An der Quelle des "Rützenburgers"

Zur Rützengrüner Kirmes am Wochenende waren Spezialitäten vom orts- ansässigen Bauernhof Gruschwitz erneut heiß begehrt. Die Landwirte lassen sich immer etwas Neues einfallen - und bleiben bodenständig.

Rützengrün.

Es gibt sie nur zur Rützengrüner Kirmes, und dort sind sie der Verkaufsschlager: "Rützenburger" nennt sich die Kreation aus dem Hause Gruschwitz. Zwischen den Sesambrötchen der Bäckerei Ungethüm aus Wernesgrün steckt ein Rindfleisch-Patty vom Angus-Rind, garniert mit Salat, Gurke, Tomate, Zwiebel, Käse und raffinierter grüner Soße. "Im vergangenen Jahr haben wir ihn zum ersten Mal kredenzt", sagt Tina Schürer (36), deren Eltern den Familienbetrieb aufgebaut haben. "Und zur diesjährigen Kirmes am Wochenende kam er wieder sehr gut an." Sie engagiert sich im Heimatverein, dort hat sie auch das Rezept für die Kirmes-Roster getestet: "Die gibt es ebenfalls nur einmal im Jahr." Immerhin: Die Patties, also die Burger-Frikadellen, kann man tiefgefroren im Hofladen kaufen, der alle vierzehn Tag öffnet. 180 Angus-Rinder grasen auf den weitläufigen Wiesen, die zum Hof gehören. Für ihr Wohlergehen und das gesamte Grünland ist Arne Gruschwitz, Tina Schürers Bruder, zuständig.

Das Schlachten übernimmt dann ihr Ehemann Christian (36). Die Eheleute kümmern sich außerdem um Schweine, Schafe und Geflügel (Gänse, Enten, Puten, Hühner, Tauben). "Außerdem habe ich jetzt noch mit Imkern angefangen - in diesem Jahr gibt es den ersten eigenen Honig", berichtet Christian Schürer. Der Impuls dafür kam von seinem Sohn, der in der Schule in einer Imker-AG mitmischt.


Ohnehin lassen sich die Landwirte immer wieder etwas Neues einfallen - zum Beispiel eine Salami mit Walnüssen, für die sie dank ihrer sieben Walnussbäume sämtliche Rohstoffe auf dem eigenen Grundstück haben. Oder den Regiomaten - aus dem Automaten kann man Eier, Aufschnitt, Speckfett oder Wurstgläser ziehen, wenn der Hofladen geschlossen ist. "Vorher hatten wir eine Kasse des Vertrauens - aber die hat leider nicht so gut funktioniert", sagt Tina Schürer.

Spüren die Rützengrüner etwas vom viel beschworenen Trend zu Lebensmitteln aus der Region? Oder geht der am Vogtland eher vorbei? Das wollen die Landwirte so pauschal nicht beantworten: Es kämen durchaus neue Kunden zur Stammkundschaft hinzu, meint Tina Schürer. Aber es sei wohl immer so: "Die einen interessiert, wo die Dinge herkommen, die sie essen - den anderen ist das völlig egal. Und so wird das wohl bleiben." Es gebe bestimmte Zeiten im Leben, an denen sich Menschen umorientierten und über Lebensmittel nachdenken würden: "Oft ist es so bei der Familiengründung: Vielen ist wichtig, dass ihre Kinder etwas Gutes essen." Auch im Zusammenhang mit Krankheiten habe sie dies beobachtet.

Was halten die Direktvermarkter von der aktuellen Diskussion über eine höhere Mehrwertsteuer auf Fleisch? Den Tieren würde das nichts nützen, meinen sie. Die würden deshalb nicht besser gehalten. Und das Geld würde im Staatssäckel verschwinden. "Man sollte Fleisch mehr wertschätzen", sagt Tina Schürer. "Jährlich landen vier Millionen Schweine einfach in der Tonne, werden völlig umsonst geschlachtet. Das müsste man doch erst mal reduzieren - schon wegen der Gülle, die das Grundwasser belastet."

Die Schweine auf dem Gruschwitz-Hof werden etwa ein Jahr alt und haben ein Schlachtgewicht von 180 bis 200 Kilogramm. Damit leben die bis zu 20 Tiere ein halbes Jahr länger und sind deutlich schwerer als ihre Artgenossen in der Massentierhaltung, die etwa 120 Kilo auf die Waage bringen. "Wir wollen den Speck", sagt Christian Gruschwitz. Der sei ansonsten in Deutschland heutzutage unerwünscht, speziell für Speck importiere man dann lieber fette italienische Schweine - hunderte Kilometer weit.

Das Borstenvieh auf dem Gruschwitz-Hof bleibt sein Leben lang im Vogtland: Es kommt aus Dorfstadt, und sein letzter Weg vom Stall ins Schlachthaus ist wenige Meter lang.

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