Literaturwissenschaftler Klaus Walther: Seit 65 Jahren schreibt er für die "Freie Presse"

Klaus Walther ist der Zeitung vielseitig verbunden.

Dies dürfte für die Branche in der gesamten Bundesrepublik selten sein: Seit 65 Jahren schreibt der Literaturwissenschaftler, Autor, Herausgeber, Verleger Klaus Walther für die "Freie Presse". Im August 1955 wurde sein erster Text, damals noch in der "Volksstimme", gedruckt - und seither erscheinen, mit wenigen, meist beruflich bedingten Unterbrechungen, fast wöchentlich ein oder mehrere Beiträge aus seiner Feder in der größten Regionalzeitung Ostdeutschlands.

An seine Anfänge erinnert sich der inzwischen 84-Jährige Zwönitzer noch sehr genau. Lese- und bücherbegeistert war er schon als Kind, doch aus seinem Studienwunsch - Germanistik - wurde zunächst nichts, weil er kein "Arbeiterkind" war. Also begann der frischgebackene Abiturient zunächst in der Stadtbibliothek in Aue zu arbeiten. In der "Volksstimme" wurde damals gerade Hermann Heinz Willes Stülpner-Roman "Der grüne Rebell" in Fortsetzungen abgedruckt. "Also luden wir Hermann Heinz Wille zu einer Lesung nach Aue ein. Und der junge Kreisredakteur sagte bei der Veranstaltung zu mir, willst du nicht etwas über den Abend schreiben. Ein paar Tage später, wenn ich es richtig erinnere, im August 1955, erschien im Kreisblatt das 'Jahrhundertereignis', mein erster Beitrag, ca. 30 Zeilen unter dem 'originellen' Titel 'Hermann Heinz Wille in Aue'. Ich kaufte mir gleich ein halbes Dutzend Ausgaben der Zeitung. Ich war etabliert, ich war Mitarbeiter einer großen Zeitung."

So etwa begann es, und danach - Klaus Walther studierte dann doch noch Journalistik und Literaturwissenschaften, promovierte über Bodo Uhse - schrieb er etwa 3000 Artikel über Reisen, Essen, Weine, vor allem aber über Schriftsteller und Bücher. Klaus Walther war Miterfinder der Kolumne "Lokaltermine", der Restaurantkritik der "Freien Presse", mit der er sich viele Freunde, aber auch einige Feinde und Lokalverbote erschrieb. Die Kolumne "Weinblätter" hob der passionierte Weinkenner ebenfalls mit aus der Taufe.

Nach der Wende genoss er es, viele Autoren persönlich kennenzulernen, wenn er sie für Interviews mit der "Freien Presse" besuchen durfte. So führte er unter anderem Gespräche mit Hans Magnus Enzensberger, Walter Kempowski, Ernst Jünger. "Nebenbei" schrieb er zahlreiche Bücher, die auch deshalb gern gelesen werden, weil er oft journalistisch, anschaulich erzählend, anekdotisch schreibt: immer wieder über das Erzgebirge - gerade erst ist sein ganz persönlicher Reiseverführer "Erlebnis Erzgebirge" im Buchprogramm der "Freien Presse" erschienen - hochgelobte Biografien über Hermann Hesse und Karl May, einige Krimis.

Klaus Walther, der das Buchprogramm der "Freien Presse" mitbegründete, liest bis heute täglich und er schreibt nach wie vor für die Zeitung über aktuelle Bücher, Autorinnen und Autoren der Vergangenheit, die es wert sind, gelesen und erinnert zu werden.

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