Viele Briefe erstmals vollständig veröffentlicht

30 Bände der Schumann-Briefedition sind bereits erschienen. Jetzt kommt ein weiterer hinzu. Etwa 20 weitere sind geplant.

Zwickau.

In der vom Robert-Schumann-Haus Zwickau gemeinsam mit dem Musikwissenschaftlichen Institut der Hochschule für Musik "Carl Maria von Weber" in Dresden herausgegebenen Schumann-Briefedition ist jüngst ein neuer Band erschienen.

Über kaum ein Künstlerpaar gibt es so viele persönliche Dokumente wie über Clara und Robert Schumann. Die bisher weitgehend unbekannten Briefe zwischen Robert Schumann, seiner Mutter und den Brüdern zeigen den Komponisten als Familienmenschen, der in großer Offenheit seine Pläne und Probleme mitteilt. Die meisten Briefe in dem insgesamt 996 Seiten umfassenden Band wurden erstmals vollständig veröffentlicht. Die gebundene Ausgabe ist für 128 Euro im Buchhandel erhältlich. Das sagte Petra Schink von der Pressestelle der Zwickauer Stadtverwaltung.

Robert und Clara Schumann, das große Musikerpaar der deutschen Romantik, hat die Kulturgeschichte des 19. Jahrhunderts nachhaltig geprägt. Die Kontakte zu fast allen bedeutenden Musikern der Zeit, aber auch zu Dichtern und Malern, zu Verlagen, zu Freunden und Fami- lienangehörigen spiegeln sich in einer umfangreichen Korrespondenz wider, über die Robert Schumann akribisch Buch führte.

Als historisch-kritische Edition erschließt die Schumann-Briefedi- tion systematisch den Gesamtbestand dieser Korrespondenz - vom Liebesbrief zur Geschäftsnotiz, von Nachrichten aus dem europäischen Musikleben zu Berichten über den Entwicklungsweg der Kinder, von Zuschriften mit Artikeln für Robert Schumanns "Neue Zeitschrift für Musik" bis zu Details von Vertragsverhandlungen mit einer kaum zu übersehenden Zahl von Verlagen in ganz Europa.

30 Bände sind seit 2008 erschienen, darunter im vergangenen Jahr auch der in zwei Teilbänden vorgelegte Briefwechsel Robert und Clara Schumanns mit dem Geigerfreund Joseph Joachim (herausgegeben von Klaus Martin Kopitz) und die Korrespondenz Clara Schumanns mit dem Leipziger Gewandhaus und seinen Musikern (herausgegeben von Annegret Rosenmüller und Ekaterina Smyka). Gut 20 weitere Bände sollen bis 2025 folgen. Das Mammutprojekt ist eine Kooperation der Akademie der Wissenschaften in Leipzig mit der Robert-Schumann-Forschungsstelle Düsseldorf, dem Schumannhaus Zwickau sowie Bibliotheken und Archiven aus aller Welt, sagte Schink. Die Edition erscheint im Verlag Christoph Dohr Köln und wird unter anderem von der Kunststiftung Nordrhein-Westfalen und der Deutschen Forschungsgemeinschaft gefördert.

Herzstück des kürzlich erschienenen Bandes ist die über hundert Briefe umfassende Korrespondenz Robert Schumanns mit seiner Mutter Christiane Schumann in Zwickau. Bereits als Siebenjähriger richtete Robert Schumann seine ersten Briefe an die Mutter. Und während der junge Schumann schon als 16-Jähriger den Tod seines Vaters verschmerzen musste, blieb ihm die Mutter noch zehn weitere Jahre erhalten. Nachdem Robert Schumann 1828 seine Heimatstadt verließ, um in Leipzig und Heidelberg zu studieren, blieb der briefliche Austausch mit seiner Mutter für ihn von großer Bedeutung - er selbst bewahrte die Briefe säuberlich auf, und aus seinem Nachlass gelangten sie ins Zwickauer Schumannmuseum. Weiterhin enthält der Band auch die nur bruchstückhaft überlieferten Korrespondenzen Robert Schumanns mit seinen Brüdern Eduard, Julius und Carl. Nach dem Tode Robert Schumanns setzte seine Witwe Clara Schumann die Korrespondenz mit den Verwandten ihres Mannes kontinuierlich fort; die letzten Briefe des vorliegenden Bandes stammen aus ihrem Todesjahr 1896.

Die meisten Briefe in dem ins- gesamt 996 Seiten umfassenden Band werden erstmals vollständig veröffentlicht, heißt es. Was sich bei früheren, zum Teil in Ausgaben vor mehr als 100 Jahren veröffentlichten bruchstückhaften Briefen gerade von Robert Schumann an seine Brüder wie beständige Bettelbriefe ausnahm, stellt sich nun imhier erstmals vorgelegten Gesamtkorrespondenzzusammenhang ganz anders dar: Mit Erreichung der Volljährigkeit hatte Robert Schumann seine Brüder mit Darlehen ausgestattet, deren Tilgung sich zum Teil über Jahrzehnte hinzog - Robert Schumanns Zahlungsbitten waren somit gut begründet. (ja)

Schumann-Briefedition: Serie 1 Familienbriefwechsel; Band 7 Briefwechsel Clara und Robert Schumann; Band IV März 1840 bis Juli 1856 (herausgegeben von Thomas Synofzik und Michael Heinemann); 996 Seiten, Register, Leinen mit Schutzumschlag.

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