Beobachtungssaison startet mit Technik-Sprung

Der neue Star in der Rodewischer Sternwarte: das Großfernglas "Omegon Nightstar". Über 200 Gäste haben am Freitag damit einen Blick in den sternenklaren Himmel gewagt.

Rodewisch.

Die Zeit, in denen sich die Augen beim technikgestützten Blick in den Sternhimmel an andere Bedingungen gewöhnen müssen, sind für Besucher und Personal der Rodewischer Sternwarte vorbei: kein Kopf stehendes Bild mehr und kein einäugiges Sehen. Jedenfalls dann, wenn das frisch angeschaffte Teleskop eingesetzt wird. Zur Eröffnung einer neuen Beobachtungssaison am Freitagabend mit Planetariumsprogrammen und Vorträgen feierte es seinen Einstand. Viele wollten das neue Großfernglas testen. Hausherr Olaf Graf schätzte die Gästezahl auf weit mehr als 200.

Das Wetter zeigte sich kooperativ: Nacheinander tauchten Saturn, Jupiter, die Heimatgalaxie und andere Objekte auf. "Vielleicht kriegen wir heute M57 zu Gesicht", so Graf. "Das ist ein planetarischer Nebel. Der Rest von einem Stern, der sein Lebensende erreicht hat." Auch auf M13 hoffte er. Dabei handele es sich um einen Kugelsternhaufen, so der Sternwartenleiter. Und "eine der ältesten Sternenversammlungen, die man am Himmel hat".

Wo andere Teleskope passen müssen, kann das Omegon Nightstar mit seiner 20- bis 40-fachen Vergrößerung und 560 Millimeter Brennweite anknüpfen. Zu seinen Stärken gehört es, ausgedehnte Objekte näherzubringen. Galaxien wie Andromeda lassen sich also gut beobachten, auch die Milchstraße. Ein ausgesprochen dankbares Motiv ist Olaf Graf zufolge der Erdtrabant. Per Blick ins Großfernglas könne man "über den Mond richtig spazieren gehen", schwärmte er. Aber dem Gerät sind auch Grenzen gesetzt. Etwa bei lichtschwachen Himmelsobjekten und Versuchen, in die Tiefen des Universums einzutauchen. Dafür müssen Sternwartenbesucher ihre Augen nicht "verrenken". Aufgrund der beidäugigen Beobachtung und des aufrecht stehenden Bildes komme das Fernglas normalen Sehgewohnheiten entgegen, sagte Graf.

Etwa 2000 Euro hat das Gerät gekostet. Weil die Sternwarte eine städtische Einrichtung ist, kam die Kommune für die Kosten auf. Davon profitieren werden Besucher freitäglicher Beobachtungen, Schulklassen und die donnerstags anwesende Astronomie AG vom Rodewischer Pestalozzi-Gymnasium. Ian Reißmann ist einer von 15 AG-Besuchern. Er freute sich über neue Türen, die das Großfernglas öffnet. Der Siebtklässler verspricht sich bessere Einblicke in das Planetensystem. Martin Voigt schaut sich jetzt vom Sternwartendach auch gerne mal das eine oder andere Flugzeug aus der "Nähe" an. Er besucht den Astronomiekurs am Gymnasium. Gewählt hat ihn der Elftklässler, "weil es da draußen noch sehr viel Unerforschtes gibt" und "man Dinge weiß, die andere nicht wissen".

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