WM-Tagebuch: Oh, aus Chemnitz

Grüß Gott aus Tirol, wie man hier sagt. Die 52. Nordische Ski-WM ist gestartet, für mich ist es die 13. als Berichterstatter für die "Freie Presse". Wenn das mal gut geht ... Zumal schon bei der Akkreditierung die junge Dame mit drei Worten widerspiegelt, welchen Imageschaden die Ereignisse um den im Sommer ermordeten Daniel H. angerichtet haben. "Oh, aus Chemnitz ...", sagte sie bei der Ausgabe des WM-Ausweises. Das hatte zwölfmal zuvor niemand gesagt.

Die Vorzeichen für ein schönes Skifest sind allerdings prächtig. Schnee en masse, Sonne pur, toppräparierte Wettkampfstätten lassen auf spannende Titelkämpfe für die rund 700 Athleten aus 61 Nationen mit vielen Zuschauern hoffen. Die Organisatoren haben sich ins Zeug gelegt. Für die 300 Seefelder Schüler wurden die Ferien auf die WM-Zeit verlegt. Die Eleven waren bereits Augenzeugen einer gut besuchten Eröffnungsfeier. Wer weiß, vielleicht ist ein Weltmeister von morgen darunter gewesen. Spannend könnte die WM auch deshalb werden, weil Saisonhöhepunkte immer wieder Überraschungen oder Neuerungen bereithalten. 1985, bei der ersten WM in Seefeld, war es der Siitonen-Schritt, der den Langlauf revolutionierte. Lokalmatador Klaus Sulzenbacher, der zur Eröffnungsfeier am Mittwoch mit fünf weiteren Ski-Legenden die Fahne Österreichs ins Stadion trug, musste dies schmerzhaft erfahren. Der Ex-Kombinierer hatte die Lauftechnik zuvor kaum geübt, war entsprechend chancenlos in der Loipe: "Wir dachten, bei den schweren Strecken wird sich Siitonen nicht durchsetzen, und glaubten, der Weltverband wird den Schritt ohnehin verbieten." Ein Irrtum.

Neue Lauftechniken sind im Jahr 2019 nicht zu erwarten, Innovationen aber nie auszuschließen. Denn wenn eine Nation zum Beispiel im Material einen Kniff findet, hält sie das bis zuletzt geheim. Vielleicht hat sich ja ein Team auf besonders warme Witterung vorbereitet. Für kommenden Mittwoch sind 18 Grad angekündigt. Hatten wir das nicht schon mal? Ähnlich zumindest gestalteten sich die Temperaturen bei der WM 1995 in Thunder Bay. In Kanada machte damals aber mehr die Schneeverschmutzung durch eine ansässige Papierfabrik zu schaffen. Die Athleten liefen dann im Wald über einen Benzinlappen in der Loipe, um ihre Ski während des Rennens zu säubern. Diese "Technik" ist für Seefeld 2019 auszuschließen.

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