Blick ins geheime Leben der Wildbienen

Sie stehen stets im Schatten der Honigbienen - und sind doch für Mensch und Natur mindestens genauso wichtig. Um diese nicht domestizierten Bienen und andere Insekten geht es demnächst im Natur- und Umweltzentrum.

Oberlauterbach.

Mit einem leeren Schneckenhaus im Kräuterbeet fing es an: Die Neuensalzerin Ramona Körner hob es hoch - und zerstörte damit die bisherige Arbeit einer Schneckenhaus-Biene. "Die legt nämlich ihre Eier in solche Gehäuse und deckt sie dann mit Halmen und kleinen Zweigen zu - aber das wusste ich ja alles nicht", sagt Ramona Körner. Inzwischen hat sie die Biene oft bei der Arbeit fotografiert und sich eingehend autodidaktisch mit dem Komplex Wildbienen und Insekten überhaupt befasst.

Was sie dabei lernte, will sie am Mittwoch, 13. März, bei einer Veranstaltung im Natur- und Umweltzentrum (NUZ) Vogtland in Oberlauterbach an andere weitergeben. Fachlich unterstützt wird sie vom "hauseigenen" Entomologen (Insektenkundler) Reiner Tschaschke. Und auch Sebastian Pilz, der gerade sein Freiwilliges Ökologisches Jahr (FÖJ) in Oberlauterbach absolviert, hat sich ins Thema eingearbeitet.

Spätestens seit dem bayerischen Volksbegehren "Rettet die Bienen" ist klar, dass sich nicht nur ein paar "Ökospinner" Gedanken über die Artenvielfalt der Krabbeltiere machen. Ramona Körner sieht zum Teil schon "Aktionismus", der zwar gut gemeint sei, aber manchmal mehr schade. "Eine Weile wollte jeder Imker werden - das hat sich zum Glück gelegt", meint sie. Denn um die Honigbiene stehe es bei weitem nicht so schlecht wie um die vielen Wildbienen-Arten, deren Bestäubungsleistung sogar höher sei. Jetzt seien Insektenhotels in Mode - wobei erneut vieles falsch gemacht werde. Zum Beispiel gehörten weder Tannenzapfen noch Stroh hinein: "Das ist was für Ohrenkriecher, und die sollte man dort gerade nicht ansiedeln - sie fressen Wildbienenlarven." Unsaubere Bohrungen könnten Flügel verletzen, auch die Holzart müsse beachtet werden. Oft seien die "Hotels" viel zu groß: "Die meisten Wildbienen bevorzugen Eigenheime."

Und außerdem lebten ohnehin rund 75 Prozent der Wildbienen-Arten im Erdboden, hätten also keinerlei Nutzen von solchen Nisthilfen - selbst wenn die perfekt sein sollten. Sogar Blühstreifen könnten manchmal kontraproduktiv sein, meint Ramona Körner. Nämlich dann, wenn die Streifen im falschen Moment gemäht würden, man also die Insekten erst anlocke und dann vernichte. Sebastian Pilz empfiehlt "phasenweises Mähen", also das Stehenlassen eines Wiesenteils, in das die Insekten wechseln könnten. Überhaupt sei zuviel Ordnung in den Gärten gefährlich für die Artenvielfalt, ergänzt Ramona Körner. Totholz, abgestorbene Halme, altes Laub - all dies sei wichtig: "Man kann es ja unter die Büsche schieben."

Nach einer Idee von Ramona Körner ist in Oberlauterbach 2018 ein Insektengarten entstanden, der nun vor allem von Sebastian Pilz ausgebaut werden soll. Am 13. März will man im NUZ mit möglichst vielen Menschen ins Gespräch kommen - mit Landwirten, Kleingärtnern und Forstleuten ebenso wie mit Ornithologen und anderen Naturschützern. "Es kann nicht darum gehen, jemanden anzuprangern", meint NUZ-Chefin Karin Hohl. "Alle tragen Verantwortung für den Artenschutz."

Um "Wildbienen - die vergessenen Bienen und Co." geht es am 13. März, ab 18 Uhr im NUZ Oberlauterbach. Voranmeldung unter 03745 751050 ist erwünscht, der Unkostenbeitrag beträgt vier Euro.

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