Totschlag: Angeklagter leugnet Tat

Im Februar dieses Jahres starb ein Mann aus Algerien in der Asylunterkunft in Walthersdorf. Er verblutete. Vor Gericht muss sich dafür nun ein 26-Jähriger verantworten. Für die Geschehnisse in jener Nacht gibt es mehrere Versionen.

Walthersdorf/Chemnitz.

Was in der Nacht vom 2. auf den 3. Februar dieses Jahres wirklich passierte, diese Frage will das Landgericht Chemnitz klären. Laut Anklage soll ein 26-jähriger Asylbewerber aus Marokko mit einem Küchenmesser in den Oberschenkel eines 43-jährigen Algeriers gestochen haben. Dabei wurde die Schlagader verletzt. Der Algerier verblutete und starb. Die Tat hat sich in der Gemeinschaftsunterkunft für Asylbewerber in Walthersdorf ereignet.

Seit dem gestrigen Dienstag muss sich ein Marokkaner - oder Libyer, bei der genauen Staatsangehörigkeit des Angeklagten gibt es verschiedene Angaben - vor dem Landgericht wegen Totschlags verantworten. Er leugnet die Tat. Nach seinen Schilderungen verlief der Abend so: Gemeinsam mit einem anderen Bewohner der Asylunterkunft war er zunächst in Annaberg unterwegs. Über Schlettau, wo die beiden Alkohol einkauften, fuhren sie zurück nach Walthersdorf. In ihrem Zimmer verbrachten sie den Abend, tranken Bier und Wodka. Irgendwann seien das spätere Opfer und ein weiterer Bewohner zu ihnen gestoßen. Es gab Streit, allerdings will der Angeklagte darin nicht verwickelt gewesen sein, vielmehr habe er versucht, den Streit zu schlichten. Schließlich hätten die beiden anderen das Zimmer verlassen und der Angeklagte und sein Kumpel legten sich schlafen. Kurz darauf hörten sie auf dem Flur des Bungalows Stimmen. Als sie hinaustraten, habe das Opfer bereits blutüberströmt am Boden gelegen. Er selbst habe mit der ganzen Sache nichts zu tun gehabt.


Anders will die Situation ein Tunesier erlebt haben. Er ist derjenige, der mit dem späteren Opfer zu dem abendlichen Umtrunk hinzustieß. Er sprach vor Gericht von einem Gerangel und einem Messer, das der Angeklagte in der Hand gehabt hat und schließlich auch zustieß. "Innerhalb von ein paar Minuten kippte die ganze Situation", sagte der Zeuge mithilfe des Dolmetschers.

Diese zwei Versionen sind aber nicht die einzigen. Da gibt es zum Beispiel noch eine Art Geständnis, die der Angeklagte in einer Erklärung seines Anwalts machte. Laut dieser Version eskalierte die Situation, als Wodka aus einer Flasche abgefüllt wurde, die dem Angeklagten gehörte. Es kam zum Streit, das spätere Opfer habe mit einer Pfanne und anderen Küchenutensilien um sich geschlagen. In Panik habe der Angeklagte dann mit einem Messer in die Richtung des Angreifers gestochen. Stimmt nicht, so der 26-Jährige vor Gericht. Diese Angaben habe er nie gemacht. Er habe damals den Dolmetscher nicht verstanden und er ihn nicht.

Fest steht, dass in der Nacht zum 3. Februar 2019 ein Mann gestorben ist. Getötet mit einem 24 Zentimeter langen Messer mit einer zwölf Zentimeter langen Klinge, die eine 11,5 Zentimeter tiefe Schnittwunde in seinem Oberschenkel verursachte. Der Prozess am Landgericht wird fortgesetzt. Ein Urteil wird voraussichtlich erst im September fallen.

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