Birkhuhnzoff: Waldschützer kritisieren Naturschützer

Geforderte Flächen für seltenen Vogel könnten nur grenzüberschreitend gelten

Auerbach/Markkleeberg.

Nachdem sich zwischen Naturschützern und Umweltministerium eine Einigung im Streit um Sachsens Birkhuhnschutzprogramm abzeichnete, fordert nun der Landesverband der Schutzgemeinschaft Deutscher Wald eine grenzüberschreitende Zusammenarbeit beim Birkhuhnschutz. Für den gleichzeitigen Walderhalt sei dies unabdingbar, heißt es in einer Mitteilung des Verbandes, der in Markleeberg sitzt. Gleichzeitig kritisieren die Waldschützer die Flächenforderungen der Naturschützer in dem Zusammenhang.

Die Details des Artenschutzprogrammes sind noch nicht öffentlich, die Initiative Birkhuhnschutz, zu der der Auerbacher Ornithologe Michael Thoß zählt, und das Ministerium in Dresden hatten Anfang Juli jedoch bestätigt, dass man sich im Grundsatz nun geeinigt habe. Demnach soll der Sachsenforst 730 Hektar Wald für den unmittelbaren Birkhuhnschutz abtreten. Weitere 1000 Hektar angrenzende Flächen sollen birkhuhnfreundlich gestaltet werden, hatte die Initiative gegenüber "Freie Presse" erklärt.


Sollten diese Flächengrößen alleine auf sächsischer Seite umgesetzt werden, würde das einen dauerhaften Waldflächenverlust bedeuten, warnt die sächsische Schutzgemeinschaft Deutscher Wald. Das widerspreche der Waldstrategie des Freistaates, weshalb die "singuläre Birkhuhnaktion auf sächsischer Seite" als "fragwürdig" und unter Abwägung der ökologischen Vor- und Nachteile "äußerst kritisch" einzuschätzen sei.

Die Birkhuhnbestände in den vier Vogelschutzgebieten der erzgebirgisch-vogtländischen Kammregionen waren dramatisch geschrumpft - auf insgesamt 30 Exemplare. Parallel wurde seit Jahren um ein Artenschutzprogramm gerungen und dem Sachsenforst als dem Umweltministerium untergeordnete Behörde vorgeworfen, dies zu verhindern. Das Problem: Birkhühner brauchen lichte Flächen. Die Naturschützer hatten daraufhin gedroht, den europaweit vorgeschriebenen Schutz des Birkhuhnes notfalls über Brüssel durchzusetzen.

Die Waldschützer kontern, dass auf tschechischer Seite im Kammgebiet weitere 350 Birkhühner gezählt würden und der Schutz deshalb grenzübergreifend geplant werden müsste.

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1Kommentare

Die Diskussion wurde geschlossen.

  • 3
    0
    Tauchsieder
    30.07.2019

    Hier trifft Wissen auf Unkenntnis.
    Nochmal so viel Fläche auf tschechischer Seite und dann wird ein Schuh draus, so müsste die Forderung heißen.
    Mit diesen Äußerungen und Forderungen haben sich die angeblichen Waldschützer selbst ins Abseits geschossen. Zum Glück schafft der Borkenkäfer jetzt genug Platz für diese Vogelart. Dieser Käfer wäre der natürlichen Ansprechpartner für die Waldschützer und nicht das Birkhuhn.



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