Besuch im "Wohnzimmer" der Bienen

Das Falkensteiner Begegnungszentrum "Vitamin B" verlegt sein Ferienprogramm großenteils nach draußen. In Oberlauterbach stand eine Insektenart im Mittelpunkt.

Oberlauterbach.

Guck mal, wer da wuselt: Interessiert beobachten sieben Zwei- bis Achtklässler das Kommen und Gehen am Wildbienen-Hotel. Die tierische Unterkunft ist Teil des Bienenlehrpfades im Oberlauterbacher Natur- und Umweltzentrum Vogtland (NUZ). Reiner Tschaschke steht unmittelbar daneben, die Besuchergruppe vom Falkensteiner Begegnungszentrum "Vitamin B" ein paar Schritte entfernt. Eigentlich sind Honigbienen sein Metier. Davon gibt es 14 Völker im NUZ-Gelände. Aber der Hobby-Imker kennt sich auch mit ihren wilden Verwandten aus.

400 verschiedene Wildbienenarten gibt es allein in Sachsen. Die Schüler staunten, als die Zahl zur Sprache kam. Auch mit dem Lebenswandel jener Unterart waren sie bis dahin nicht wirklich vertraut. "Wildbienen wohnen einzeln", erzählte Reiner Tschaschke. Das heißt: Es werden weder Staaten gebildet noch kennen diese Insekten Königinnen. Anders sei das bei Honigbienen. Und bei Hummeln. "Die gehören auch zu den Bienen", so der Fachmann. Ihre Staaten können pro Stück bis zu 200 Einwohner haben. Dann wird Tschaschke mit einer spannenden Frage konfrontiert: "Darf man Hummeln streicheln?", will ein Mädchen wissen. "Ja, schon", antwortet Reiner Tschaschke. Allerdings mit Vorsicht: "Sie können beißen und stechen. Das machen sie zwar ganz selten. Aber zum Beispiel dann, wenn sie festgehalten werden." Deshalb der Rat des Experten: Am besten in Ruhe lassen und nicht hektisch werden.

Eine gute Stunde erklärte der NUZ-Mitarbeiter, wie das Bienenleben abläuft, die Honigproduktion vonstatten geht und moderne Imkerei im Gegensatz zu früher aussieht. Honigbienen konnten die Gäste ganz nahe kommen - mit einer Plexiglasscheibe zwischen Gesichtern und "Wohnzimmer" der sammelfreudigen Insekten. "Honig ist eigentlich ihr Winterfutter", sagte Reiner Tschaschke. "Sie kriegen dafür etwas anderes von uns: Traubenzuckerlösung, die genauso wertvoll ist." Mit der Winterfütterung geht es in spätestens drei Wochen los. Dann ist für seine Schützlinge und ihre Artgenossen die Sammel-Saison vorbei.

Das Bienenlehrpfad-Projekt gehört seit fast zehn Jahren zum NUZ-Bildungsprogramm. In Anspruch genommen wird es hauptsächlich von Schulklassen. Zwar kooperiert das Begegnungszentrum öfter mit dem NUZ, trotzdem ist auf dem Bienenlehrpfad bislang noch niemand gewandelt. Diesmal bot es sich an, denn ein Ferienprogramm-Thema ist die Natur. "Das hängt mit Corona zusammen, weil wir vieles draußen machen müssen", sagte Mitarbeiterin Rebecca Paulus. "Wir sind aber von Haus aus auch darauf bedacht, zu den einfachen Dingen zurückzukehren."

Service Das Falkensteiner Begegnungszentrum "Vitamin B" ist montags bis freitags von 9 bis 15 Uhr geöffnet. Nächste Woche steht das Ferienprogramm unter dem Motto "Meer". Weitere Informationen zum Programm und zur Teilnahme gibt es unter Telefon 03745 749553.

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