Begegnung auf Augenhöhe

Die Marien-Oberschule hat Besuch vom Jugendblasorchester aus Treuens Partnerstadt Dettenhausen bekommen. Mit der Schülerbegegnung zwischen Ost und West soll die Städtepartnerschaft wiederbelebt werden.

Treuen.

Tiere in der Schule? Rennmäuse, Fauchkakerlaken, Mangrovenkrabben? Die jungen Gäste aus Baden-Württemberg staunen bei ihrem Rundgang durch die Treuener Marien-Oberschule nicht schlecht. Gibt es bei uns weder im Bio-Unterricht noch für das Ganztagsangebot, sagen sie und würden bei den Tierchen, die in großen Terrarien und Aquarien untergebracht sind, am liebsten einen längeren Stopp einlegen. Das erlaubt der Zeitplan aber nicht. Ganze fünf Stunden können sich die 24 Mädchen und Jungen vom Jugendblasorchester Dettenhausen und ihre zwölf erwachsenen Begleiter für den Rundgang inklusive Mini-Konzert Zeit nehmen. Später am Freitag ist das Deutsch-deutsche Museum Mödlareuth dran, am Samstag der Musikinstrumentenbau in Markneukirchen, am Sonntag geht es heimwärts.

Vier Tage bleiben die Bläser auf Einladung der Stadt Treuen im Vogtland. Zwischen beiden Kommunen war Anfang der 1990er Jahre eine Partnerschaft besiegelt worden. Viele Jahre ließ man dann wechselseitig nichts mehr von sich hören. Jetzt also der Neuanfang. Ursprünglich wollten die Dettenhausener zur Kirmes vorbeischauen. Ferien- und Urlaubszeit kamen dazwischen. Was sich anbot, war der Tag nach dem Mauerfall-Jubiläum. "Ehrlich gesagt, habe ich darüber gar nicht nachgedacht", sagte Alexander Hasel vom Jugendblasorchester. Die Wendezeit spielt in seiner Heimat kaum eine Rolle. Ganz junge Menschen würden zwischen Ost und West gar nicht mehr unterscheiden. "Sie haben sich einfach drauf gefreut", sagte der 2. Vereinsvorstand. Zehn bis 16 Jahre jung sind die Bläser.

Ins Staunen geriet gestern auch Eric Rosengart. Der Lehrer begleitete er eine kleine Gästegruppe von Klassenzimmer zu Klassenzimmer. "Ich denke, das ist auch für unsere Schüler ein ganz besonderes Ereignis und eine Bereicherung", sagte er. "Mir ist aufgefallen, wie sie sofort miteinander über alltägliche Dinge ins Gespräch kommen und ohne Vorurteile kommunizieren."

Zu jenen alltäglichen Dingen gehörte auch das Unterrichtspensum. In Dettenhausen endet es freitags erst nach der achten Stunde - mit Physik. So etwas kennen die Treuener nicht. Im Gegensatz zu den Baden-Württembergern sind ihnen so genannte DaZ-Klassen vertraut, in denen überwiegende geflüchtete Kinder für den regulären Schulbesuch fit gemacht werden.

Levin und Leonie wanderten mit den Gästen durchs Schulhaus. "Ich finde das interessant und die Sprache sehr cool", schilderte Levin seine Eindrücke. Leonie ergänzte: "Sie machen einen netten Eindruck und sind sehr höflich." Auch beim Jugendblasorchester werden Sprachunterschiede in Erinnerung bleiben. "Der vogtländische Akzent ist lustig", sagte Sarah. Haley fiel noch etwas auf. "Die Häuser sehen hier anders aus", sagte sie. "Sie sind älter und schöner."

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