Betreuer stört sich am Digitalkanal des Jobcenters

Kunden nutzen vermehrt Online-Zugang - Kosten im Regelsatz eingepreist

Auerbach/Plauen.

Thomas Höllrich ist in Reichenbach als selbstständiger Berufsbetreuer tätig. Er kümmert sich um zirka 40 körperlich, geistig oder seelisch behinderte und psychisch kranke Menschen. Mit "einer gewissen Überraschung" hat er jetzt für seine Betreuten vom Jobcenter als Anlage zum Antrag auf Arbeitslosengeld II eine Werbung für das Jobcenter.digital erhalten. Überschrift: "Porto bei Anträgen sparen? Kannste klicken!" Höllrich, der für Die Linke im Kreistag und im Stadtrat sitzt, kritisiert: "Der derzeitige Hartz-IV-Satz deckt die Internetkosten nicht ab."

Martina Kober, Geschäftsführerin des Jobcenters Vogtland, bestreitet das. Im zum 1. Januar 2021 angepassten Regelbedarf in der Grundsicherung seien für einen Einpersonenhaushalt 39,88 Euro für Post- und Telekommunikation enthalten. Darunter fallen Kosten für Post, Festnetz-, Internet- und Handygebühren. In der Tat werden jetzt erstmals auch Handykosten bei der Herleitung der Hartz-IV-Sätze berücksichtigt. "Stand November 2020 nutzen bereits 4,4 Prozent unserer Kunden die Onlineform, um ihren Weiterbewilligungsantrag zu stellen, und 10,2 Prozent unserer Kunden teilen ihre Veränderungen über dieses Portal mit - Tendenz steigend", erklärt Kober.

Im Jobcenter wurde bereits 2017 die eAkte eingeführt. Mit dem Start von jobcenter.digital im Jahr 2019 sei den Kunden des Jobcenters ein Online-Zugangskanal zur Verfügung gestellt worden. Damit könnten sie Zeit, Porto und auch Fahrtkosten sparen, "da nicht bei jeder Antragstellung oder Veränderungsmeldung der persönliche Weg zum Jobcenter erforderlich ist". Ein Vorteil gerade in der Corona-Pandemie. Die Hygienestandards erlauben aktuell nur terminierte persönliche Kontakte. Informationen, die an sieben Tagen pro Woche rund um die Uhr eintreffen, können zudem sofort bearbeitet werden. Eine Verpflichtung zur Nutzung bestehe indes nicht. "Wer weiterhin in Papierform den Antrag stellen oder Veränderungen mitteilen will, kann dieses selbstverständlich tun", so Kober.

Thomas Höllrich hält an seiner Kritik fest. "Die Sätze für Hartz IV und Grundsicherung reichen nicht aus. Selbst sparsame Menschen kommen mit dem Geld nicht hin". Schon ein ordentlicher Wlan-Anschluss sei teurer als das, was der Regelsatz zugestehe.

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11 Kommentare
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  • 3
    1
    DerKuckuck
    13.01.2021

    So ein Käse.... 39,88€ für eine Person ist schon ganz fürstlich. Stellt euch vor ich Depp konnte.mir mit Arbeit damals nur 30€ erlauben.
    20€ für nen brauchbaren DSLer und 10€ fürn Prepaid bei nem x-beliebigen Anbieter gibts auch heute noch. Warum reichen 40€ nicht aus? Fürn 10er krieg ich sogar schon LTE Mobifunk.