30 Jahre nach dem Mauerfall: Auerbacher diskutiert im Bellevue

"Geteilte Geschichten" werden ab 13. August in dem bekannten Schloss in Berlin ausgetauscht. Für den Auftakt der Gesprächsreihe hat Bundespräsident Steinmeier Franz Hornung eingeladen.

Auerbach.

Franz Hornung mag noch immer kein Aufheben um seine Person, trotzdem kann er die Freude über die neue Einladung nach Berlin nicht ganz verbergen. Frank-Walter Steinmeier (SPD) bittet den Auerbacher am 13. August zu einem Podium nach Berlin. Dies, nachdem der 76-Jährige bereits im Januar 2018 beim traditionellen Neujahrsempfang im Schloss Bellevue war. Er habe die Einladung Anfang Juli erhalten, sagt Hornung.

Diesmal geht es um ein historisches Ereignis. Friedliche Revolution, Mauerfall, Wende - das ist die Chronologie der Ereignisse vor 30 Jahren im damals geteilten Deutschland. Unter dem Titel "Geteilte Geschichten" veranstaltet der Bundespräsident eine Gesprächsreihe zum Jubiläum. Der Titel des Auftaktes am 13. August: Mut- und Glücksmomente. Das Podium bestreiten: die Journalisten Siegbert Schefke, dessen Filmaufnahmen von den Montagsdemos in Leipzig das Bildgedächtnis der Revolution prägten, und Georg Mascolo, der von den Geschehnissen am Berliner Grenzübergang Bornholmer Straße berichtete. Es moderiert: Marion Brasch, Radio-Journalistin, Autorin und Tochter eines einst hohen DDR-Funktionärs.


"Es handelt sich mit Sicherheit um einen kleineren Rahmen als beim Neujahrsempfang", ist Franz Hornung überzeugt. Laut Info des Bundespräsidialamtes sollen nebst Podium in kleineren Runden sich jeweils ein Gesprächspartner ostdeutscher und westdeutscher Herkunft über ihre persönlichen Geschichten rund um die Ereignisse austauschen. Einander zuzuhören und besser zu verstehen, so das Credo.

Franz Hornung hat viel zu erzählen - beruflich wie politisch. Er könne sich noch gut an die Geschehnisse im Vorfeld des Wendeherbstes erinnern: an die letzten Kommunalwahlen im Frühjahr 89. An den Sommer mit massenweisen Republikfluchten. Er selbst führ im Sommer 89 mit Frau und Tochter über Rumänien nach Bulgarien. "Die Zustände dort waren erschütternd", erinnert sich Franz Hornung. Alles zusammen bewog ihn dazu, sich im Neuen Forum und in einer Auerbacher Initiative zu engagieren. "Jetzt muss du was machen", habe er sich damals gesagt, so Hornung heute, der nach eigenen Angaben zuvor in der DDR nie politisch aktiv war. Als sich im Dezember 89 die SPD in Auerbach gründete, war er dabei. Der Bauingenieur wurde zum Kommunalpolitiker der ersten Stunde.

Beruflich startete er in die Selbstständigkeit. Noch heute ist der 76-Jährige aktiv, allerdings nur noch im Ein-Mann-Büro. Die Krankenhäuser in Rodewisch und Schöneck, Schulneubauten, die Sparkasse Plauen: Als Statiker habe er mit seinem Team größere Projekte in der Region begleitet. Was dabei schwierig gewesen sei: Beruf und Stadtrats- sowie Kreistagsmandate unter einen Hut zu bringen. Aus dem Kreistag scheidet er nun aus, im Stadtrat bleibt er wiedergewählt Mitglied.

Franz Hornung ist zufrieden damit, wie sich Auerbach in den 30 Jahren entwickelt hat. Für das ostdeutsche Lamento hat er nichts übrig. Logisch, es gebe große Unterschiede zwischen dem Leben in München und dem im Vogtland. Aber dabei sei das Negative keineswegs nur hier verortet: "Es geht uns sehr gut." Und: "Wir müssen bereit sein, etwas davon abzugeben."

In Diskussionen mit seinen Mitbürgern nehme er kein Blatt vor den Mund, auch wenn mitunter eine sachliche Diskussion nicht möglich sei. Was er registriert: eine zu hohe Erwartungshaltung und mitunter wenig Eigeninitiative. Er habe auch hart arbeiten müssen.

Dabei trifft ihn das gesellschaftliche Dilemma als Ostdeutschen und SPD-Mann. Sein ernüchterndes Fazit: "Die, für die wir uns historisch gesehen schon immer eingesetzt haben, wählen uns heute nicht mehr."

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