1955: "Rund um Zschopau": Ein Geländesportmythos beginnt

Querrinnen, die sich wie Sprungbretter auswirkten - die Premiere von "Rund um Zschopau" verlangte von den Fahrern einiges ab. Viele schafften es nicht aus eigener Kraft ins Ziel.

16. Oktober 1955: "Bei herrlichem Herbstwetter starteten gestern über einhundert Fahrer zur ersten Geländefahrt rund um Zschopau", beginnt ein kleiner Zweispalter in der "Volksstimme" vom 17. Oktober über die Premiere einer Motorsportveranstaltung, die in den kommenden Jahren immer größere Anziehungskraft entfalten sollte. So wurde "Rund um Zschopau" schon 1956 als Lauf zur DDR-Meisterschaft gewertet, zwischen 1957 und 1974 gab es eine Zwei-Tage-Fahrt, wobei die Strecke am zweiten Tag in umgekehrter Richtung befahren wurde. Nachdem die Veranstaltung 1968 der erste Lauf zur Europameisterschaft im Geländesport war, fanden bis 1972 weitere Europameisterschaftsläufe statt. In den folgenden Jahren war westeuropäischen Startern die Teilnahme untersagt; 1990 wurde das Rennen als Lauf zur Enduro-Europameisterschaft ausgetragen. Seit 1999 wird wieder unter dem Titel "Rund um Zschopau" gestartet. Nach der Absage im vergangenen Jahr, soll die internationale Enduro-Elite vom
8. bis 10. Oktober wieder in Zschopau begrüßt werden.

Doch zurück zur Premiere auf einer 175 Kilometer langen Geländestrecke, die nach einer verregneten Nacht von den Fahrern alles abverlangte. "An manchen Stellen bildete sie wahrlich eine einzige Schlamm- und Morastmacht gegen die ankämpfenden Fahrer", schreibt Lothar Jordan in seinem Bericht für die "Volksstimme". Wie hart die Strecke war, zeigt die Zahl der Ausfälle:
40 Prozent der Fahrer schafften es nicht ins Ziel.

"Am Nesselfleck, einer Steilabfahrt und an der Geröllstrecke in Krumhermersdorf, den beiden interessantesten Stellen, konnte man bestechende Fahrweisen einzelner Fahrer beobachten. Den Abschluss bildete auf der Straße von Zschopau nach Hohndorf eine Bergprüfung (Schnelligkeitsprüfung) von etwa 3,5 km Länge. Schlaglöcher und tiefe Querrinnen, die sich wie Sprungbretter auswirkten, ließen die Fahrer oft meterhoch durch die Luft schnellen", heißt es in dem Bericht.

"Rund um Zschopau war schon zu DDR-Zeiten eine professionelle Veranstaltung mit einem eingespielten Team und großer Unterstützung von Seiten des MZ-Werkes", erinnert sich Woldemar Lange. Der heute 86-Jährige gehörte 1955 zu den Startern, nachdem er im Jahr zuvor schon die DDR-Meisterschaft im Geländefahren in der 250-Ccm-Klasse für sich entscheiden konnte. "Ich habe damals bei Dresden gewohnt und bin auf eigener Achse nach Zschopau gefahren", erzählt der Waldkirchener. Bei anderen, weiter entfernt in der DDR und der BRD stattfindenden Rennen konnte er als Mitglied der Betriebssportgemeinschaft Lokomotive Dresden Mitte seine AWO in einem Güterwagen verstauen und mit dem Zug zum Rennen anreisen.

Bei der Premiere von "Rund um Zschopau" kam auch ein Prototyp der ES 250 im Einsatz - von dessen Entwicklung außerhalb des Motorradwerkes Zschopau nur wenige wussten. Als die Maschine ein Jahr später auf den Markt kam, war Woldemar Lange schon Testfahrer des MZ-Werkes. Dem aktiven Geländesport blieb er bis 1959 treu. Sein größter Erfolg war 1958 die Goldmedaille bei den Six Days von Garmisch-Partenkirchen. In den 1960er und 1970er Jahren trainierte Woldemar Lange Fahrer in Zschopau für den Renneinsatz. (cw)

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