Alte Schmiede erzählt Geschichte

Das alte Handwerk hat in Reumtengrün eine über 400-jährige Geschichte. Nicht nur Kinder sind davon fasziniert.

Reumtengrün.

Kartoffelernte stand diese Woche im Programm des Ganztagsangebots für die Kinder der evangelischen Grundschule Reumtengrün. Wie früher gelebt und gearbeitet wurde, wollen die Frauen vom Heimatverein den Grundschülern vermitteln. Auch beim Besuch in der Alten Schmiede von Günther Morgner. Die Bauern des Dorfes haben dorthin früher ihre Gerätschaften gebracht, wenn sie kaputt waren.

Günther Morgner ist selbst Mitglied im Reumtengrüner Heimatverein. Als er gefragt wurde, ob die Grundschüler die alte Schmiede in seinem Haus besichtigen dürfen, war er gern dazu bereit. Der letzte Schmied von Reumtengrün war sein Schwiegervater Walter Fuchs. In den Besitz der Familie Fuchs war sie um 1870 übergegangen, damals an Bernhard Fuchs. Erstmalig wurde eine Schmiede im Ort jedoch schon 1635 im Sterbebuch von Treuen erwähnt. Es wird davon ausgegangen, dass die Schmiede in der Zeit zwischen 1595 und 1600 errichtet wurde. "Genau kann das keiner sagen, es gibt keine Aufzeichnungen dazu, schließlich war da der Dreißigjährige Krieg, der ging auch an Reumtengrün nicht spurlos vorbei", so Morgner. Bekannt ist aber, dass die Schmiede an der damaligen Verbindungsstraße zwischen Auerbach und Plauen stand, einem wichtigen Handelsweg. Dort gab es für einen Schmied reichlich zu tun. Die Räder von Fuhrwerken waren zu richten und die Pferde frisch zu beschlagen. In seiner Geschichte ist das Haus auch schon mal bis auf die Grundmauern abgebrannt. Die, ganz vom Ruß geschwärzt, wurden sichtbar, als die Familie einen Anbau errichtete.

Für die Landwirtschaft war Walter Fuchs bis zuletzt tätig. Als er altersbedingt sein Handwerk nicht mehr ausführen konnte, kam nach der Wende das Aus für die Schmiede. "Es war einfach auch kein Bedarf mehr dafür da und einen Nachfolger gab es auch nicht", so Günter Morgner, der selbst den Beruf eines Kfz-Schlossers erlernt hat.

Als das Feuer in der Schmiede endgültig ausgegangen war, blieb alles in den Räumen zunächst beim Alten. Das Interesse seines damaligen Schwiegersohns Marko Lukoschek am alten Handwerk sorgte dafür, dass Günter Morgner gemeinsam mit ihm daran ging, die Schmiede wieder herzurichten. Das war 2010. Außer dem Wasserbehälter, der kaputt war, findet man in dem Raum alles, was ein Schmied zum Arbeiten brauchte: die Feuerstelle, Amboss und Hammer, ein ganzes Arsenal an Zangen, Schraubstöcke und verschiedene Maschinen zur Metallbearbeitung. Wozu man das alles brauchte, erzählt Günther Morgner, wenn die Kinder zu ihm in die alte Schmiede kommen. Nur das Feuer wird nicht wieder entfacht. "Die Koksstückchen springen, das ist mir zu gefährlich", begründet er.

Die alte Schmiede ist kein Museum. Dennoch ist Günther Morgner bei Interesse bereit, sie zu öffnen und zu erklären, was ein Schmied in alten Zeiten gemacht hat. Die Reumtengrüner Grundschüler jedenfalls scheint das zu faszinieren, denn als die Frauen vom Heimatverein gefragt haben, was sie im Ort anschauen wollen, hieß es einstimmig: "Die alte Schmiede!"

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