"Ballastrevue" bringt zum Lachen und Nachdenken

Kabarett-Theater Die Herkuleskeule in Rodewisch

Rodewisch.

Was haben Kaufwahn und Klo-Schranken auf Autobahnraststätten gemeinsam? Beides bekommt im aktuellen Programm "Ballastrevue" vom Dresdner Kabarett-Theater Die Herkuleskeule sein Fett weg. Wie so vieles andere. Am Dienstag gastierten die drei Vollblut-Darsteller und zwei Musiker im Rodewischer Ratskellersaal. 165 Gäste ließen sich einladen. Gut zwei Stunden hatten sie ordentlich viel Spaß - und anschließend Gelegenheit zum Nachdenken.

Weil sie Polit-Kabarett machen, bedienten sich Birgit Schaller, Nancy Spiller und Hannes Sell in erster Linie aus dem Absurditäten-Fundus von Bundestag & Co. Auch die internationale Politik blieb nicht verschont. Mit scharfem, kritischem, provokantem Blick durch die Humorbrille betrachteten sie aktuelle Entwicklungen. Etwa Frauen an der (Beinahe)-Macht. Frauen wie Angela Merkel und Ursula von der Leyen. Unterscheidet sich deren Führungsstil wirklich so sehr von demjenigen der Männer? Die Antwort fiel nüchtern aus. Jedenfalls bekamen sie eher schlechte Noten.

Egal welche Aufreger die Kabarettisten nicht nur stimmlich, sondern oft auch mit vollem Körpereinsatz anpackten, sie nahmen weder ein Blatt vor den Mund noch verspürten sie den Drang, sich zu verbiegen. Oder einen Bogen um richtig heiße Eisen zu schlagen. Auch dann nicht, wenn Zuwanderung oder Islam zur Sprache kamen. "Vielleicht sollte man lieber nach Gemeinsamkeiten suchen...", schlug Nancy Spiller vorsichtig vor. Die Frage blieb letztendlich im Raum stehen. Und dann drehten sie den Spieß um: Was, wenn die Deutschen fliehen müssten - vor einem Krieg in Europa? Man gab Tipps mit auf den Weg. Wie man sich beim Durchschwimmen des Mittelmeers verhalten sollte und sich der arabischen Leitkultur bemächtigt.

Die jüngste Zeit hat ganz offensichtlich viele "gefundene Fressen" zu bieten. Und die Gesellschaft etliche Spiegel, die ihr vorgehalten werden können. Demokratieverständnis, Rechtsruck, Plastikmüll-Schwemme. Und Angst. "Angst hatten wird doch eigentlich immer schon", meinte Hannes Sell. Und Nancy Spiller: "Wir sind mit unserer Angst beschäftigt und kriegen gar nichts mit." Jedenfalls nicht von dem, was "oben" vor sich gehe. Hinter Kabinettstüren. Zum Beispiel die Planung von Kriegseinsätzen.

Seit der Premiere im Februar 2017 touren Birgit Schaller, Nancy Spiller, Hannes Sell und ihre musikalischen Begleiter Jens Wagner und Volker Fiebig mit "Ballastrevue" durchs Land. Der Titel stellt eine Art Hommage dar: an den Umzug der Herkuleskeule vom Dresdner Sternplatz in den Kulturpalast vor anderthalb Jahren.

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