Begeisterung für Schäferhunde führt Westfalen ins Vogtland

Sie leben erst seit drei Jahren in Grünbach - und zählen inzwischen doch schon zu den bekanntesten Einwohnern des Ortes. An der Sprache müssen sie noch arbeiten.

Grünbach.

Sie seien "schnell reingekommen", sagen Klaus (65) und Veronika Linnemann (62) über ihre neue Heimat Grünbach: Man habe viele Bekanntschaften geknüpft und Freunde gefunden. Ein Wunder ist das nicht, schließlich engagieren sich die Eheleute stärker als alle Alteingesessenen in der von ihnen mitbegründeten Bürgerinitiative Grünbach. Die setzt sich dafür ein, dass das geplante neue 110-KV-Stromkabel nicht oberirdisch verläuft, sondern als Erdkabel verlegt wird. Die BI hat ein Eilverfahren in der Sache angestrengt, Linnemanns treten als Beschwerdeführer auf, stellvertretend für 1800 Betroffene im Ort. Damit tragen sie auch das finanzielle Risiko.

Seinen Ruhestand hatte sich das Paar aus dem westfälischen Münster etwas anders vorgestellt. Dass es sie überhaupt ins Vogtland verschlagen hat, hängt mit der Hunde-Begeisterung der gelernten Bankkaufleute zusammen. Schon seitdem sie 15 ist, befasst sich Veronika Linnemann mit Schäferhund-Zucht und Hundesport. In der DDR waren spezielle Schäferhund-Zuchtlinien mit geradem Rücken erhalten geblieben, dadurch war der Osten für die Züchter aus Münster interessant. Und sie machten gerne Wander-Urlaub in bewaldeten Mittelgebirgen. "So kam es zu Kontakten zum Hundesportplatz am Galgenberg in Plauen, es entwickelten sich Freundschaften", berichtet Veronika Linnemann. Und es entstand die Idee, im Ruhestand ins Vogtland zu ziehen.


Zwei Jahre lang suchten die Eheleute eine Immobilie im Umkreis von 20 Kilometern um Plauen. Und wurden schließlich an der Muldenberger Straße in Grünbach fündig. 2015 kauften sie, 2016 zogen sie ein. Das Häuschen habe eine gute Bausubstanz, das Grundstück sei schön flach, Allgemeinmediziner, Zahnarzt und zwei Bäcker gebe es im Ort ebenso wie Betreutes Wohnen - daran müsse man ja auch rechtzeitig denken. "Zum Einkaufen ist man schnell in Falkenstein oder Auerbach, und mit den drei Hunden können wir direkt in den Wald - was will man mehr!", meint Klaus Linnemann. Klar, mit der vogtländischen Mundart sei es am Anfang nicht ganz leicht gewesen, gesteht Veronika Linnemann: "Aber inzwischen verstehen wir fast alles. Und wenn nicht, ist immer jemand zum Übersetzen da." Ihren Vorgarten haben sie mit Holzskulpturen geschmückt, die sie nach dem Kettensägen-Wettbewerb ("Speed Carving") im Nordic Camp erworben haben.

In Grünbach fühlen sich die Westfalen wohl. Noch wohler wäre ihnen natürlich, wenn sie den Kampf um die Erdverkabelung schon gewonnen hätten. Bis gestern waren Einwände gegen die 2. Planänderung möglich. Linnemanns bleiben dran.

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