Die "Freie Presse" geht online

"Freie Presse Online" war schon am Anfang mehr als eine Webseite. Vieles wurde ausprobiert, einiges verworfen. Nur der Anspruch blieb immer der gleiche: die Nutzerinnen und Nutzer schnell mit Nachrichten aus der Region versorgen.

Das Internet vergisst nichts: Deshalb ist in der Wayback-Maschine, einem digitalen Archiv im World Wide Web, auch ein Screenhot von www.freiepresse.de aus dem Jahr 1997 enthalten. Die Top-Nachricht vom 20. Juni 1997 kam seinerzeit aus Zwickau: "Die Sachsenring Automobiltechnik AG (SAG), Zwickau, wird künftig gepanzerte Limousinen herstellen", hieß es in der aus zwei Sätzen bestehenden Meldung. Die SAG ist Geschichte - www.freiepresse.de gibt es noch heute.

Jan Leißner gehörte zu dem kleinen Team aus Redakteur, Informatikern und Anzeigenberatern, die die Webseite ab August 1996 in Rekordzeit aus dem Boden stampfte. "Ich wollte Erfahrungen in einem völlig neuen Medium sammeln und dabei sein, wenn in einem kleinen Team etwas Neues geschaffen wird", antwortet er auf die Frage, was ihm damals an der Aufgabe reizte. Das neu geschaffene Onlineteam hatte sein Büro direkt unter dem Dach des Verlags- und Redaktionssitzes an der Chemnitzer Brückenstraße. Die Vorbereitungs- und Startphase war arbeitsintensiv, nicht wenige Wochenenden wurden durchgearbeitet. "Das hatte ein bisschen was von Start up-Atmosphäre", erinnert sich Jan Leißner 25 Jahre später.

Wie viele andere Regionalzeitungen auch, versuchte die "Freie Presse" mit der Webseite mehr Leserinnen und Leser für die gedruckte Zeitung zu gewinnen. Deshalb verwundert es nicht, dass im Hintergrund von www.freiepresse.de viele Jahre lang visualisierte Druckerplatten abgebildet waren. "Jeder sollte erkennen, dass er sich auf der Webseite einer Zeitung befindet", sagt Jan Leißner. Aus diesem Grund übernahm das Team damals auch viele den Lesern aus der Zeitung bekannte Elemente in die Webseite:

Auf der Startseite fanden sich fünf Meldungen aus der Region, die nicht länger als zwei, drei Sätze waren und meist mit dem Autorenkürzel begannen. "Wir haben damals viel darüber diskutiert, ob Zeitungstexte von 120 und mehr Zeilen im Internet überhaupt gelesen werden", erinnert sich der Redakteur. Am Ende setzten sich die Befürworter der kurzen Nachrichten durch.

Ganz am Anfang war "Freie Presse Online" aber mehr, als nur eine Webseite. Unternehmen wurde die Erstellung von Webseiten angeboten, Leserinnen und Leser konnten unter dem Namen einen Provider-Service buchen, der ihnen den Zugang zum weltweiten Netz ermöglichte, für diskussionsfreudige Nutzerinnen und Nutzer wurden Chatgruppen ins Leben gerufen. "Ich erinnere mich, dass es einige persönliche Treffen unseres Teams mit diesen von uns sogenannten Power-Usern gab. Das war jene Community, von der heute alle reden, aber diese Bezeichnung gab es damals noch gar nicht", sagt Jan Leißner.

Power-User (Vielfachnutzer), Community (Gemeinschaft von Gleichgesinnten), Provider (Internetdienstleister) - Jan Leißner gibt zu, dass sich sein Sprachschatz mit der Arbeit im Onlineteam noch einmal deutlich erweiterte. Ebenfalls erlernen musste er die Programmiersprache HTML: "Heute wird eine Webseite über ein Content Management System verwaltet und mit Inhalten gefüllt. Wir mussten richtig programmieren." Eine automatische Übernahme von Texten aus dem Redaktionssystem gab es ebenfalls nicht. Die Reaktionen schickten ihre Texte noch per Mail an das Onlineteam. Beim Liveticker von den Heimspielen des CFC saßen die "Onliner" im Stadion und gaben die Schlüsselszenen des Spiels telefonisch per Handy an Kollegen in der Redaktion weiter, von wo aus sie als Text in die Welt geschickt wurden. Dieses aufwändige Prozedere ist Geschichte. Jetzt darf man gespannt sein, wie im Jahr 2046 auf den heute archivierten Screenshot von www.freiepresse.de geblickt wird. (cw)

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