Blick aus Hotelfenster in Dubai: Vogtländer erleben Alptraum

Baustellenflair und Ramadan haben einer Seniorengruppe aus dem Göltzschtal den Urlaub im Wüstenstaat gründlich vergällt. Es drohte sogar die Abschiebung.

Auerbach/Falkenstein.

Heike Teubner hat in 25 Jahren zahllose Beschwerden zum Thema Urlaub erlebt: "An eine so extreme Häufung von Mängeln kann ich mich aber nicht erinnern", sagt Auerbachs Chef-Verbraucherschützerin über ihren neuesten Fall. Es geht um den erhofften Traumurlaub einer Seniorengruppe aus dem Göltzschtal, der sich im Mai schnell zum Alptraum entwickelte. Sechs befreundete Frauen und ein Ehepaar aus Auerbach, Falkenstein und Lengenfeld waren nach Dubai geflogen. Dass um diese Zeit gerade Ramadan ist, erfuhren sie erst nach der Buchung - doch so problematisch sei das nicht, hieß es. Das stimmte nicht.

Der erste Schock hatte noch nichts mit Ramadan zu tun: Das Hotel, in dem die Gruppe einzog, lag inmitten einer Baustelle. "Man musste durch den Dreck, um hinzukommen, es gab keinen anderen Weg", so eine Teilnehmerin. Und gearbeitet worden sei rund um die Uhr, selbst nachts und am Wochenende: "Die Arbeiter taten uns richtig leid, die waren fix und fertig." Baulärm und Staub ließen kein Urlaubsgefühl aufkommen. Dabei sei das Hotel an sich schön gewesen und das Personal freundlich.

Die nächste Riesen-Enttäuschung war der Strand - etwa zehn Kilometer entfernt und nur per Shuttlebus erreichbar. "Da war absolut nichts - kein Sonnenschirm, keine Liege, nur Sand", schildern die Urlauber und präsentieren entsprechende Fotos. "Und das bei über 40 Grad Celsius!" Die Gruppe suchte Schutz im Schatten von Betonteilen - weg konnte man auch nicht, denn der Shuttle-Bus fuhr nur einmal am Nachmittag zurück. Am Strand knabberten die Vogtländer Kekse, und wurden prompt von anderen Touristen gewarnt: Das könne gefährlich sein, im Ramadan dürfe man tagsüber weder essen noch trinken, und Polizei sei in der Nähe.

Tatsächlich gab es später einen Vorfall an der Hotel-Lobby: Als eine Vogtländerin dort einen Schluck aus ihrer Wasserflasche nehmen wollte, wurde ihr dies nach ihren Worten barsch verboten: "Sonst würde man die Polizei holen und ich könnte sofort abgeschoben werden."

Immerhin war im Speisesaal das Essen und Trinken auch am Tag erlaubt. Allerdings seien die Speisen äußerst fad und eintönig gewesen, zum Beispiel eine Sorte Wurst und eine Sorte Käse, und davon noch zu wenig. Alkohol gab es ohnehin nicht. "Wir haben uns dann draußen in einem Laden für die Bauarbeiter ein Eis gekauft und uns damit in einer Ecke versteckt - wir kamen uns vor wie Verbrecher."

Notgedrungen machten die Vogtländer das Beste aus dem verpfuschten Urlaub und ließen sich ab sofort per Sammeltaxi an ordentlich ausgestattete Strände fahren - natürlich gegen Extra-Entgelt. Schon vor Ort beschwerten sie sich und bekamen inzwischen zehn Prozent vom Reiseanbieter erstattet. Das reicht ihnen nicht, und Verbraucherschützerin Teubner will sie dabei unterstützen, eine wesentlich höhere Entschädigung durchzusetzen. "Es gibt Gerichtsurteile, nach denen hier durchaus 58 Prozent gerechtfertigt sind", sagt Heike Teubner.

Vom Reiseanbieter war gestern noch keine Stellungnahme zu bekommen - man müsse sich erst in die Materie einarbeiten, hieß es.

Bewertung des Artikels: Ø 4 Sterne bei 2 Bewertungen
4Kommentare
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  • 3
    1
    Hinterfragt
    30.08.2018

    "...Die nächste Riesen-Enttäuschung war der Strand ... Da war absolut nichts - kein Sonnenschirm, keine Liege, nur Sand..."
    Für alle, die es nicht wissen, das nennt man Strand!

    Man sollte sich halt vorher GENAU über sein Reiseziel informieren.

    "Als eine Vogtländerin dort einen Schluck aus ihrer Wasserflasche nehmen wollte, wurde ihr dies nach ihren Worten barsch verboten: "Sonst würde man die Polizei holen und ich könnte >>>> sofort abgeschoben werden

  • 6
    2
    Tauchsieder
    30.08.2018

    Warum in die Ferne schweifen denn die "Guten" sind so nah.

  • 16
    2
    UK13
    30.08.2018

    Nun ja,wer sich erst nach Buchung der Reise über die Verhältnisse im Land informiert ist -sorry- selbst Schuld.Die Zeiten des Ramadan sind überall in Erfahrung zu bringen.Die Lage des Hotels läßt sich leicht bei GoogleMaps herausfinden.Taxis in Dubai sind spottbillig und bringen den Touristen sicher und vollklimatisiert an jeden Ort der Stadt.Die Reisezeit Mai gehört schon eher in den Sommer von Dubai und man muß sich nicht über die klimatischen Verhältnisse beschweren.Logisch das die Angebote entsprechend günstig sind.Dubai ist seit Jahren eine Baustelle,bei jedem meiner Besuche hatte die Stadt sich verändert.Es gibt tolle öffentliche Strände mit Top-Ausstattung und allem was notwendig ist .Kilometerlange Flaniermeilen am Strand,Restaurants etc.Aber für z.Bsp.399,00€ ist nun mal nichts anderes zu bekommen,jedenfalls nicht in Dubai.....

  • 15
    2
    Täglichleser
    30.08.2018

    Also Mitleid habe ich mich dieser Seniorengruppe nicht.
    Vielleicht war es noch eine 5-Tage-Reise.
    Da kann man nur sagen: Ihr habt nichts für
    die Umwelt übrig. Denkt nicht an die
    Euch nachfolgenden Generationen.
    Nur um Reichtum zu begucken. Schief gegangen. Es ist beschämend noch nie über dieses Reiseziel nachgedacht zu haben. Als alter reifer Mensch. Dort gibt es noch keine Gleichberechtigung zwischen Mann und Frau. Militärmacht. Grösster Waffenimporteur. Sklavenartige Arbeitsverhältnisse von Arbeitsimigranten.
    Interessiert nicht. Ihr lest keine Zeitung. Stimmt's? Bitte keine Rabatte. Strafe muss sein.
    SZ: Mit einer herausragenden Skyline kann Dubai bei Touristen punkten. Eher verborgen bleibt dem Großteil der Weltöffentlichkeit, dass das Land mit seinen Soldaten in fast allen Krisenherden der Region involviert .



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