2004: Tod im Urlaubsparadies am indischen Ozean

Riesige Flutwellen nach einem gewaltigen Erdbeben reißen in Südostasien Tausende Menschen in den Tod.

26. Dezember 2004: Im Indischen Ozean vor der Küste der indonesischen Insel Sumatra bebt die Erde. Das Beben ist das drittstärkste jemals gemessene. Das Verheerende: Die Erschütterungen lösen mehrere Tsunamis an den Küsten des Indischen Ozeans aus, an denen Touristen ihren Weihnachtsurlaub verbringen. Es sterben nach Schätzungen mehr als 230.000 Menschen durch das Beben und seine Folgen. Mehr als 1,7 Millionen Bewohner werden obdachlos.

Die "Freie Presse" widmete sich der Naturkatastrophe am 27. Dezember auf der Titelseite unter der Überschrift "Riesenwellen hinterlassen Spur des Todes" sowie auf der Seite Zeitgeschehen: "Keiner von ihnen rechnet mit der Katastrophe: Entspannt liegen die Touristen auf dem weißen Sandstrand von Phuket und genießen die Weihnachtssonne. Es sind einige Tausend, die den unwirtlichen Winter in Europa hinter sich gelassen haben und auf den Ferieninseln Phuket und Phi Phi Urlaub machen. Doch aus der Ferienidylle im Süden Thailands wird mit einem Schlag ein Horrorerlebnis. ,Plötzlich kam diese riesige Welle, stürzt sich über den ganzen Strand und zerstört alles auf ihrem Weg', sagt der 29-jährige Fotograf Simon Clark aus London, der mit seiner vier Jahre jüngeren Freundin Urlaub auf der Insel Ngai macht. ,Die Leute, die am Schnorcheln waren, wurden an den Strand gespült. Und wer beim Sonnenbaden war, wurde ins Meer gezogen.' Die reißende See verschlingt Bungalows und Boote. Autos werden wie Spielzeuge umgeworfen und weggerissen." In den Berichten kommen weitere Augenzeugen zu Wort: ",Zu erst hörten wir nur einen sehr lauten Knall', sagt Gerrard Donnelly in einem Hotel in Phuket dem britischen Fernsehsender Sky. ,Dann ging meine Frau Emily auf den Balkon. Wir glaubten zuerst an einen Terroranschlag, aber dann kam die Welle und wir liefen immer weiter nach oben, um so hoch wie möglich zu kommen.'

Auf Phi Phi, wo der Psychothriller ,The Beach' mit Leonardo di Caprio gedreht wurde, werden 200 Bungalows ins Meer gespült - einige davon mit den Bewohnern und Angestellten. Zum Zeitpunkt der Flutwelle befanden sich Augenzeugen zufolge auch mindestens 30 Boote mit Touristen auf dem Meer. ,Ich fürchte, dass eine sehr große Zahl von Ausländern auf See vermisst wird', sagte der Besitzer von zwei Ferienanlagen auf Phi Phi, Chan Marongtaechar". Etwa 25 Nachbeben erschüttern die Region in den folgenden Tagen, ein weiteres Beben ereignet sich in der Region drei Monate später. Die extrem hohe Anzahl der Todes-opfer ist Experten zufolge auch deshalb zu beklagen, weil es im Indischen Ozean zu diesem Zeitpunkt kein Tsunami-Warnsystem gibt. Im Pazifischen Ozean existiert es da bereits.

Im Jahr 2008 nahm in Indonesien schließlich ein solches Frühwarnsystem den Betrieb auf, um die Küstenbewohner rechtzeitig vor anrollenden Tsunamiwellen zu warnen. Die Tücken des Systems zeigten sich 2010: Am 25. Oktober gab es erneut ein Beben vor Sumatra. Der Tsunami erreichte die Küsten aber so schnell, dass zwar Alarm ausgelöst wurde, aber den Menschen nur wenig Zeit zur Flucht blieb. Viele Dörfer wurden verwüstet, rund 500 Menschen starben. (cw)

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