Auerbach dreht wieder die Zeit zurück

Zur Jubiläums-Ausgabe hat das traditionelle Fest am Wochenende weiter zugelegt. Diesmal war auch die neue Schlossarena Schauplatz. Sehr beliebt war ein Kuchen, wie es ihn vor 700 Jahren wohl schon gab - im Land von Graf Dracula.

Auerbach.

Mehrere Feste in einem, das gehört zu den Markenzeichen des Auerbacher Altmarktfestes. Am Wochenende war es wieder so weit. Zum 25. Mal steppte an jenem Ort, der der Sause seinen Namen gab, und an vielen anderen Innenstadt-Stellen drei Tage der sprichwörtliche Bär. Weil die Schlossarena dieses Jahr als Konzert-Austragungsort eingeweiht wurde, konnte das Fest einen Schauplatz dazugewinnen.

In punkto Zulauf zeigten sich Altmarkt, Neumarkt, Amts- und Nicolaistraße zumindest am Samstag zweigeteilt. Möglicherweise der Hitze geschuldet, waren Besucher nachmittags etwas dünner gesät. Dafür wurden am frühen Abend sogar Stehplätze knapp. Aber auch dann ging es wieder heiß her. Auf dem Altmarkt sorgten dafür Feuerspucker, "Bratereyen", Bäcker und Musiker mit mittelalterlichen Rhythmen. Zwischen Gauklern, Fakiren, Kunsthandwerkern, Kanonen- und Büchsenschützen, Händlern und allerlei Anlaufstellen, die fürs Nachfüllen verlorener Flüssigkeit gut gerüstet waren, brachten Gabriella und Thomas Csernus Baumkuchen unters "Volk".

Gewöhnlicher Schicht-Baumkuchen landete allerdings nicht in den Käufer-Tüten. Am Produkt der Bäckerfamilie aus Ungarn ist alles anders. Eigentlich müsste es Schornsteinkuchen heißen, sagte Thomas Csernus. Das komme dem Gebäck auch optisch viel näher. Denn es besteht aus einer dünnen Hefeteig-Spirale und ist innen hohl. In der Schoko-Variante ähnelt die Spezialität allerdings Baumrinde. So etwas habe es schon vor 700 Jahren gegeben, informierte Csernus neugierig gewordene Marktgäste. "Der Ursprung liegt in Transsilvanien. Dort, wo Dracula wohnt." Spaß hat und macht Csernus ständig - auch wenn die Temperatur am Holzkohlegrill jenseits der 50 Grad liegt. "Nur" von der Sonne mehr als gewünscht verwöhnt wurde Holzkunstwerker Jan Horovsky aus Tschechien. Er zeigte, was eine etwa 120 Jahre alte Drehbank drauf hat. Wer wollte, konnte das testen.

Ein paar Meter abseits vom heißen Altmarkt-Pflaster hatte der Skisportverein Auerbach seine Zelte und Schihütt'n aufgestellt. Dort ging es nicht weniger hoch her: bei Wettkämpfen und zünftiger Musik, unter anderem mit Matty Valentino, Partykönig aus Tirol. Wie es die Tradition will, stand auf dem Neumarkt ein weiteres stattliches Zelt, das zu späterer Stunde auch aus sämtlichen Nähten platzte. Dort reichte das Künstler-Aufgebot von Oliver Thomas über Hartmut Schulze Gerlach bis Westernhagen als Tribute-Show und das Musikangebot von Dixieland über Schalmeienklänge bis zum Schlager und Oldie. Das Schlossarena-Programm wurde endgültig allen Generationen gerecht. An zwei Tagen ließen es Karussell und Polkaholix krachen. Der Auftritt von Kerstin Ott ("Die immer lacht") fiel aber aus Krankheitsgründen aus, wie Stadtsprecher Hagen Hartwig informierte.

Auch das Feuerwerk zum Finale fehlte. Darauf verzichtete die Stadt zum ersten Mal in der Festgeschichte. "Gestern haben wir uns dagegen entschieden", sagte Kulturamtsleiter und Hauptorganisator René Tümpner am Freitag. Sicherheit gehe vor. Bis auf kleine Rangeleien sei es im Großen und Ganzen ruhig geblieben, teilte die Polizei am frühen Sonntagabend auf Anfrage mit.

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