Vielen Sachsen droht im Alter ein Umzug

Weniger Rente, weiter steigende Mieten, kein Geld für altersgerechte Umbauten: Zehntausende Sachsen werden in ihren Wohnungen nicht wirklich alt werden können.

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22 Kommentare

Die Diskussion wurde geschlossen.

  • 2
    0
    Hankman
    16.01.2019

    Ich finde das Anliegen ja gut. Aber man muss nicht immer gleich das Maximalprogramm fahren. Nicht jede altersgerechte Wohnung braucht Bewegungssensoren und ähnliche technische Einrichtungen. Oft genügt auch der unabhängige Hausnotruf mit Basisstation (festnetz- oder mobilfunkbasiert) und "Funkfinger" am Körper. Wichtiger ist, innerhalb der Wohnung sowie an den Balkontüren auf Schwellen zu verzichten; Duschkabinen statt der oder zusätzlich zur Wanne einzubauen; am besten auch einen Lift. Das könnte man alles generell so vorsehen, wenn man neu baut oder grundhaft saniert. Der Aufwand wäre (vom Lift abgesehen) gering. Und ganz nebenbei wären die Wohnungen dann eben alters- und behindertengerecht.

    Man sollte auch bedenken: Die Deutschen werden zwar immer älter, viele sind aber auch im höheren Alter fitter und gesünder als frühere Generationen. Es ist auch billig, immer gleich nach staatlicher Förderung zu rufen. Klar, kann man machen. Es geht oft aber auch ohne - wenn man eine ohnehin vorgesehene Sanierung klug plant.

    Ich habe vor ein paar Jahren eine interessante Erfahrung gemacht. Mein damaliger Vermieter, eine Chemnitzer Wohnungsgenossenschaft, hat einen sehr gut vermieteten Block (1994 saniert) leergezogen, die überwiegend älteren Mieter mussten raus. Begründung: Der Block sollte altersgerecht umgebaut werden. Es sollten Fahrstühle eingebaut, Barrieren beseitigt und der Komfort verbessert werden. Die Wohnungsgrößen wären - wie bis dahin - seniorengerecht geblieben. Als der Block dann endlich leer war und die Sanierung anstand, war davon keine Rede mehr: In dem Block entstanden durch Änderung der Grundrisse große, familiengerechte Wohnungen, der Komfort wurde ein wenig verbessert, die Lifte weggelassen. Statt 32 seniorengerechter Wohnungen entstanden 17 große. Die Mieten stiegen drastisch. Es ging in dem Fall nicht um zu hohe Kosten für eine altersgerechte Sanierung - sondern um die Aussicht, mit den größeren Wohnungen in guter Lage einfach mehr Geld zu verdienen. Eine unternehmerische Entscheidung. Da hätte die (einmalige) staatliche Förderung auch nicht viel genutzt.

  • 5
    1
    VaterinSorge
    15.01.2019

    Vielen Dank FP und besonders Jürgen Becker für den Beitrag, die realistische Recherche und die Möglichkeiten, dass sich die betroffenen Wohnungswirtschaften durch den Verband VSWG zum Thema zu Wort melden konnte. Während seit Jahren Politik, Förderquellen wie KfW, SAB und ESF um Richtlinien debattieren, werden die Leutchen immer älter und älter. Im sächs. Koalitionsvertrag sind konsequente Programme umgesetzt worden, sogar Millionen im Haushalt eingestellt worden, in den drei Oberzentren Beratungsstellen eingerichtet und umsetzbare Richtlinien zum Wohnraumfördergesetz erarbeitet worden. Doch es interessiert niemanden der nicht unmittelbar betroffen ist und die, die betroffen sind, wissen es nicht, da sie mobilitätsmäßig bereits so eingeschränkt sind, es daher niemals erfahren werden. Wenn sie nicht an die Hand genommen werden und die Wohnungen mit Hilfe der eigenen Angehörigen, des Vermieters und entsprechender Förderung so umgestaltet wird, dass Betroffene länger in ihren vier Wänden, würdevoll alt werden könnten, bleibt das so, wie im Bericht dargestellt. Das ist aber alles mit Arbeit und Engagement verbunden und für die Angehörigen wahrscheinlich einfacher, ihre betagten Angehörigen vorzeitig ins betreute Wohnen oder ins Seniorenheim zu schicken. Doch das Desaster rollt unaufhaltsam näher, denn schon jetzt fehlen Plätze und vor allem Fachkräfte für wirklich betroffene Fälle. Wir sind demographisch gesehen am Hang und die Lawine ist schon in Bewegung. Daher sollten sich Betroffene und ihre Angehörigen schnellstens mit den Beratungsstellen in Verbindung setzen und vor dem Einsetzen einer Pflegestufe einen Antrag auf Wohnungsumbau stellen und somit bis zu 8.000 Euro Zuschuss bekommen. In Abstimmung mit dem Vermieter lassen sich so Wanne gegen bodengleiche Dusche tauschen, ein praktisches Dusch-WC elektrisch höhenverstellbar (als Aufstehhilfe) installieren, Schwellen entfernen oder Türen verbreitern, ja sogar der barrierefreie Zugang zum Balkon wird finanziell unterstützt. Sind in einem Aufgang 50 % der Wohnungen derartig umgerüstet, bekommt der Vermieter sogar Zuschuss, um die Wohnungen barrierefrei zugänglich zu machen, also Rampen oder Fahrstühle zu errichten. Wir sollten uns alle damit auseinander setzen, denn es wird uns alle irgendwann einmal treffen. Dann ist man froh, dass man in einem Wohnumfeld wohnt, wo praktische Assistenzsysteme das Leben einfacher und autark-würdevoll machen. Den Wohnungsunternehmen wünsche ich mehr Unternehmergeist und Innovationsbereitschaft, den Handwerkern mehr Hang zur Lösungsorientierung als zum Wunsch schnell das Billigste zu verbauen und den betroffenen und zukünftig betroffenen Menschen etwas mehr Mut und Courage, selbst aktiv zu sein und sich nicht aufzugeben. Alt werden hat auch sehr wertvolle Seiten und wenn es heute selbstverständlich ist, die 80 zu erreichen, dann ist man nicht alt oder greise, sondern besonders weise und verdient Würde und Respekt.