Zuversicht nach gelungener Generalprobe

Beim Gewichtheberturnier um den Pokal der Blauen Schwerter in Meißen zeigte sich Max Lang in starker Verfassung. Seinen großen Traum hat er mehr denn je im Blickfeld.

Meißen.

Sechs gültige Versuche, ein beachtliches Zweikampfresultat (329 kg) bei nur 74,5 Kilogramm Körpergewicht - Max Lang strahlte nach seiner Entscheidung während des Gewichtheberturniers um den Pokal der Blauen Schwerter in Meißen. Und die begeisterten Zuschauer feierten ihren "Liebling", der bislang als einziger Athlet die edle Porzellantrophäe dreimal (2012, 2013, 2017) gewann, bei seinem "Heimspiel" euphorisch. Dabei stand zu jenem Zeitpunkt der dreitägigen Veranstaltung, die erstmals zu den Olympiaqualifikationen gehörte und nach einem speziellen Punktsystem ausgetragen wurde, bereits fest, dass der 26-Jährige den Pokal dieses Mal nicht in Empfang nehmen würde. Dafür zeigte sich das Starterfeld mit Medaillengewinnern von Olympia, WM und EM einfach zu hochkarätig. Am Ende stand dennoch ein bemerkenswerter sechster Platz im Gesamtranking zu Buche.

Doch das blieb eher Nebensache, entscheidend war, dass Max Lang mit Leistung überzeugte. Es gelang ihm bravourös, was er sofort an den Reaktionen spürte. Nicht nur sein aktueller Coach André Dörrzapf nahm ihn in die Arme. Zu den ersten Gratulanten wenig später im Aufwärmraum gehörten auch seine wichtigsten Wegbegleiter einst beim Chemnitzer AC. Trainer Hartmut Keitel, der ihn als 14-Jährigen animierte, vom Fußball an die Hanteln zu wechseln, gratulierte ebenso herzlich wie Kollege Stefan Grützner, unter dessen Fittichen er sich zu einem Spitzenathleten entwickelte. "Max hat sich sehr gut und vor allem selbstbewusst präsentiert. Da ist einiges Positives passiert. Es war ein guter Schritt für ihn", wertete der 71-Jährige. Er betreute Max Lang von 2008 bis 2013, ehe dieser an den Auswahlstützpunkt nach Leimen wechselte.

Das Meißner Turnier bescherte ihm dabei die emotionalsten Momente der erfolgreichen Zusammenarbeit. Der Wettbewerb 2013 war der letzte gemeinsame - sein Schützling gewann zum zweiten Mal und schenkte ihm die wertvolle Vase als Dank. Die Kontakte sind seither eng geblieben. Umso mehr freut es den Pensionär, einst selbst Weltklasseheber (u. a. Olympiadritter 1972, zweimal Weltmeister 1971, 1972), dass es bei seinem früheren Schützling wieder in eine hoffnungsvolle Richtung geht. Denn Max Lang hatte in den zurückliegenden Jahren mehrfach Rückschläge, vor allem auch verletzungsbedingt, zu verkraften.

An seinem Traum von Olympia, dessen Erfüllung er 2016 knapp verpasst hatte, hielt er aber immer fest. Als nach den neuen Regularien klar war, dass in jeder Gewichtsklasse nur noch ein Athlet pro Land beim Topereignis 2020 starten darf, traf er nach der EM im Frühjahr zwei einschneidende Entscheidungen. Um andere Impulse zu erhalten, wechselte er zu Trainer André Dörrzapf nach Mutterstadt. Für den dortigen AC hebt er inzwischen in der Bundesliga, wohnt im nahen Sandhausen. Und da er mit Europameister Nico Müller aus Obrigheim in der für ihn normalerweise vorgesehenen neuen Klasse bis 81 kg einen kaum zu bezwingenden Kontrahenten besitzt, sucht er sein Glück nun in der Kategorie bis 73 kg.

In Meißen brachte er 74,5 kg auf die Waage, bis zur WM in drei Wochen sollte das Idealgewicht nunmehr kein Problem sein. "Ich arbeite eng mit einer Ernährungsberaterin zusammen. Ohne sie würde ich es nicht schaffen. Das hat bisher voll gefruchtet. Ich bin total zufrieden, wie das klappt, und auch positiv überrascht, dass die Kraftwerte weiter gut sind", meinte Max Lang. Die Vorgaben setzt er dabei sehr diszipliniert um. Er hält sich genau an die Vorgaben, kocht sein Essen selbst, achtet beispielsweise beim Fleisch penibel auf die vorgegebene Grammzahl. "Ich bin sowieso nicht so der gute Esser, auch kein Genießer. Es ist zwar ein bisschen langweilig, fällt aber leichter als gedacht. Und eine Pizza kann ich mir schon mal gönnen", berichtete der U-23-Europameister von 2014.

Er wirkt zudem sehr zuversichtlich, auch weil es derzeit im sportlichen Umfeld passt. "André bringt neue Ideen ein, wir haben methodisch etwas umgestellt. Und die speziellen Beinübungen sorgen dafür, dass ich im Knie keine Schmerzen mehr spüre", zählte Max Lang positive Aspekte auf. Dazu kommt, dass sich sein Coach, der ehrenamtlich neben seinem Job tätig ist, in den Übungseinheiten am Nachmittag nur auf ihn konzentrieren kann. Zudem trainiert der 28-Jährige selbst noch aktiv, gehört gleichfalls dem Team des AC Mutterstadt an. In Juniorenzeiten bestritten beide Wettkämpfe gegeneinander. Natürlich war Andre Dörrzapf ebenso über die gelungene Wettkampfpremiere happy.

Auch Sportdirektor Frank Mantek, eigentlich ein Verfechter der Konzentration am Stützpunkt, registrierte die Entwicklung und die Leistung von Max Lang wohlwollend. "Früher musste die Mannschaft die Punkte für die Olympia-Quotenplätze erkämpfen, deshalb als Team funktionieren. Durch die Umstellung kämpft nun jeder für sich. Max ist von diesem Weg überzeugt. Der Athlet muss sich wohlfühlen. Wir tragen die Entscheidung zu hundert Prozent mit, unterstützen beide", sagte der 60-Jährige. Wie alle Wegbegleiter hofft auch er auf ein Happy End in Tokio.

Qualifikation für Olympia 2020 über persönliches Startrecht

Das Qualifikationssystem für Olympia 2020 ist vom Weltverband IWF so angelegt, dass sich jeder Athlet sein persönliches Startrecht erkämpft. Dazu ist vorgeschrieben, dass er von November 2018 bis April 2020 an mindestens sechs vorgegebenen Turnieren teilnehmen muss, mindestens einmal in den jeweiligen Zyklen über sechs Monate. Es gibt eine entsprechende Unterteilung in Gold-, Silber- und Bronzeturniere nach der Wertigkeit (WM, EM, Weltcups).

Entsprechend dem Ranking nach einem bestimmten Punktesystem erhalten die besten acht einen Startplatz, 14 Athleten sind pro Kategorie möglich. Die weiteren Plätze werden über ein kompliziertes System dann von der IWF vergeben.

Michael Vater, Dopingbeauftragter des Verbandes, erklärt: "Das System hat einige Vorteile: Die Heber müssen stetig international anwesend sein, können sich nicht verstecken. Zudem wertet es die Wettkämpfe auf, das Gewichtheben wird überall auf der Welt präsenter. Und es sind Schritte zu mehr Fairness." Im Mai 2020 wird das Starterfeld endgültig benannt. fp

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