Wintersport
Zu oft nur "nah dran": Medaillen-Flaute bei Biathleten

Es begann verheißungsvoll. Doch nach Bronze zum Auftakt gingen die deutschen Biathletinnen und Biathleten bei Olympia leer aus. Die Hoffnungen ruhen nun auf zwei bestimmten Rennen.

Antholz.

Nach ihrer nächsten vergebenen Medaillenchance weinte Franziska Preuß im Ziel bittere Tränen. Das Bild von Deutschlands trauriger Nummer eins stand sinnbildlich für das deutsche Biathlon-Team: Denn am Ende der ersten Olympia-Woche mit dem schwächsten Start der Geschichte herrscht Enttäuschung. "Es ist sehr ernüchternd, dass 30 Sekunden von einem richtig guten Rennen wieder alles zerstören", sagte Preuß. Im Verfolger vergab sie wie schon zuvor im Einzel mit zwei Fehlern beim letzten Schießen den ersehnten Sprung auf das Podest.

In den spektakulären Jagdrennen waren Weltmeisterin Preuß als Sechste und Philipp Horn auf Rang elf als beste Deutsche wie ihre Teamkollegen nur in der Zuschauerrolle bei den anschließenden Siegerehrungen in Antholz. Bronze zum Auftakt für die Mixed-Staffel vor einer Woche bleibt nach sieben von elf Wettkämpfen der einzige Lichtblick. "Wir haben sicher keinen Flow, und der Deckel fliegt derzeit nicht vor Begeisterung vom Topf", sagte Sportdirektor Felix Bitterling nach medaillenlosen Tagen in Südtirol. 

Glanzzeiten sind lange her

Nie zuvor hatten die DSV-Skijäger solch einen schwachen Start in den olympischen Individualrennen hingelegt. Sechs Wettbewerbe, kein Edelmetall - bei Winterspielen ist das für das einst so erfolgsverwöhnte Team ein Novum. "Es hilft jetzt eh nichts. Heute darf ich mal traurig sein, morgen bin ich dann wieder optimistisch", sagte Preuß.

Franziska Preuß hatte noch keinen Grund zum Jubeln in den olympischen Einzelrennen.
Franziska Preuß hatte noch keinen Grund zum Jubeln in den olympischen Einzelrennen. Bild: Hendrik Schmidt/dpa

Vor vier Jahren hatte Denise Herrmann-Wick mit Gold im Einzel in Peking noch für einen Glanzpunkt gesorgt, auch acht Jahre zuvor hatte es in Sotschi durch Einzel-Silber von Erik Lesser zumindest schon eine Medaille außerhalb der Staffeln gegeben. Ansonsten war die Ausbeute meist deutlich üppiger, seit Männer und Frauen 1992 gemeinsam bei Winterspielen antreten.

Halbzeit-Ziel mit mehr Medaillen klar verfehlt 

Bei Traumwetter vor fast 20.000 Zuschauern griff die Sprint-Siebte Preuß wie im Einzel beim letzten Schießen nach einer Medaille. Aber beim Sieg der Italienerin Lisa Vittozzi versagten ihr erneut die Nerven. "Man will unbedingt so eine Scheißmedaille und wenn man weiß, jetzt könnte es sich erfüllen, entsteht so eine Spannung im Körper", sagte die sichtlich ratlose Preuß bei Eurosport. Warum sie im entscheidenden Moment den Fokus verliert, könne sie sich nicht erklären.

Beim Erfolg des Schweden Martin Ponsiluoma schoss das deutsche Männer-Quartett insgesamt 18 Fehler - zu viele, um noch die erhoffte Ergebniskosmetik zu schaffen. Selbst ohne Strafrunde wäre es für Horn "extrem schwer geworden", weiter vorn anzugreifen.

"Ich glaube, dass wir sehr oft nah dran waren", sagte Sportdirektor Bitterling: "Trotzdem war es sicher unser Ziel, neben dieser Mixed-Staffel-Medaille noch die eine oder andere Medaille im Sack zu haben. Das ist uns bis jetzt noch nicht gelungen." Mixed-Bronze ist so der einzige zählbare Erfolg.

Deutsche auch in verbleibenden vier Rennen keine Favoriten

Die Hoffnung, dass dies eine Initialzündung für die olympischen Einzelrennen war, erfüllte sich nicht. Vanessa Voigt als Einzel-Vierte und Philipp Nawrath als Einzel-Fünfter schafften die bislang besten Resultate. "Allerdings liegen noch ein paar Chancen vor uns und die gehen wir auch positiv an", sagte Bitterling.

 Philipp Horn hofft auf die Staffel am Dienstag.
Philipp Horn hofft auf die Staffel am Dienstag. Bild: Hendrik Schmidt/dpa

Es bleiben noch vier Wettbewerbe, um die Bilanz aufzubessern. Weniger als zwei Olympia-Medaillen hat Deutschland noch nie gewonnen. Am Dienstag und Mittwoch stehen die Staffeln bei Männern und Frauen an. Eigentlich will der Deutsche Skiverband dabei jeweils eine Medaille haben, die Favoriten kommen jedoch aus Frankreich, Norwegen, Schweden und Italien. Am Freitag und Samstag folgen die Massenstarts der aktuell jeweils 30 besten Biathletinnen und Biathleten. Auch zum Abschluss sind die Medaillenkandidaten andere.

"Das nächste Rennen ist unser Highlight, unsere Chance. Da wollen wir auf dem Podium stehen", sagte Horn zur Männer-Staffel, die 2022 in Peking leer ausging. Im Vorjahr gab es dafür WM-Bronze. Um das wieder zu schaffen, müsse ein perfektes Rennen gelingen, die Lockerheit da sein. "Verkrampftheit kann ich jetzt nicht erkennen", sagte Bitterling zur Situation im Team.

Olympiasieger Peiffer setzt auf Staffel

Immerhin einmal Olympia-Gold gab es am Wochenende aber doch. Erik Lesser, Daniel Böhm, Arnd Peiffer und Simon Schempp freuten sich mit zwölf Jahren Verspätung über die Medaillen von 2014, die sie bei einer feierlichen Zeremonie im Antholzer Stadion überreicht bekamen. Sie erhielten Staffel-Gold nachträglich, da Russland in einem jahrelangen Verfahren wegen Dopings disqualifiziert wurde.

So sehen Olympiasieger aus.
So sehen Olympiasieger aus. Bild: Hendrik Schmidt/dpa

Ob ihre Nachfolger am Dienstag nachlegen können? "Für Gold muss alles passen. Aber ich glaube, dass für die Staffel etwas möglich ist", sagte Peiffer, der mittlerweile als TV-Experte für die ARD arbeitet. (dpa)

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