2015: Der Flüchtlingstreck

Die europaweite Flüchtlingskrise erreichte im Herbst 2015 ihren Höhepunkt. Das löste in Deutschland eine heftige Debatte über die Einwanderungspolitik aus.

8. September 2015: Es waren dramatische Bilder: Die Lücke im Grenzzaun zwischen Serbien und Ungarn lockte im Herbst 2015 täglich Tausende Flüchtlinge an. Das führte in dem ungarischen Grenzort Röszke zu chaotischen Zuständen. Die in provisorischen Lagern untergebrachten Menschen versuchten immer wieder aus den Lagern auszubrechen, um auf eigene Faust weiterzuziehen. Die ungarische Polizei versuchte das zu verhindern, war aber nicht immer Herr der Lage. Innerhalb von vier Tagen kamen Anfang September rund 8000 Flüchtlinge in Ungarn an.

In Deutschland war die Anzahl der Flüchtlinge im gleichen Zeitraum deutlich höher. Die Bezirksregierung von Oberbayern zählte in München mehr als 26.000 Ankömmlinge in wenigen Tagen. Der Bürgerkrieg in Syrien war einer der Hauptgründe der Flucht vieler Menschen nach Deutschland. Aber auch die Krisen in Afghanistan, Pakistan, dem Irak und Nordafrika trieben die Menschen in die Flucht nach Europa. 2015 und 2016 kamen mehr als eine Million Flüchtlinge, Migranten und andere Schutzsuchende nach Deutschland. Allein 2015 wurden beim Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (BAMF) rund 890.000 Schutzsuchende registriert.

Der starke Zustrom von Menschen blieb politisch nicht ohne Folgen. Während viele Menschen sich für eine ausgesprochene Willkommenskultur entschieden, den Flüchtlingen Hilfe anboten und sie mit Lebensmitteln versorgten, verhärtete sich bei anderen eine unversöhnliche Fremdenfeindlichkeit. Das löste in Deutschland eine heftige kontroverse Debatte über die Ausrichtung der Asyl- und Flüchtlingspolitik aus.

Kernslogan für die sogenannte neue Willkommenskultur wurde "Wir schaffen das", ein Zitat von Bundeskanzlerin Angela Merkel in der Bundespressekonferenz vom 31. August 2015. Den Satz wiederholte sie später mehrmals. Allerdings war das Zitat ziemlich verkürzt. Nach einer Aufzählung von bewältigten historischen Momenten Deutschlands sagte Merkel: "Ich sage ganz einfach: Deutschland ist ein starkes Land. Das Motiv, mit dem wir an diese Dinge herangehen, muss sein: Wir haben so vieles geschafft - wir schaffen das! Wir schaffen das, und dort, wo uns etwas im Wege steht, muss es überwunden werden, muss daran gearbeitet werden."

Der Begriff "Flüchtlingskrise" ist umstritten. Doch der Anstieg der Migration nach Deutschland veränderte die politische Landschaft. Es entstand die Protestbewegung Pegida. Die AfD profitierte von ihrer fremdenfeindlichen Haltung und erstarkte bei Wahlen vor allem in Ostdeutschland. (cul)

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