Alkoholverbot: Nach ruhigen Wochen gibt's Zoff

Seit 1. Mai ist der Genuss von Bier, Wein, Schnaps und Co. auf dem Neumarkt nicht mehr erlaubt. Die Ordnungsamtschefin sieht eine Erfolgsgeschichte. Doch am Donnerstag rückte die Polizei an.

Auerbach.

Mit bis zu 1000 Euro Bußgeld kann belegt werden, wer auf dem Auerbacher Neumarkt und direkt angrenzenden Straßen gegen das Alkoholverbot verstößt. Bisher hat nach Angaben von Anja Löffler-Seifert, Fachbereichsleiterin Ordnung und Sicherheit im Rathaus, noch niemand bezahlen müssen. "Für 1000 Euro müsste man Vorsatz nachweisen können, was sowieso schwierig ist", sagt sie. "Bei Fahrlässigkeit sind 5 bis 500 Euro möglich." Kurz nach Einführung des Verbots am 1. Mai habe der beauftragte Security-Dienst noch eine ganze Reihe von Verstößen registriert. "Wir wollten aber nicht gleich mit Hammer und Keule reagieren, deshalb wurden nur mündliche Verwarnungen ausgesprochen." Dies habe sich bewährt - es sei Ruhe eingezogen. Das Verbot sei eine Erfolgsgeschichte, dabei hätten das städtische Ordnungsamt, die Polizei, meist in Gestalt des Bürgerpolizisten, und die Security Jahn gut zusammengewirkt. Mehrfach sei man gemeinsam vor Ort gewesen, um Gespräche zu führen.

Natürlich habe es "eine gewisse Verdrängung" gegeben, räumt Anja Löffler-Seifert ein. So seien bisherige Dauergäste des Neumarkts auf die Netto-Treppe umgezogen - zumindest eine Weile. "Dort können wir nicht viel tun, weil das Hausrecht beim privaten Grundstückseigentümer, also bei Netto, liegt." Nach entsprechenden Hinweisen habe man aber auch hier Gespräche geführt. Es habe sich jedoch um wenige Leute gehandelt, und größere Probleme seien nicht bekannt. Wo der Rest der Truppe abgeblieben ist, die im vergangenen Jahr zum Stein des Anstoßes wurde, weiß die Ordnungsamtschefin auch nicht. Sie will ohnehin nicht alle über einen Kamm scheren: "Nach dem, was wir wissen, gab es zwei Gruppen: Eine mit berufstätigen Leuten, die sich nach Feierabend zum Bier traf. Und eine andere, bei der härtere Getränke im Spiel waren." Einige aus der zweiten Gruppe sitzen nach ihren Informationen inzwischen in Haft. Andere seien letzten Sommer etwa aus dem Neubaugebiet oder Rodewisch regelmäßig ins Zentrum gepilgert und kämen nun nicht mehr. Die Gruppen seien wohl "zerfallen", mutmaßt Anja Löffler-Seifert.


Vielleicht noch nicht ganz: Am Donnerstagabend gab es an der Ecke Breitscheidstraße/Neumarkt nach langen Wochen der Ruhe wieder einen größeren Zwischenfall. Wie die Polizei bestätigt, meldete ein Anrufer am Donnerstagabend dort sechs bis sieben volltrunkene Personen. Beim Eintreffen der Streifenwagen habe man noch drei Männer angetroffen, von denen zwei sich sofort entfernt und einer sein Bier auf die Straße gekippt habe. Anschließend sei auch der gegangen - insofern habe es keine Veranlassung zum Platzverweis gegeben. Ein Gewerbetreibender, der lieber anonym bleiben möchte, hält das Vorgehen der Beamten für zu lasch: "Da hätte es Anzeigen geben müssen - wozu haben wir sonst die Verbotszone?" Security sei schon lange nicht mehr vor Ort. "Wenn es keine Kontrollen gibt, wird es bald wieder so sein wie früher", fürchtet er.

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