Bahnhof Falkenstein: Schandfleck kann nun weg

Die alte Expedition wird abgerissen. Auf die Erlaubnis dafür hatten die neuen Eigentümer des Güterschuppens lange gewartet - nur so funktioniert ihr Konzept.

Falkenstein.

Seit langem bot das Gebäude der alten Expedition (Versandabteilung) am Falkensteiner Bahnhof einen jämmerlichen Anblick: Schon von weitem war das an mehreren Stellen eingebrochene Dach zu sehen. "Da war nichts mehr zu retten - 600.000 Euro hätten nach unserer Berechnung investiert werden müssen, und eine sinnvolle Nutzung hätte es nie gegeben", sagt Michael Lienemann.

Die von ihm und zwei Mitstreitern gegründete gemeinnützige GmbH hatte Ende 2017 den benachbarten Güterschuppen erworben und dabei automatisch auch die angebaute Expedition bekommen. Seitdem bauen die Enthusiasten den Güterschuppen aus - hier soll eine Oldtimer-Garage entstehen. Und seitdem versuchen sie, die Genehmigung für den Abriss der Expedition zu erhalten. Aus Denkmalschutzgründen wurde ihnen dieser bisher stets versagt - bis vor einigen Tagen doch noch die Genehmigung vom Landratsamt kam. "Wir haben sofort angefangen mit dem Abriss, bevor es sich jemand anders überlegt", sagt Lienemann. Den langen Widerstand der Denkmalschützer kann er nicht nachvollziehen: "Das ist ja keine alte Burg, sondern ein Bau aus der Gründerzeit."

Ohne den Abriss hätte das gesamte Konzept des Trios für die Oldimer-Garage nicht funktioniert: "Wir wollen ja hinten rein und vorne wieder herausfahren", erklärt Lienemann. "Sonst hätten wir mit den Fahrzeugen im Schuppen wenden müssen." Sobald der Schutt entfernt ist, soll mit dem Bau einer Einfahrt und eines Tores begonnen werden.

Aus Sicht des Friseurmeisters und Kommunalpolitikers zeigt das Beispiel der Expedition, dass im Denkmalschutz "vollkommen umgedacht" werden muss. Man könne alte Häuser nicht um jeden Preis erhalten, im Ernstfall müssten sie weichen, um neue Konzepte nicht zu behindern: "Das Problem gibt es in Falkenstein 100-fach, speziell mit denkmalgeschützten Eckhäusern."

Aus Sicht von Falkensteins Bürgermeister Marco Siegemund (CDU) ist der Abriss der Expedition "für das Stadtbild nicht schlecht" und werte das Bahnhofsgelände auf. Die Stadt ist Eigentümer des Empfangsgebäudes. Das kann erst entwidmet und anderweitig genutzt werden, wenn es eine neue Zuwegung zum Bahnsteig gibt. Und die soll zwischen Güterschuppen und Empfangsgebäude hindurchführen. Für das Projekt könne der Abbruch von Vorteil sein, hofft Siegemund.

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