Barrieretester geben Händlern Tipps

Viele Geschäftsleute der Innenstadt haben sich längst Gedanken über Behindertenfreundlichkeit gemacht. Jetzt soll dies auch von außen erkennbar werden.

Auerbach.

Die kleine Rampe hat Birgit Hundts Mann selbst angefertigt - bei Bedarf wird das Teil schnell vor die Stufe von Hundts Buchhandlung "Leseinsel" am Auerbacher Neumarkt gelegt, dann können auch Rollstuhlfahrer ohne Problem hinein.

Derartige flexible Barrierefreiheit gibt es nach Angaben von Margita Bischof vom Netzwerk Inklusion in zahlreichen Geschäften der Innenstadt: "Das weiß nur leider keiner." Ein dauerhafter Abbau von Stufen ist erstens teuer und zweitens nur in Absprache mit dem Hauseigentümer möglich, die tragbaren Rampen sind da eine einfache Lösung. Jetzt kann Behindertenfreundlichkeit auch von außen sichtbar gemacht werden: In Zusammenarbeit mit Citymanager Uwe Prenzel hat Bischof einen Aufkleber entwickelt, der nach entsprechender "Prüfung" ans Schaufenster gepappt werden kann.

Die Plauenerin ist als Koordinatorin des Inklusions-Netzwerks der Diakonie zuständig für das Projekt "Barrieretester", das noch zwei Jahre läuft. Dabei ist die Zugänglichkeit und Befahrbarkeit für Rollstuhlfahrer nur ein Punkt von vielen, der per Fragen-Katalog abgearbeitet wird. Da geht es zum Beispiel auch darum, ob eine Lesebrille für Sehschwache im Laden vorhanden ist (in der Leseinsel schon lange). Oder ob der Preis an der Kasse gut zu lesen ist - wichtig für Schwerhörige. "Es geht uns darum, Geschäftsleute in Sachen Barrierefreiheit zu ermutigen und zum Nachdenken anzuregen", sagt Margita Bischof. "Wenn man selbst nicht betroffen ist, denkt man an vieles gar nicht." Und oft lasse sich schon mit einfachen Mitteln eine deutliche Verbesserung erzielen. Mit einem Team von Menschen mit verschiedenen Behinderungen besucht sie nicht nur Läden und Märkte, sondern auch öffentliche Einrichtungen wie Museen, Büchereien oder die Sternwarte Rodewisch: "Immer nach Voranmeldung."

Am Montag statteten die Tester außer der "Leseinsel" auch der Fleischerei Schneider und dem Medimax-Markt eine Visite ab. Die Fleischerei ist schon seit einiger Zeit über eine Rampe zugänglich. Medimax ist laut Margita Bischof ohnehin schon ein "Mercedes der Barrierefreiheit" in Auerbach: Die Türen öffnen automatisch, die Gänge sind extrabreit, ein Fahrstuhl führt nach oben. Trotzdem konnte das Team dem Inhaber Matthias Richter auch Tipps geben: Noch gibt es keine offiziell ausgewiesenen Behindertenparkplätze vor dem Markt. Und die Info-Schilder etwa an Fernsehern sind derart klein beschriftet, dass eine Lesebrille hier auch schon ohne Sehschwäche sinnvoll wäre. Das allerwichtigste ist bei Medimax allerdings gegeben: "Es gibt immer jemanden, der hilft", verspricht Matthias Richter.

Dies ist laut Test auch bei der Volksbank am Altmarkt der Fall, wo allerdings auch die Grenzen des Engagements von Firmen sichtbar werden: Seit Kurzem gibt es eine Rampe, die hinauf zur Filiale führt und per Rollstuhl befahrbar ist. "Allerdings sind die Steine des Pflasters unmittelbar davor so weit voneinander entfernt, dass der Rollstuhl der Testerin dazwischen stecken geblieben ist", berichtet Margita Bischof. "Die Rampe ist zwar sehr schön, aber für Rollstuhlfahrer ohne Hilfe gar nicht zu erreichen."

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