Topteam ohne Topscorer

Die Basketballer der Niners Chemnitz sind in der Zweiten Liga seit 17 Partien ungeschlagen. Für den Trainer ist das kein Grund, zufrieden auf die Tabelle zu blicken.

Chemnitz.

Wer Rodrigo Pastore ärgern will, der sagt ihm, dass er ein glücklicher Trainer sein müsste. "Ich schaue mir nicht die Tabelle an und klopfe mir dann zufrieden auf die Schulter", sagt der Coach der Niners Chemnitz, der mit seinem Team die zweite Basketball-Bundesliga (Pro A) mit 20 Siegen aus 19 Partien sicher anführt. "Ich bin stolz auf den Prozess, den wir als Club hinter uns haben. Ich habe erst diese Woche bei einem Training gedacht: Das, was wir hier aktuell machen, wäre in meinem ersten Jahr hier in Chemnitz undenkbar gewesen." Der Argentinier übernahm 2015 ein Team, das den Abstieg geradeso vermied. Nun dominiert seine Mannschaft die Liga. Der Verein, das Umfeld scheint inzwischen ebenso bereit für den Aufstieg zu sein.

Doch bevor es in den Playoffs darum geht, den Schritt in die Beletage zu packen, stehen noch zwölf Hauptrundenspiele an. Dass die Niners die im April startende Endrunde erreichen, ist sicher. Dass sie als Nummer eins ins Viertelfinale gehen, ist bei acht Punkten Vorsprung auf Platz zwei wahrscheinlich. Wie schwer fällt es, da den Fokus auf die nächste Partie zu wahren? "Die Maßgabe für jeden Einzelnen ist, in jedem Spiel, in jedem Training, selbst an freien Tagen alles dafür zu tun, damit er sich weiterentwickelt. Über die Playoffs nachzudenken, hilft dir nicht im Training und auch nicht im Spiel", meint Pastore. "Jeder Spieler darf von mir aus eine Stunde auf die Tabelle starren. Aber das ist verschwendete Zeit, die er im Kraftraum, in der Trainingshalle oder für die Analyse seiner Leistungen nutzen könnte." Wenn du nicht besser wirst, verschlechterst du dich - das ist das Mantra, mit dem der Perfektionist seine Mannschaft antreibt. "Die Spieler wissen auch: Wenn sie nicht an sich selbst arbeiten, halten sie nicht mit der Entwicklung des Teams mit."

Kapitän Malte Ziegenhagen gibt zu, dass es angesichts der Dominanz schwer ist, die Vorgabe des Trainers zu hundert Prozent umzusetzen. Auch in dieser Saison hielt bereits der Schlendrian Einzug. "Es fällt halt nicht auf, weil wir dann immer noch eine Schippe drauflegen können. Aber wir müssen die Intensität mit Blick auf die Playoffs hochhalten", mahnt der 28-Jährige.

Das große Plus der Niners in dieser Saison ist die individuelle Klasse in der Tiefe des Kaders. Pastore kann häufig wechseln, ohne Qualität einzubüßen. "Man sieht ja, dass sich von Spiel zu Spiel unser bester Werfer ändert. Es ist auch vorgekommen, dass acht Jungs zweistellig gepunktet haben. Das ist ein Phänomen", erklärt Ziegenhagen. "Das macht es unseren Gegnern schwer, uns auszurechnen. Wen sollen sie denn alles auf dem Zettel haben?"

Die vergangene Saison beendete der Mann mit dem blonden Zopf als fünftbester Werfer der Liga. "Dieses Jahr ist das gar nicht nötig", meint er. Unter den Top-Ten-Scorern der Liga ist nicht ein Chemnitzer vertreten, mit Terrell Harris rangiert der beste Niners-Profi auf Rang 13 - mit 95,2 erzielten Punkten im Schnitt stellen die Niners dennoch die mit Abstand beste Offensive der Pro A. (sesi)

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