Auerbach 89: Ein Mahnmal verschwindet

Zeitreise Auerbach vor 30 Jahren: Ein Bundesbürger dokumentierte zufällig die Stadt in der Wendezeit. "Freie Presse" zeigt in Serie, was sich verändert hat. Heute: Vom Siegelohplatz zum Karl-Marx-Platz und zurück.

Auerbach.

Nichts erinnert heute mehr an das sowjetische Ehrenmal, dass sich zu DDR-Zeiten auf dem Auerbacher Siegelohplatz befand - zumindest fast nichts. Der ursprünglich aus Auerbach stammende Tino Leucht hatte die Gedenkstätte im Herbst 1989 fotografiert: Es gab einen großen Sowjetstern, einen Obelisken auf einem gepflasterten Platz, eine Mauer und Blumen. Heute stehen lediglich Reste der einstigen Umfassungsmauer mitten auf einer Wiese, die neuerdings im Interesse der Natur selten gemäht wird. Erkennen kann man den Ort nur noch an der Häuserzeile an der Kaiserstraße im Hintergrund - speziell am Gebäude des ehemaligen Hotels Kaiserhof an der Kreuzung Jahnstraße. Auch vom damaligen Baumbestand ist kaum etwas geblieben.

Die Bezeichnung "Siegeloh" ist viele Jahrhunderte alt und deutet offenbar darauf hin, dass sich an dieser Stelle einst ein Moorgebiet befand. In den Jahren vor dem 1. Weltkrieg wurde hier ein Park angelegt. In der DDR-Ära ersetzte man den altehrwürdigen Namen durch die Bezeichnung Karl-Marx-Platz. "Im Jahre 1975 wurden anlässlich des 30. Jahrestages des Sieges über den Nationalsozialismus die sterblichen Überreste von sowjetischen Zwangsarbeitern aus der benachbarten Kleinstadt Falkenstein nach Auerbach umgebettet", ist auf der Internet-Seite der Stiftung Sächsische Gedenkstätten zu lesen. "Ihre Urnen fanden neben den sterblichen Überresten von Rotarmisten und Zivilisten, die in Rodewisch und Plauen unter anderem an Tuberkulose im Lazarett verstorben waren, in einer Gedenkanlage unweit des Stadtzentrums eine würdige Ruhestatt." Und die befand sich auf dem damaligen Karl-Marx-Platz. Hier entstand demnach ein Mahnmal in Form einer im stumpfen Winkel angelegten Mauer mit einem großen Sowjetstern als Mittelpunkt. Davor ragte ein 3,50 Meter hoher, von einer Opferschale gekrönter Obelisk in die Höhe. "Ruhm und Ehre den Helden der Sowjetarmee" - so der Schriftzug.

Das Mahnmal ist demnach 1994 auf Veranlassung der damaligen Verantwortlichen der Stadt fast vollständig entfernt worden - bis auf die erwähnte Mauer, deren Reste noch in der Wiese stehen. "Die sterblichen Überreste der 53 an dieser Stelle beerdigten Toten wurden am 5. Mai 1995 auf den Friedhof der Stadt umgebettet", heißt es weiter. Dort stellte man einen Gedenkstein aus hellgrauem Granit mit einer Namenstafel von 18 der Toten auf. Dazu die Stiftung: "Die Namen der anderen namentlich bekannten Toten sind bedauerlicherweise auf keinem Grabstein zu finden."

Das neue Sammelgrab für die toten Sowjetbürger befindet sich in einer kleinen Wiesenanlage des Friedhofs unter einer Fichte. Es wird von einer Buchsbaumhecke eingefasst. 2001 wurde die Grabanlage grundlegend neu gestaltet. Man entfernte die Namenstafel und gravierte die Namen in den Gedenkstein selbst.

Der Siegelohplatz wurde 2009 komplett umgestaltet, ein Großteil des alten Baumbestandes musste unter anderem aus Sicherheitsgründen weichen, fast 40 Bäume wurden neu gepflanzt. Einige betagte Buchen und Linden konnten nach Protest aus der Bevölkerung stehen bleiben. Eine damals gerettete Buche muss nun doch weichen: Pilzbefall hatte ihre Wurzeln zerstört und sich bereits ins Holz gefressen - hier ist nichts mehr zu retten.

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