25 Jahre nach der Bummi-Rettung

Der Kita in Rodewisch drohte nach der Wende die Schließung. Ein mutiges Ehepaar habe das verhindert, sagen Vereinsvorsitzende und Leiterin.

Rodewisch.

Das Kinderland Bummi an der Straße der Jugend in Rodewisch ist ein kleines Paradies. Wobei klein relativ ist, denn hinter dem einstigen Modellkindergarten mit Atrium und Galerie erstreckt sich ein riesiger Garten, in dem urwüchsiger Baumbestand mit zahlreichen Spielinseln wechselt. Der perfekte Ort für spielvergessenes Sein - heute feiern dort auch die Großen mit: 45 Jahre Kindergarten und 25 Jahre Elternverein Kinderland Bummi.

Das kleine Paradies - es wäre beinahe so nicht entstanden. Denn der Vorgängerbau, 1974 eingeweiht, musste Mitte der 90er-Jahre weichen, wegen seiner Asbestplatten. Offiziell sei dies 1993 bekannt geworden, erinnert sich die damalige Leiterin Ingrid Pitt. Und damit habe schnell auch das komplette Aus der Einrichtung im Raum gestanden. Der heute 74-Jährigen und ihrem Mann Wolfgang Pitt (76) sei es zu verdanken, dass das nicht eingetreten ist, sagen die heutige Leiterin Katrin Sitte und die Vorsitzende des Kinderland-Elternvereins, Mileen Schuwardt.


Die Umstände waren der Zeit geschuldet: Wenige Jahre nach der Wende habe niemand so richtig gewusst, wo es hingeht, erinnern sich die Beteiligten. Der Kindergarten sei zwar voll belegt gewesen damals, sagt Ingrid Pitt. Trotzdem habe es angesichts eines starken Geburtenrückgangs Stimmen gegeben, die die Schließung forcierten. Von einst sechs Kindergärten aus DDR-Zeiten in Rodewisch wurde schließlich auch einer geschlossen.

Dieses Szenario vor Augen mobilisierte Ingrid Pitt Eltern und Mann: 1994 wurde der Verein Kinderland Bummi gegründet und Wolfgang Pitt Vorsitzender. Im Oktober 1995 wurde der Grundstein für einen Neubau gelegt. Für 1,5 Millionen D-Mark entstand ein Modellkindergarten. Architekturbüro aus Dresden akquirieren, Fördermittel beschaffen: All das habe Wolfgang Pitt mit großem Aufwand geleistet, heißt es.

40 Prozent habe der damalige Regierungsbezirk beigesteuert, 20 Prozent mussten die Eltern selbst aufbringen, als Eigenleistungen. Um die verbleibenden 40 Prozent, die die Kommune finanzieren sollte, habe es harte Kontroversen im Stadtrat gegeben, erinnern sich Pitt, Sitte und Schuwardt. Der damalige Bürgermeister Hans-Rudolf Trischmann und die CDU-Fraktion hätten das "mutige Projekt" unterstützt.

1996 war Eröffnung. Heute werden am Hauptstandort 83 Kinder vom Krippenalter bis zur zweiten Klasse betreut. Seit 2018 betreibt der freie Träger den Hort in der Schiller-Grundschule wieder, nachdem die Kommune sämtliche Kitas an freie Träger abgegeben hatte. Mit weiteren 60 Dritt- und Viertklässlern, die als Hortkinder in der Schule betreut werden, ist das "Bummi" die größte Kita in Rodewisch.

Elf Erzieher, zwei Helferinnen, eine Küchenkraft, ein Hausmeister, eine FSJlerin, ein BA-Student: Katrin Sitte listet den aktuellen Personalstand auf. Sitte hat von Pitt 2004 die Leitung übernommen. Eingestiegen war sie zehn Jahre vorher, in der Umbruchszeit. Damals seien es fünf Erzieher gewesen, erinnert sie sich.

Trotz der Erfolgsgeschichte: Ohne das überdurchschnittliche Engagement der Mitarbeiter und des Vereins sei der Betrieb, so wie er jetzt laufe, nicht möglich, ist Sitte überzeugt. Zehn Vorstandsmitglieder, 94 Vereinsmitglieder, zählt Mileen Schuwardt auf. Mehrmals im Jahr stünden Arbeitseinsätze an, jedes Vorstandsmitglied habe eine verbindliche Aufgabe. Sie als Vorsitzende erledige die Buchhaltung - ehrenamtlich.

Auch Bürgermeisterin Kerstin Schöniger (CDU) ist überzeugt, dass im "Bummi keine Stunden gezählt werden" und lobt die Verantwortlichen für ihren unkomplizierten Pragmatismus: "Mit meinen Bummileuten kann ich ein Pferd stehlen, es aber auch wieder zurückbringen."

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