Altmotoren-Aufarbeitung bietet Zukunft für Standort Wolfspfütz

Aus Monark Automotive wurden über den Umweg Insolvenz die Wolfswerke Sachsen. Pro Jahr erhalten rund 4000 Dieselaggregate hier ein zweites Leben. Auch neue alternative Antriebe sind ein Thema.

Lengenfeld.

Ein neuer Firmen- Name macht im Lengenfelder Ortsteil Wolfspfütz neugierig. Der einstige Betriebsteil II der Renak-Werke Reichenbach, der seit 2005 zu Monark Diesel und seit 2014 zur Monark Automotive GmbH gehörte, heißt seit Februar Wolfswerke Sachsen. Firmensitz ist Hamburg. Neben dem Werk in Wolfspfütz gibt es wie bisher ein zweites in Dresden. Geschäftsführer ist, ebenfalls wie bisher, Ulrich Müller.

Mit dem Großauftrag eines renommierten deutschen Nutzfahrzeugherstellers war Monark Automotive 2018 in die Aufarbeitung von Altmotoren eingestiegen. "Wir haben inzwischen die Leistung hochgefahren. Heute sind wir mit rund 100 Mitarbeiten größtenteils in drei Schichten tätig", erklärt Ulrich Müller. Der Fokus liege auf der industriellen Aufbereitung von gebrauchten Aggregaten und Teilen. Man sei dabei für alle Antriebe und Getriebe gerüstet, nicht nur für Diesel. "Und natürlich kommen immer noch die weltbesten Einspritzdüsen aus Wolfspfütz", sagt er stolz.

Aufbauend darauf, war 2019 eine strategische Neuausrichtung besprochen und beschlossen worden. Da es zuletzt zweistellige Umsatzeinbußen im Handelsgeschäft gegeben hatte, wollte man sich von diesem Bereich trennen und fortan auf die industrielle Dienstleistung und Produktion konzentrieren. Nachhaltig und auf Kreisläufe orientiert. Für Müller völlig überraschend habe sich die GmbH-Gesellschafterin jedoch im Oktober 2019 entschieden, diesen Restrukturierungskurs nicht mehr zu begleiten. "Unser Unternehmen war gezwungen, über den Umweg der Insolvenz in Eigenverwaltung die begonnene Restrukturierung ins Ziel zu bringen", erklärt der 57-Jährige. Das Insolvenzverfahren wurde am 1. Januar 2020 eröffnet. Das Handelsgeschäft von Monark Automotive und die Marke Monark übernahm per 1. Februar PE Automotive aus Wuppertal, ein Spezialist im freien Nutzfahrzeuge-Teilemarkt. Im Februar folgte die Umbenennung in Wolfswerke Sachsen. "Ich wollte die Region im Namen haben, deshalb Sachsen. Außerdem die Wertschöpfung, deshalb Werke. Und der Wolf ist eine Reminiszenz an Wolfspfütz und die Renak-Tradition", erklärt der Chef.

Seither habe man das Ergebnis "von tiefrot auf break-even", sprich auf eine schwarze Null, gebracht. Um das Insolvenzverfahren Anfang 2021 aufheben zu lassen, wolle man die Sanierung zügig beenden und sich mit frischer Kraft und einer "tollen lokalen Mannschaft" den Herausforderungen stellen. "Es klingt paradox: Aber unsere Lage ist die eines Start-ups mit langer Geschichte. Wir stehen zwischen Risiko und Chance", hält Müller fest.

Das Werk in Dresden konzentriert sich auf die Aufarbeitung von Einspritzsystemen. Im Motoren-Remanufactoring in Wolfspfütz habe man den Umsatz von 1,5 Millionen Euro im Jahr 2018 auf jetzt rund 5 Millionen Euro gesteigert. Dabei spielt den Wolfswerkern in die Hände, dass regenerierte Aggregate gerade einen Boom erleben. "Kaum einer kauft neue Autos, aber alle wollen Ersatzteile", weiß Müller. Der Nutzfahrzeughersteller, für den man tätig ist, hat angekündigt, seine Auftragsumfänge ab 2023 neu auszuschreiben. Die Wolfswerke arbeiten hart daran, auch diese Ausschreibung zu gewinnen.

Was die Produktion von Einspritzdüsen angeht, so wollen die Wolfswerke mit ihrem Know-how künftig alternative Antriebstechnik unterstützen. Wasserstofftechnik zum Beispiel. Als weiteres Standbein widmet sich das Unternehmen mit WWS Classic speziell Oldtimern. Für Pkw, Lkw, Zweiräder, aber auch Traktoren oder Schiffe werden die Reinigung und Aufbereitung von Altteilen sowie die Produktion von Ersatzteilen angeboten. Unter dem Motto "Aus Sachsen - für Sachsen" sind die Wolfswerke offen für Kooperationen mit regionalen Unternehmen. "Wir sind zum Beispiel für große Werkzeugproduzenten tätig", erläutert Ulrich Müller. Der eigene Werkzeugbau macht das möglich, ein Netzwerk entstehe gerade. Auch bei Finanzierung und Dienstleistung setze man ausschließlich auf regionale Partnerschaften.

Die Corona-Pandemie habe das Unternehmen ein halbes Jahr gekostet. "Wir fahren auf Sicht", so der Chef. Durch den Corona-Notstand in Tschechien fehlen zurzeit zehn der 25 von dort kommenden Beschäftigten. Ein schöner Nebeneffekt der Corona-Krise sei, dass die Wolfswerke jetzt zwei junge Akademiker nach ihrem Masterabschluss an der TU Chemnitz für ihr Team gewonnen haben. Sie hatten anderswo keine Chance bekommen. "Sie machen einen super Job. Ich brauche so bodenständige Leute", sagt Müller.

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