1949: Die Gründung der DDR

Vom Nationalfeiertag über einen Tag mit Volksfestcharakter bis zum Demonstrationstag der Bürgerrechtsbewegung: der DDR-Geburtstag hatte in fast 40 Jahren einige Facetten.

7. Oktober 1949: Die Verfassung der Deutschen Demokratischen Republik tritt in Kraft. Die "Freie Presse" schreibt in ihrer Ausgabe vom gleichen Tag von einem wahrhaft historischen Beschluss, der eine neue Phase der deutschen Nachkriegsentwicklung einleiten werde: "Deutschland tritt aus dem Stadium des Besitzrechts in das der Souveränität ein". Der Tag gilt als Gründungsdatum der Deutschen Demokratischen Republik. Bereits am 23. Mai trat in der westlichen Besatzungszone das Grundgesetz in Kraft. Der Tag gilt als Gründungsdatum der Bundesrepublik Deutschland.

Zwischen 1950 und 1989 wurde immer am 7. Oktober mit einem Staatsfeiertag an die Gründung der DDR erinnert. An Künstler, Techniker, Wissenschaftler und Aktivisten wurden die Nationalpreise verliehen. In Berlin fanden zum Nationalfeiertag Militärparaden statt. In den 1970er-Jahren bekam der Tag immer mehr den Charakter eines Volksfeiertages. 1977 - im Nachgang eines Konzerts der Rockband Express - hatte es am "Tag der Republik" schwere Krawalle gegeben. Am 7. Oktober 1989 gingen die Sicherheitskräfte in verschiedenen Städten wie Berlin und Leipzig mit großer Brutalität gegen diejenigen vor, die unter anderem gegen den Betrug bei den Kommunalwahlen vom 7. Mai demonstrierten. Michail Sergejewitsch Gorbatschow, Generalsekretär des Zentralkomitees der Kommunistischen Partei der Sowjetunion (KPdSU), war zu diesem Zeitpunkt schon auf dem Rückflug nach Moskau. In Berlin hatte er zuvor an der Neuen Wache "Unter den Linden" den bedeutungsvollen Satz "Wer zu spät kommt, den bestraft das Leben" ausgesprochen.

Bei der am 7. Oktober 1949 stattgefundenen Sitzung des Deutschen Volksrates gab Wilhelm Pieck, der Vorsitzende der Sozialistischen Einheitspartei Deutschlands (SED), den Wortlaut des "Manifests an das deutsche Volk" bekannt. Darin wurde unter anderem die Einheit Deutschlands durch "Errichtung einer gesamtdeutschen Regierung der Deutschen Demokratischen Republik" gefordert. Bemerkenswert: Unter dem Punkt Gleichberechtigung hieß es: "Volle Gleichberechtigung aller deutschen Bürger vor dem Gesetz, ohne Unterschied ihrer Klassenzugehörigkeit, ihrer politischen Ansichten und ihrer religiösen Überzeugungen". Die Sitzung des Deutschen Volksrates fand im Festsaal des Hauses der Deutschen Wirtschaftskommission in Berlin statt. Heute befindet sich in dem Gebäude, das seit 1992 den Namen von Detlev Karsten Rohwedder, dem zweiten Präsidenten der Treuhandanstalt trägt, das Bundesfinanzministerium.

Im Verlaufe der Sitzung wurde der Deutsche Volksrat aufgelöst und eine provisorische deutsche Volkskammer geschaffen. Diese hatte das Ziel, eine provisorische Regierung der Deutschen Demokratischen Republik zu bilden. Als stärkste Fraktion dieser provisorischen Volkskammer benannte die Sozialistische Einheitspartei Deutschlands (SED) Otto Grotewohl zum Ministerpräsidenten. Der gebürtige Braunschweiger war zu dieser Zeit neben Wilhelm Pieck der zweite Vorsitzende der SED. Grotewohls Wahl fand am 11. Oktober statt. Am Abend des gleichen Tages ließ Erich Honecker, der damalige Vorsitzende der Freien Deutschen Jugend (FDJ), "200.000 FDJler mit Fackeln an der Staats- und Parteiführung vorbeidefilieren", schreibt Ulrich Mählert ist seiner "Kleinen Geschichte der DDR" (Beck Verlag). (cw)

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