Marketingchef: "Wir wollen zum Leben unserer Leserinnen und Leser gehören"

Die "Freie Presse" ist bekannt und wird geschätzt. Wie sorgen wir dafür, dass das so bleibt? Sascha Aurich hat Marketingchef Björn Reißig gefragt.

Sascha Aurich: Björn, immer häufiger ist im Zusammenhang mit der "Freien Presse" der Slogan "Wir sind Heimat" zu sehen - zum Beispiel in unserem täglichen E-Mail-Newsletter der Chefredaktion. Was hat es damit auf sich?

Björn Reißig: "Wir sind Heimat" ist unsere Unternehmensvision, die wir jetzt verstärkt auch nach außen tragen. In den vergangenen Monaten haben wir uns sehr intensiv mit der Frage auseinandergesetzt, was uns als Unternehmen besonders macht und wie wir von den Menschen in der Region wahrgenommen werden wollen. Über Jahrzehnte hat die "Freie Presse" die Menschen in unserer Heimat mit ihrem Journalismus begleitet und ist damit als Marke auch tief verankert. Für viele sind wir schon seit langem ein Stück Heimat. Wir gehören zu ihrem Leben, wir haben es auch ein Stück weit mitgeprägt. Wir haben die Zeit gemeinsam durchlaufen. Für uns ist wichtig und wertvoll, dass wir so wahrgenommen werden. Wir freuen uns, wenn wir gekannt und geschätzt werden für das, was wir machen.

Bedeutet der Slogan auch, dass Heimat uns besonders wichtig ist und unsere Mitarbeiter sich ganz bewusst als Vertreter ihrer Heimat empfinden?

Genau. Um das mal in einen größeren Zusammenhang einzubetten: Heutzutage gibt es sehr viele mediale Angebote, denen man sich zuwenden kann. Wenn wir uns die Frage stellen, was uns einzigartig macht, dann ist die Antwort sehr klar. Es ist vor allem der regionale Bezug unserer Arbeit. Wir wissen, wie es den Menschen hier geht, wir können mit ihnen fühlen, uns beschäftigen die gleichen Themen, wir haben eine gemeinsame Geschichte.

Wofür braucht denn ein Medienunternehmen so eine Vision wie wir sie uns gegeben haben?

Jedes Unternehmen - unabhängig von seinen Produkten - muss sich damit auseinandersetzen, wofür es steht, was es ausmacht und was seine Position am Markt sein soll. Wie sollen Menschen uns wahrnehmen? Was unterscheidet uns von anderen? Die Vision gibt darauf eine Antwort und gibt uns eine Richtung in unserer täglichen Arbeit vor. Im besten Fall kurzfristig aber auch perspektivisch. Deshalb ist es auch wichtig, dass sie gemeinsam mit den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern entsteht und entwickelt wird, damit sich möglichst alle damit identifizieren können und anschließend auch nach draußen tragen. Damit die Botschaft überzeugend von außen wahrgenommen werden kann, muss sie intern gelebt werden. Außerdem brauchen wir als Unternehmen einen Fixpunkt, auf den wir zusteuern und an dem wir uns jederzeit orientieren können.

Wie schafft man es denn in einem doch relativ großen Haus, mehrere hundert Mitarbeiter auf diesem Weg mitzunehmen und für eine Vision zu begeistern?

Das ist eine wichtige Frage, und die Antwort darauf ist gar nicht so einfach. Zumal unsere Mitarbeiter auch in ganz unterschiedlichen Bereichen tätig sind. Das A und O ist eine gut funktionierende interne Kommunikation. Wir haben die Erfahrung gemacht, insbesondere in den letzten Monaten, dass es ausreichend Zeit und auch den richtigen Rahmen braucht, um zu vermitteln und zu erklären, was eine Vision ist und was wir damit bezwecken, welche Erwartungen wir damit verbinden. Dafür ist ein intensiver Austausch nötig. Das einfach herunterzubeten reicht nicht. Es ist wichtig, die Kolleginnen und Kollegen dafür zu gewinnen. Erst wenn das gelingt, füllt sich eine Vision mit dem nötigen Leben.

Wie stark ist denn die Marke "Freie Presse" in unserer Region verankert?

Die "Freie Presse" ist zweifellos sehr bekannt, und jeder weiß, was wir machen. Aber: Das gilt nicht über alle Altersgruppen hinweg gleichermaßen. Das beschäftigt uns sehr. Weil unser Anspruch ist, dass wir für alle Menschen in unserer Region relevant sind und etwas für sie zu bieten haben. Erst wenn wir das erreicht haben, wird sich "Wir sind Heimat" auch wirklich lebendig anfühlen.

Auch eine starke Marke braucht Pflege. Was tun wir als Unternehmen denn dafür?

Wir müssen bestehende Kunden wertschätzen und zufrieden machen, indem wir zum Beispiel gut erreichbar und nahbar sind. Insgesamt wollen wir verlässlich sein und bleiben - und das nicht nur in Bezug auf unsere journalistische Arbeit. Wir wollen ein guter Arbeitgeber sein. Und wir werden die Digitalisierung entschlossen vorantreiben. Der Kern aber ist: Wir müssen über das berichten, was für die Menschen in unsere Region wichtig ist. Dann sind wir für sie wirklich auch ein Stück Heimat. (sas)

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