1964: Talsperre Pöhl wird Naherholungsgebiet

Mit der Inbetriebnahme der Talsperre entstand ein wichtiges Freizeitgebiet der Region. Auch heute noch ist sie für den Tourismus im Vogtland nicht mehr weg zu denken.

2. Oktober 1964: Die Neugier vieler Besucher war groß, als es am Vormittag des 2. Oktober 1964 an der Talsperre Pöhl hieß: "Wasser marsch". Mit diesen Worten übergab der Leiter des Amtes für Wasserwirtschaft beim Ministerrat der DDR, Johannes Rochlitzer, die viertgrößte Talsperre der DDR und die zweitgrößte Sachsens ihrer Bestimmung. Das Projekt wurde damals zu Ehren des 15. Jahrestages der Republik termingerecht fertiggestellt. Investiert wurden damals rund 90 Millionen DDR-Mark.

Der Bau der sieben Kilometer langen und maximal zwei Kilometer breiten Talsperre verlief nicht ohne Schwierigkeiten. So mussten Wismut-Bergleute erst Erzstollen aus dem 15. Jahrhundert durchforschen und mit Beton plombieren, damit kein unkontrollierter Abfluss entstehen konnte. Für die 400.000 Tonnen schwere Staumauer musste ein Fundament von 40 Meter Tiefe mit Beton verdichtet werden. Insgesamt wurden 170.000 Kubikmeter Beton für die 312 Meter lange Mauer benötigt.

Die Talsperre Pöhl wurde schnell zu einem beliebten Naherholungsgebiet im damaligen Bezirk Karl-Marx-Stadt, denn sie gehörte zu den wenigen Talsperren der Region, in der Baden und Freizeitsport auf dem Wasser erlaubt war und noch heute ist. Zudem ist sie mit einer Wasserfläche von 450 Hektar etwa sechsmal größer als beispielsweise die Kriebstein-Talsperre.

Auch für den Tourismus im Vogtland ist die Talsperre Pöhl ein bedeutender Anziehungspunkt. Selbst in der von der Coronakrise stark betro'ffenen Tourismus-Saison des vergangenen Jahres erreichte der Besucherstrom neue Bestwerte. Zwar gab es bei der Fahrgastschifffahrt 2020 einen empfindlichen Einbruch, doch die Übernachtungszahlen für Wohnmobilstellplätze und Camping stiegen im Vergleich zum Vorjahr jeweils um gut zwölf Prozent.

Die Talsperre Pöhl, die oft als vogtländisches Meer bezeichnet wird, profitiert dabei auch davon, dass der Inlandsurlaub nicht zuletzt aufgrund der Pandemie immer beliebter wird. Bewegten sich beispielsweise die Camping-Übernachtungszahlen bis zum Jahr 2016 meist zwischen 21.000 und 24.000, so stiegen sie seitdem jährlich deutlich an. Im vergangenen Jahr wurden 35.887 Camping-Übernachtungen gezählt. Viele der in der Saison 2020 erstmals begrüßten Gäste kamen aus Baden-Württemberg und vor allem auch aus Bayern.

Baden, Schifffahrt, Segeln, Tauchen und sonstiger Freizeitsport sind im Stausee möglich. Sportboote mit Verbrennungsmotor sind allerdings nicht erlaubt. Es gibt einen Campingplatz und umfangreiche Freizeitaktivitäten, beispielsweise einen Kletterpark. Es finden regelmäßig Segel-Regatten statt, rund um die Talsperre sind viele Segel-Clubs sowie ein Tauchclub organisiert. In der Sommer-Saison wird der Haupt-Badestrand (FKK Helmsgrün) tagsüber von der Wasserwacht bewacht, Regatten und Tauchsport-Wettkämpfe werden ebenfalls betreut. (cul)

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