Baustellenstreit endet blutig

Das Verfahren wird trotzdem vorläufig eingestellt, die Beteiligten sollen Gelegenheit zur friedlichen Einigung bekommen.

Auerbach/Neumark.

An einem Märztag 2020 ging es hitzig zu auf einer Straßenbaustelle in Neumark: Ein Autofahrer (59) aus Lengenfeld wollte trotz Vollsperrung durchfahren, ein Bauarbeiter (48) stellte ihn zur Rede. Am Mittwoch trafen sich beide vor dem Amtsgericht Auerbach wieder - in zwei Verfahren, die nacheinander verhandelt wurden. Die Staatsanwaltschaft hatte gegen beide Männer Anklage erhoben: Gegen den Autofahrer wegen fahrlässiger Körperverletzung, gegen den Arbeiter wegen gefährlicher Körperverletzung. Zu den Verfahren kam es nur, weil beide Beteiligte Einspruch gegen Strafbefehle erhoben.

Was beim Aufeinandertreffen der Männer genau geschah, das bleibt auch nach dem Prozess unklar. Sicher ist: Der Autofahrer hatte anschließend eine blutige Nase, und zwar durch den Kontakt mit einer Spraydose, die der Bauarbeiter zuvor in der Hand hielt.

Wie das Teil ins Gesicht des 59-Jährigen geriet, dazu gibt es verschiedene Versionen. Der Arbeiter erzählte, er habe sich am Auto festhalten wollen, als dessen Fahrer plötzlich Gas gab und ihm über den Fuß rollte. Dabei sei die Dose irgendwie durchs Beifahrerfenster ins Innere des Wagens gekommen und vermutlich mit der Nase kollidiert - ganz ohne Absicht. Der Autofahrer erklärte, der Kontrahent habe ihm die Dose ins Gesicht geworfen. Er bestritt seinerseits vehement, dass er dem Bauarbeiter über den Fuß gefahren sei. Sicher ist: Dieser erlitt laut ärztlicher Bescheinigung an besagtem Tag eine Prellung des Mittelfußknochens und war zwei Wochen arbeitsunfähig.

Da das Ganze doch glimpflich ausging, sah Richter Stefan Schubert "keine zwingende Notwendigkeit", zu einem Urteil zu kommen: Beide Beteiligte hätten Fehler begangen. Mit Billigung von Staatsanwalt und Verteidigung stellte er das Verfahren vorläufig ein. Endgültig eingestellt wird es, sobald sich die Streithähne bei einem Täter-Opfer-Ausgleich friedlich verständigen.

30 Tage für 20,99€ 0€ testen
Testen Sie die digitale Freie Presse unverbindlich.
Erhalten Sie Zugriff auf alle Inhalte auf freiepresse.de
(inkl. FP+ und E-Paper). (endet automatisch)
 
30 Tage für 20,99€ 0€ testen
Zugriff auf alle Inhalte auf freiepresse.de und E-Paper. (endet automatisch)
Jetzt 0€ statt 20,99 €
00 Kommentare
Um zu kommentieren, müssen Sie angemeldet und Inhaber eines Abonnements sein.