Verurteilung trotz Freispruch

Ein Asylbewerber ist wegen unerlaubten Besitzes von Betäubungsmitteln verurteilt worden. Die ihm außerdem zur Last gelegte Nötigung eines Kindes konnte jedoch nicht bewiesen werden.

Freiberg.

Das Jugendschöffengericht Freiberg unter Vorsitz von Richterin Irina Pietzko hat einen 20-jährigen Iraker des unerlaubten Besitzes von Betäubungsmitteln schuldig gesprochen und ihn dafür unter Anwendung des Jugendgerichtsgesetzes zur Leistung von 90gemeinnützigen Arbeitsstunden verurteilt.

Der junge Mann war am späten Abend des 13. August 2018 bei einer Polizeikontrolle im Freiberger Wasserberggebiet mit einem Gramm Marihuana im Gepäck angetroffen worden. Den Besitz des Rauschgiftes räumte er ein. Der zweite, weitaus schwerwiegendere Tatvorwurf konnte indes aber nicht zweifelsfrei bewiesen werden.


Staatsanwalt Detlef Zehrfeld hatte den jungen Mann angeklagt, im Monat August des vergangenen Jahres einen damals 13 Jahre alten Jungen, der aus Syrien stammt, genötigt zu haben. Er sollte seinem Vater 100Euro stehlen und dem Angeklagten übergeben. Für den Fall, dass er das nicht tue, solle er ihm angedroht haben, seine beiden Ohren abzuschneiden.

Der Junge, der sein jetziges Alter entgegen seinen Dokumenten mit 16 Jahren angab, bestätigte das in seiner gerichtlichen Vernehmung mehrmals, verstrickte sich jedoch immer wieder in Widersprüche und gab teilweise verworrene Darstellungen ab. So bezeichnete er den Angeklagten zunächst als seinen Freund. Gleichzeitig erklärte er vor Gericht, dass er Angst vor dem Angeklagten habe.

Nachdem er seinem Vater entsprechend der Forderung des Angeklagten die 100 Euro weggenommen hatte, habe er 75 Euro einer jungen Frau gegeben, die mit dem Angeklagten zusammen wohnte. Das restliche Geld hatte er offensichtlich für sich behalten. Auf die Frage, ob er sich vor dem Iraker gefürchtet habe, weil er ja nur einen Teil seiner Forderung erfüllt hatte, sagte er nach einigem Zögern, er habe doch immer Angst vor dem Angeklagten gehabt. Der aber sagte aus, er habe niemals eine derartige Forderung gegenüber dem Jungen erhoben.

Erst später habe er von seiner Freundin erfahren, dass der Junge ihr den Geldbetrag von 75 Euro gegeben hatte. Der Vater des Jungen erklärte, er habe seinem Sohn die Geschichte geglaubt. Er sei ein guter Junge, der auch Angst vor ihm verspüre. Die Möglichkeit, dass der Junge, nachdem er das Geld gestohlen hatte, aus Angst vor seinem Vater die Geschichte von der Nötigung durch den Angeklagten zu seinem eigenen Schutz erfunden hat, lag nach der Anhörung aller Beteiligten nahe.

Ein Beweis für die Straftat konnte somit nicht erbracht werden, und die Anklage wegen Nötigung wurde fallen gelassen. Der 20-Jährige, der im Jahr 2015 allein nach Deutschland gekommen war, musste in diesem Punkt freigesprochen werden. Das Urteil ist bereits rechtskräftig. Ein unbeschriebenes Blatt ist der Angeklagte aber nicht. Bereits neun Mal verstieß der junge Mann gegen das Gesetz.

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