Training läuft mit Abstand

In den Vereinen darf seit dieser Woche wieder Sport getrieben werden. Allerdings gibt es auch nach der Freigabe durchaus noch Hindernisse zu überwinden.

Mittweida/Freiberg.

Bei den Leichtathleten der LG Mittweida wird in diesen Tagen "gefüßelt". Da das Händeschütteln nach wie vor nicht erlaubt ist, haben sich die jungen Damen eine neue Form der Begrüßung einfallen lassen: Sie drücken einfach Schuh an Schuh und sagen sich so "Hallo". Denn seit dieser Woche dürfen sie in kleinen Gruppen wieder in gewohnter Umgebung trainieren.

"Es ist schön, wieder hier im Stadion zu sein", sagt Hürdensprinterin Anne Weigold, die kürzlich ihren 22. Geburtstag feierte. Da sie zum Nationalkader gehört, durfte sie bereits in der vergangenen Woche im Stadion am Schwanenteich trainieren und war somit die erste Sportlerin der Stadt Mittweida, die nach den Lockerungen vor Ort war. "Aber es ist schön, dass die anderen jetzt dazukommen dürfen." Die Regeln sind dabei scharf: Es darf nur in Kleingruppen trainiert werden, auf den Mindestabstand müssen die jungen Sportler weiterhin achten. Das macht sich schon beim Warmlaufen bemerkbar. "Die Mädels müssen versetzt laufen, um den nötigen Abstand zu halten", erklärt LG-Trainer Michael Sperling.

Am Training selbst ändere sich nicht allzu viel, da die Athletinnen ohnehin meist nur in kleinen Gruppen in ihren Disziplinen üben. Aber für ihn beginne der Trainingstag schon mittags, "da wir alles strecken müssen", so Sperling. Ob es in diesem Jahr noch Wettkämpfe gibt, ist ungewiss. "Wir werden nichts übers Knie brechen." Zumal im Herbst, wenn sich die Wettkämpfe ballen könnten, bei vielen Athleten das Studium im Vordergrund stehe, so der LG-Trainer. Es ist schon jetzt eine verschenkte Saison."

Aber nicht nur die Leichtathleten der LG Mittweida trainieren wieder im Stadion am Schwanenteich, sondern auch die Aktiven des TSV Fortschritt. Die Boxer von Germania Mittweida haben ebenfalls schon eine Freiluft-Einheit absolviert. Bei den Mittweidaer Fußballern hat bisher nur die zweite Mannschaft trainiert, allerdings auf dem Sportplatz in Frankenau. "Wir beraten in der nächsten Woche, wie wir es bei den anderen Teams machen", so Germania-Präsident Harald Kaehs.

Auch bei den Fußballern von Barkas Frankenberg rollt wieder der Ball. "Wir haben mit der Stadt ein Hygienekonzept erarbeitet, um die Vorgaben zu gewährleisten", erklärt Abteilungsleiter Thomas Wickleder. Auch die Jugendmannschaften dürfen wieder trainieren. "Hier soll ein Trainer oder Elternteil pro Kleingruppe zur Seite stehen." Der Platz im Hammertal sei groß genug, um die Abstandsregeln einzuhalten, zudem dürfe man die Jahnkampfbahn nutzen, so Wickleder. Mit dem Training starteten am Mittwoch auch erstmals die Spieler des U-23-Perspektivteams. Für Wickleder ist die Situation dennoch ein Kontrastprogramm: "Nun dürfen die Sportler wieder auf den Platz - und die Saison ist trotzdem beendet."

Die Tore geschlossen bleiben hingegen vorerst beim BSC Motor Rochlitz und beim TSV Penig. In Penig hatten die Sportler am Mittwochabend über ihr Hygienekonzept beraten. "Wenn alles klappt, öffnen wir am 18. Mai die Stadiontore für unsere Fußballer", sagt Jan Sommer von der Abteilungsleitung des TSV.

Auch bei den Kickern des SV Mulda wird noch nicht trainiert, erklärt Kapitän Kevin Budach. "Aufgrund der strengen Auflagen ist es schwierig, ein geeignetes Training auf die Beine zu stellen." Im Großen und Ganzen könne man aufgrund des Mindestabstands nur Pass- und Torschussübungen absolvieren.

In Hainichen wird indes zumindest wieder Tennis gespielt, wie Bürgermeister Dieter Greysinger bestätigt. "Wir haben die Nutzung der Tennisanlage genehmigt, natürlich unter Einhaltung der vorgegebenen Regelungen." Die Fußballer des Hainichener FV warten indes noch auf die Genehmigung. Es wären noch Punkte zu klären, um den Hygieneplan einhalten zu können, so Präsident Thomas Schumann. "Klar ist aber auch, dass an ein normales Training nicht zu denken ist."

In die gleiche Kerbe schlägt Mike Siebert, der Fußball-Abteilungsleiter des TuS Großschirma. Zwar habe sein Verein die Genehmigung zur Nutzung der Sportstätten erhalten. "Es ist schön, dass die Politik das jetzt freigibt. Aber praktisch ist das im Fußball doch gar nicht durchführbar." Aufgrund der Auflagen habe man das geplante Training zunächst wieder ausgesetzt. "Einige Trainer wollen unter diesen Umständen gar nichts machen", so Siebert.

In Freiberg gibt es dagegen viele Anfragen, wie Stadtsprecherin Katharina Wegelt erklärt. Die Voraussetzungen für das Training schaffe die Stadt, die Einhaltung der Regelungen sei aber Aufgabe der Vereine. "Die Kontrolle erfolgt durch die Sportwarte", so Wegelt. Die Vereine haben die Möglichkeit, ihren Bedarf anzumelden, erst danach könne man sehen, "welcher Verein welche Nutzungszeiten erhalten kann."

Das bestätigt Sylvio Christ vom Vorstand des TVL Freiberg: "Die Sportvereine sollen ein Schreiben der Stadt erhalten, in dem die Anforderungen erklärt werden. Dann können wir die Anträge stellen", sagt der Leichtathletik-Trainer. Das werde jedoch erst in der kommenden Woche geschehen.

0Kommentare

Die Diskussion wurde geschlossen.