1951: Montanunion im Westen

Zur Gründung der Montanunion gibt es viel Kritik. Der Vertrag über die Organisation, die als Vorreiter der EU gilt, lief 2002 aus. Kritik ist geblieben.

18. April 1951: "Adenauer verschacherte das Ruhr- und Saargebiet", titelt die "Freie Presse" in ihrer Ausgabe vom 20. April. Hintergrund war die Unterschrift des Bundeskanzlers Konrad Adenauer (CDU) unter dem Vertrag über die Europäische Gemeinschaft für Kohle und Stahl ("Montanunion"). "Auf Grund dieses Vertrages, dessen Urheber das amerikanische Monopolkapital ist, soll die Bergwerks- und Hüttenindustrie der westeuropäischen Länder mit der Schwerindustrie des Ruhrgebietes für ,mindestens 50 Jahre' zusammengeschlossen werden, um eine Rüstungsindustrie zu schaffen, die der Verwirklichung der amerikanischen Kriegspläne dient", heißt es weiter in dem Text. Bereits am Tag zuvor war in der "Freien Presse" eine Karikatur Konrad Adenauers erschienen, verbunden mit dem Aufruf, den 1. Mai zum Kampftag für den Frieden zu machen.

Neben Deutschland unterzeichneten Vertreter Belgiens, Frankreichs, Italiens, Luxemburgs und der Niederlande den Vertrag. "Mit der Gründung der Europäischen Gemeinschaft für Kohle und Stahl sollte auch der erste ,Grundstein für eine weitere und vertiefte Gemeinschaft unter Völkern' gelegt werden", heißt es in einem Archivbeitrag des Deutschen Bundestages.

Kritik an der Montanunion gab es aber auch in Westdeutschland. Der SPD-Politiker und spätere Bundesminister für gesamtdeutsche Fragen, Herbert Wehner, befürchtete, die Wiedervereinigung Deutschlands in Freiheit und Frieden werde durch die Montanunion erschwert. Zu deren Aufgaben gehörte es, die Versorgung mit Montangütern sicher zu stellen, den gleichen Zugang der Mitgliedsstaaten zum Markt zu gewährleisten, die Preisgestaltung zu kontrollieren, Rahmenbedingungen zum Produktionsausbau und zur Verhinderung des Raubbaus von Bodenschätzen zu schaffen und die Lebens- und Arbeitsbedingungen der Arbeiter zu verbessern. (cw)

Originalzeitungsseite

Material zur Montagunion im Archiv des Deutschen Bundestages

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