Zur Rückkehr der FCE-Fans gibt es Stressfußball

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Die Anhänger im Auer Stadion waren dankbar, wieder Live-Fußball erleben zu können. Dass sie bei der Partie des FC Erzgebirge gegen St. Pauli keine Tore zu sehen bekamen, war dabei zu verschmerzen.

Aue.

Der Zweck heiligt eben die Mittel. Der Zweck sind Punkte in der 2. Bundesliga auf dem Weg zum Klassenerhalt. Davon hat der FC Erzgebirge nach dem zweiten torlosen Remis am 2. Spieltag nun zwei. Die Mittel sind bedingungsloser Einsatz, enorme Laufbereitschaft, mannschaftliche Geschlossenheit. Besonders ansehnlich ist das nicht, doch es funktioniert.

Stressfußball nannte dies gestern im Erzgebirge ein Reporter. Das trifft es ziemlich gut: Stress für alle überall auf dem Platz, 90 und ein paar Minuten lang, Stress vor allem für die Gäste aus Hamburg, die mit dieser Art des Spiels fast eine Halbzeit lang nicht gut klarkamen. "Aue hat uns das Leben damit wirklich sehr schwer gemacht, wir haben uns erst später darauf einstellen können", lobte nach dem Abpfiff Paulis Trainer Timo Schulz den neuen Fußballstil der Veilchen. Der führte dazu, dass die Hausherren in der ersten Halbzeit ein leichtes Übergewicht, vor allem aber die Mehrzahl an Torschüssen hatten. Gleich zweimal hatte Dimitrij Nazarov, als zentraler Mann der Offensive mit allen Freiheiten ausgestattet, das 1:o auf dem Fuß - jeweils auf dem linken. Der erste Versuch ging zwei Meter links am Pauli-Kasten vorbei (8.), der zweite landete als Direktabnahme zu zentral in den Armen von Torwart Nikola Vasilj (22.). "Zum ersten Saisontor haben heute nur ein paar Zentimeter gefehlt", meinte der Aserbaidschaner später und bezog da auch Ben Zolinskis Schuss, den Vasilj noch geradeso mit den Fingerspitzen erwischte (44.), mit ein. Auffällig war auch der schnelle Omar Sijaric mit seinen Dribblings, denen als Krönung aber mehrfach der letzte Pass oder der richtige Abschluss fehlten.

Auf der anderen Seite zappelte der Ball nach Guido Burgstallers Schlenzer einmal im Netz. Doch die Gäste freuten sich nur kurz über ihre Führung: Der Videobeweis zeigte, dass der Schütze bei Luca Zanders schönem, aber etwas zu spätem Pass knapp im Abseits gestanden hatte (16.). "Abseits ist Abseits", sagte Sören Gonther dazu, "auch wenn es knapp ist. Als Torchance kann man das dann nicht zählen." Der 34-Jährige hielt seine Abwehr mit Dirk Carlson auf der einen und Gaetan Bussmann auf der anderen Seite wieder bestens beisammen.

Auch in der zweiten Halbzeit, als die Hamburger besser und angriffslustiger wurden, bei den Erzgebirgern mit der Zeit die Beine schwerer wurden. Die Auer Fans im Stadion bejubelten nun vor allem die vielen gelungenen Abwehraktionen vor ihrem Fanblock. Die Erleichterung über ein Stück Rückkehr der Fußballnormalität war greifbar. 6828 Zuschauer, darunter 336 Gästeanhänger, waren im Stadion. Sogar 12.000 hätten reingedurft. Für die vielen noch leeren Plätze gibt es Erklärungen (Test- bzw. Nachweispflicht, Schulferien, Angst vor Ansteckung). Die Leistung der Mannschaft ist kein Grund.

Der Auftritt am Sonntag wurde wie schon der in Nürnberg mit einem letztlich korrekten Unentschieden honoriert. Die einzig nennenswerte Auer Gelegenheit im zweiten Durchgang hatte Gonther, der nach Anthony Baryllas Flanke plötzlich frei im Hamburger Strafraum an den Ball kam, diesen aber weit über den Kasten jagte (69.). "Ich dachte erst, dass der Ball abgewehrt wird, dann kam er doch durch. Da hat mir dann etwas Stürmerblut gefehlt", schmunzelte der ehemalige Pauli-Profi später. Die besseren Chancen hatte jetzt der Gast, der im April an gleicher Stelle noch überlegen mit 3:1 gewonnen hatte. Doch Finn Ole Becker setzte die Kugel nach seinem Solo an Soufiane Messeguem, der in der Auer Startelf den verletzten Nicolas Kühn ersetzte, sowie Clemens Fandrich und Gonther vorbei neben das Tor (55.), Lukas Daschner machte es nach dem besten, weil zweimal direkt gespielten Pauli-Angriff des gesamten Matches über Burgstaller und Daniel-Kofi Kyereh nicht besser (84.). Und Kyerehs letzten Schuss in der Nachspielzeit hielt Martin Männel fest.

"Wir hatten in den zwei ersten Spielen zwei wirklich starke Gegner", schätze FCE-Trainer Aleksey Shpilevski ein, "von daher bin ich mit dem Start zufrieden." Dann schob er nach: "Offensiv müssen wir uns freilich noch steigern. Ich hoffe, dass wir in den nächsten Tagen Verstärkung präsentieren können, damit wir da vorn neben der Quantität auch noch etwas mehr Qualität bekommen." Dann gibt es künftig zum ganzen Stress vielleicht auch noch ein paar Tore.

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