauf-Krimi kurz die Fäuste und schnallte seinem am Boden liegenden Herausforderer fair die Ski ab. Schon im Trainingsanzug reichte der 29-Jährige seinem völlig entkräfteten Landsmann Einar Hedegart die Hand und genoss in der Sonne von Tesero den nächsten Meilenstein seiner beeindruckenden Karriere. Der norwegische Superstar hat sein achtes Olympia-Gold gewonnen und damit zu den Rekordsiegern bei Winterspielen aufgeschlossen.

"Ich habe noch nie in dieser Disziplin gewonnen. Das bei Olympia zu schaffen, ist der Wahnsinn", sagte Klaebo nach dem Triumph über zehn Kilometer in der freien Technik in der ARD. "Ich war sehr motiviert, es hier zu schaffen. Heute war ich an der Reihe." Danach sah es lange nicht aus.

Packendes Duell zwischen Klaebo und Hedegart

Einen Kilometer vor dem Ziel hatte Hedegart im Intervallstart-Wettkampf noch vorn gelegen. Vor tobenden Zuschauern, von denen einige das Rennen bei frühlingshaften Temperaturen mit nacktem Oberkörper verfolgten, brach der 24-Jährige am Schluss aber noch ein. Hedegart fiel sogar hinter Silbergewinner Mathis Desloges aus Frankreich zurück und holte Bronze.

Das ist sie: Johannes Hoesflot Klaebo freut sich über seine achte Olympia-Goldmedaille.
Das ist sie: Johannes Hoesflot Klaebo freut sich über seine achte Olympia-Goldmedaille. Bild: Daniel Karmann/dpa

Klaebo hat nun genau wie seine norwegischen Landsleute Marit Björgen (Langlauf), Ole Einar Björndalen (Biathlon) und Björn Dählie (Langlauf) achtmal Gold gewonnen. Alle drei sammelten zudem jeweils viermal Silber.

Damit liegen sie in der Rangliste noch vor Klaebo, der einmal bei Winterspielen Zweiter wurde. Björgen, Björndalen und Dählie haben ihre Karrieren bereits lange beendet. Klaebo will in Italien weiter Medaillen sammeln. Er scheint unaufhaltsam.

Schlickenrieder: "Er steht auf dem Ski wie kein anderer"

"Da kann man einer Legende zuschauen", sagte Florian Notz, der als 22. der beste Deutsche war. Klaebo mache sich hier zum absolut Größten aller Zeiten. "Gott sei Dank war der Klaebo zu meiner Zeit noch nicht aktiv", sagte der frühere Athlet und heutige deutsche Teamchef Peter Schlickenrieder.

"Er steht auf dem Ski wie kein anderer", erklärte der 55-Jährige. Er lese die Strecke ganz anders. "Er sieht Neigungen an einem Berg, die siehst du gar nicht. Er zerlegt Strecken, er plant, er weiß genau, wo er angreift und Positionen gutmacht. Er hat immer drei Pläne für so einen Wettkampf." Voller Hochachtung stellt er fest: "Er ist ein planerischer, strukturierter Künstler auf Skiern."

Unnachahmlich: Johannes Hoesflot Klaebo ist für seine akribische Arbeit bekannt.
Unnachahmlich: Johannes Hoesflot Klaebo ist für seine akribische Arbeit bekannt. Bild: Daniel Karmann/dpa

Klaebo - der Meister des Höhentrainings

Mit wissenschaftlicher Akribie und Präzision widmet sich Klaebo seinem Sport. Der 29-Jährige gilt als Meister des Höhentrainings, nimmt enorme Strapazen in Kauf, um sich optimal auf Saisonhöhepunkte vorzubereiten. Eine besondere Rolle nimmt zudem sein Opa ein, der Klaebo betreut und berät.

"Er ist der beste Skifahrer aller Zeiten", sagte Oskar Opstad Vike, der im olympischen Sprint Dritter wurde. Klaebo siegte dort, im Skiathlon und ließ nun sein drittes Gold folgen. 2018 in Südkorea sicherte er sich drei, vier Jahre später in China zwei Olympiasiege.

Klaebo: Jahr "von Freude geprägt"

Nach einem schwierigen Jahr und viel Druck vor den dann sehr erfolgreichen Heim-Weltmeisterschaften in Trondheim hat der Ausnahmesportler nach eigenen Angaben nun richtig Spaß. "Mein letztes Jahr war ein ewiger Kampf um die Weltmeisterschaften, dieses Jahr war eher von Freude geprägt", sagte Klaebo.

Im langlaufverrückten Norwegen kennt ihn quasi jeder. Seine disziplinierte und perfektionistische Art macht ihn aber auch irgendwie unnahbar. "Das ist so weit weg von einem selbst. Ich glaube, da kriegt man keine Verbindung hin", sagte Schlickenrieder. "Das ist schon fast außerirdisch." (dpa)

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