Ars Vitae bittet zum letzten Tanz

Am Samstag steigt in der ehemaligen Bauarbeiterversorgung Rodewisch mit dem "Spegg-wegg-Danz" die letzte Veranstaltung. Danach gehen dort die Lichter aus.

Rodewisch.

Aller guten Dinge sind drei, heißt es. Aber nicht deshalb ist nach der dritten Auflage des "Spegg-wegg-Danz" Schluss. Zumindest in der ehemaligen Bauarbeiterversorgung BAV in Rodewisch. Denn der Abend gegen den Weihnachtsspeck, bei dem lokale Bands auf der Bühne stehen und traditionell eine etwas härtete musikalische Gangart einschlagen, erfreute sich im Göltzschtal und darüber hinaus bei jungen Leuten großer Beliebtheit.

Die BAV dürfte am Sonnabend noch aus einem weiteren Grund aus allen Nähten platzen: Der "Spegg-wegg-Danz" 2019 mit Bands wie Elossa aus Auerbach ist zugleich die inoffizielle Kehraus-Party für den Kulturverein Ars Vitae ("Lebenskunst"), der seit 2016 die BAV betreibt. Anfang November hatten die verbliebenen Mitglieder beschlossen, den Verein zum Jahresende aufzulösen und das Café samt angeschlossener Veranstaltungs- und Proberäume in der BAV aufzugeben.

Für das Ende von Ars Vitae und seinem Domizil hatte Vereinsvorsitzender Tim Süß mehrere Gründe angeführt: Von den zuletzt 35 Mitgliedern sei im Laufe der Jahre ein immer kleiner werdender "harter Kern" übrig geblieben, der die ehrenamtliche Arbeit geleistet und Verantwortung übernommen habe. Hinzu komme die finanzielle Belastung, die aus der Nutzung der Immobilie erwachsen sei. Das reiche vom Einspielen der Betriebskosten bis zu Auflagen für den Brandschutz - "ein Kraftakt, der nicht mehr zu leisten ist", räumte Süß angesichts der Verbindlichkeiten beim Vermieter, der VSTR-Tochter Bau- und Immobilien GmbH "Göltzschtal", ein.

Deren Geschäftsführer Andreas Rannacher bestätigt "Freie Presse", dass mit dem Ende des Pachtvertrages mit Ars Vitae das Ende der BAV bevorsteht: "Das Gebäude wird bis 10. Januar beräumt übergeben und von den Medien getrennt." Eine weitere Nutzung sei aufgrund des schlechter werdenden Zustandes "mit gutem Gewissen nicht mehr möglich". Zudem sei langfristig keine wirtschaftliche Nutzung des Gebäudes absehbar, notwendige Instandsetzungsmaßnahmen in der dafür notwendigen Höhe deshalb nicht gerechtfertigt, erläuterte Rannacher und ergänzt: "Wir hoffen, dass die Bands und Veranstalter adäquate Räumlichkeiten finden."

Damit spricht der bisherige Vermieter ein Problem an, das außer den "Lebenskünstlern" von Ars Vitae auch ein Dutzend Bands umtreibt, die im Untergeschoss der BAV Proberäume angemietet haben.

Im November hatten viele Musiker noch auf eine schnelle Lösung gehofft und mit der Stadt Auerbach Räume im Kino besichtigt. Doch die sind auf die Schnelle nicht nutzbar, schon gar nicht für so viele Musiker, sagt Bauamtsleiter Patrick Zschiesche. Zwar gibt es mit dem künftigen sozio-kulturellen Zentrum Beegerstraße 2 ein geeignetes Domizil, in dem Bands auch werden Proberäume anmieten können. Doch bis die Industriebrache ausgebaut ist, vergeht noch mindestens ein Jahr.

Ob die Bands ab Januar tatsächlich auf der Straße stehen, dazu halten sich alle Beteiligten bedeckt. Einige Musiker suchen bereits neue Proberäume, andere erweisen sich als "Lebenskünstler" - und warten einfach ab.

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